PROJEKT: Buch enthüllt Schicksale rund um Schattdorf

Wer sich für die Geschichte der Gemeinde Schattdorf interessiert, findet bisher nur wenig. Das soll sich bald ändern.

Markus Zwyssig
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Peter Moser (links) und Walter Renggli haben sich viele Stunden in die Schattdorfer Geschichte vertieft. (Bild Markus Zwyssig)

Peter Moser (links) und Walter Renggli haben sich viele Stunden in die Schattdorfer Geschichte vertieft. (Bild Markus Zwyssig)

Die Ausgangslage ist aussergewöhnlich: Ein Journalist aus Lörrach, Deutschland, erforscht akribisch die Schatt­dorfer Geschichte. Er heisst Peter Moser und macht dies bereits seit rund 20 Jahren. «Schon als Kind bin ich immer wieder im Kanton Uri gewandert», sagt Moser zu seinen Beweggründen. «Besonders die knorrigen Männer mit Pfeife und Bart haben mich damals beeindruckt.» Bei der 750-Jahr-Feier der Gemeinde 1998 kam er mit den Schattdorfern in Kontakt. Der damalige Gemeindepräsident Ruedi Müller ermöglichte Moser, alte Dokumente einzusehen. Auf diese Weise konnte der Journalist Gemeinderatsprotokolle von 1813 bis 1920 durcharbeiten. Auch im Urner Staatsarchiv schaute sich Moser alles an, was er über Schattdorf fand.

Eindrückliche Biografien

Niedergeschrieben hat er aber nur, was besonders aufgefallen ist. «Ich stiess auf viele Familiendramen und Einzelschicksale der damaligen Zeit», erzählt Moser. Erwähnt wird aber auch, wer sich politisch in Szene setzte, wer zur Oberschicht gehörte oder wer sich besonders wohltätig zeigte. So konnte Peter Moser zahlreiche Biografien von Schattdorfern aus der damaligen Zeit nachkonstruieren. Zu Hilfe kam ihm dabei, dass 1860 das kantonale Grundbuch eröffnet und die Liegenschaften erfasst wurden. 1870 fand eine grosse Volkszählung statt. Dadurch konnte man die Besitzer der verschiedenen Liegenschaften ausfindig machen.

Moser erhielt bei seiner zeitintensiven Aufarbeitung der Dorfgeschichte die Hilfe von zwei Schattdorfern: Edgar Zgraggen besitzt viele Fotografien, insbe­sondere vom alten Schattdorf und vom Haldi. Walter Renggli ist ein profunder Kenner der Schattdorfer Geschichte. Schon von Kindesbeinen an hat er sich dafür interessiert. «Mein Geschichtsinteresse weckte wohl damals mein Primarlehrer Karl Gisler», sagt Renggli. Vor ein paar Jahren wollte er mehr über Gampelen und Schild auf dem Haldi wissen. Aus den Archiven der Korporationsbürgergemeinde erhielt er entsprechende alte Akten. «Ich musste diese aber zuerst mit dem Staubsauger säubern, um die Unterlagen überhaupt lesen zu können.» Doch das nahm Renggli gerne auf sich. «Ich suchte schliesslich nach einer sinnvollen Beschäftigung für meine Zeit als Rentner.»

Ein Werk mit drei Teilen

Die drei Männer sind ihre Arbeit systematisch angegangen. Die Aufarbeitung der Geschichte ist schon weit fortgeschritten. Nächstes Jahr vor Weihnachten soll nun ein dickes Buch über Schattdorf erscheinen. Geplant ist ein Werk mit insgesamt drei Teilen. Die Menschen sollen im Mittelpunkt stehen. Weiter wird die Geschichte aufgerollt. Aber auch das Haldi und die Berge rund um Schattdorf sollen gebührend vertreten sein.

Wer sich für die Bücher interessiert, kann bereits heute Mittwoch einen ersten Einblick in das umfassende Werk erhalten. Peter Moser, Walter Renggli und Edgar Zgraggen geben an der Generalversammlung der Haldi-Freunde einen Einblick in ihr Projekt «Das alte Schattdorf – Geschichte eines Urner Dorfes». Die GV findet um 19.45 Uhr im Mehrzweckgebäude auf dem Haldi statt und ist öffentlich.