Prognose
Uri wird wohl weiter wachsen – einzige Ausnahme bildet das Schächental

Das Amt für Raumentwicklung schätzt, dass die Bevölkerungszahl im Urserntal und das Untere Reusstal Nord in den nächsten Jahren zunimmt. Verantwortlich sind Zuzüger aus dem Kanton, In- und Ausland. Nun gilt es, auf diese Entwicklung zu reagieren.

Anian Heierli
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Die Bevölkerung im Kanton Uri wächst. Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS) zeigen: Anfang 2020 lebten in Uri 36'703 Personen. 2010 waren es 35'335. Dies entspricht also einem realen Bevölkerungswachstum von rund 3,7 Prozent in zehn Jahren. Diese Entwicklung soll auch in den nächsten Jahren anhalten. Das verdeutlicht eine aktuelle Einschätzung des Urner Amts für Raumentwicklung.

Die Prognose hängt von der Entwicklung des neuen Kantonsbahnhofs in den kommenden Jahren ab.

Die Prognose hängt von der Entwicklung des neuen Kantonsbahnhofs in den kommenden Jahren ab.

Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 19. Dezember 2020)

Kantonsplaner Marco Achermann dazu auf Anfrage: «Wir erwarten bis 2035 im Kanton Uri eine Bevölkerung zwischen rund 39'000 und 40'500 Einwohnerinnen und Einwohner.» Als Grundlage für die Prognose dienen unter anderem Szenarien des BFS. Hier haben sich die Experten vom Amt für Raumentwicklung eher an einer tiefen Einschätzung orientiert. «Wir halten diese für am wahrscheinlichsten. Auch weil wir die demografischen und wirtschaftlichen Trends der vergangenen Jahre berücksichtigen», so Achermann. Parallel dazu betont er, «dass man im Kanton Uri mit verhältnismässig kleinen Zahlen arbeiten muss.» Statistische Unsicherheiten seien deshalb grösser.

Wachstum unterscheidet sich stark nach Region

Gemäss Kantonsplaner ist die Prognose eine Momentaufnahme. Einfluss hat etwa, wie sich die Schwerpunkte Kantonsbahnhof Altdorf und das Tourismusprojekt in Andermatt in den nächsten Jahren entwickeln. Diese unterschiedlichen Gegebenheiten innerhalb des Kantons führen dann auch zu einem prognostizierten Wachstum oder Rückgang der Bevölkerungszahl je nach Gemeinde und Region (siehe Grafik).

Der prozentual stärkste Wachstum wird mit 26 Prozent fürs Urserntal erwartet. Ebenfalls weiter an Bevölkerung zunehmen wird das Untere Reusstal Nord mit einem Wachstum von 7,9 Prozent. «Dies unterstreicht den starken Einfluss der Wachstumsimpulse, die sich aus dem Tourismusprojekt in Andermatt und den Entwicklungen im Umfeld des Kantonsbahnhofs ergeben», heisst es im Bericht. In den Regionen Oberes Reusstal, Unteres Reusstal Süd und den Seegemeinden wird die Bevölkerung bis 2035 ebenfalls zwischen 1,9 und 6 Prozent zunehmen. Als einzige Region im Kanton dürfte das Schächental in den nächsten 15 Jahren an Bevölkerung verlieren.

Was führt zu dieser «ungünstigen» Prognose fürs Schächental? «In den vergangenen Jahren konnte die natürliche Bevölkerungsentwicklung die Abwanderung etwas auffangen», so Achermann. Zur Erklärung: Die natürliche Bevölkerungsentwicklung setzt sich aus der Geburten- und Sterberate zusammen. Doch in den vergangenen Jahren sind vor allem jüngere Jahrgänge aus dem Schächental weggezogen. Also jene Generation, die nun Kinder bekommt. Kantonsplaner Achermann erklärt:

«Deshalb gehen wir nicht davon aus, dass die Geburten in den nächsten Jahren die Abwanderung im Schächental weiter auffangen können.»

Dennoch werde auch das Schächental von der Entwicklung im unteren Reusstal profitieren. Doch für die gesamte kantonale Prognose wurde nicht nur die natürliche Bevölkerungsentwicklung beachtet, sondern detailliert auch die Ab- und Zuwanderung in den Jahren 2011 bis 2018.

Wassen und Gurtnellen profitierten kaum vom Sawiris-Projekt

Aus der Prognose und Analyse wird unter anderem ersichtlich, dass die Entwicklung im Urserntal und im Oberen Reusstal unterschiedlich verläuft. «Das Obere Reusstal, insbesondere Wassen und Gurtnellen, konnte bislang kaum vom dynamisch wachsenden Tourismus in Andermatt profitieren», heisst es im Bericht des Amts für Raumentwicklung. «Zum anderen bleibt es eine zentrale planerische Aufgabe, das anhaltende Wachstum im Talboden qualitätsvoll zu gestalten.»

Im Raumkonzept ist die Stossrichtung formuliert, die spezifischen Stärken der Regionen gezielt zu fördern. Dazu zählen etwa naturnahe Landschaften mit Potenzial für «sanften» Tourismus. Vielversprechend sind auch eine standortgerechte Landwirtschaft sowie die Wasserkraftnutzung. Aber auch Projekte wie die «Infoplattform Wohnraumförderung» oder das vom Bund geförderte Modellvorhaben «Chancen und Risiken der Digitalisierung für die Grundversorgung».