PROJEKT: Harte Kritik an Sawiris’ Luxushotel in Montenegro

Samih Sawiris’ Hotelpläne auf einer früheren Gefängnisinsel provozieren heftigen Streit. Angehörige der Opfer wollen gegen das Vorhaben kämpfen.

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Die Insel Lastavica, einst Gefängnisinsel. (Bild: PD)

Die Insel Lastavica, einst Gefängnisinsel. (Bild: PD)

Dokument: Den offenen Brief der Veteranen (auf englisch) finden Sie im Internet auf www.luzernerzeitung.ch/bonus

ras/sda. Knapp ein Jahr nach Bekanntwerden des Projekts, gerät die geplante Hotelanlage des Tourismusunternehmers Samih Sawiris ins Kreuzfeuer der Kritik. Grund: Die Festung Mamula auf der Insel Lastavica in Montenegro wurde während des Zweiten Weltkrieges von den italienischen Faschisten als Gefangenenlager benutzt. Laut dem «Tagesanzeiger» laufen Angehörige der damaligen Opfer nun Sturm gegen das Projekt.

Regierung gab grünes Licht

Mehr als 100 Menschen sollen dort zu Tode gequält worden sein. Ende vergangenen Jahres hatte die montenegrinische Regierung dem ägyptisch-schweizerischen Investor Orascom grünes Licht für das Hotelprojekt gegeben. Die Kritik durch Angehörige von Opfern an den Hotelplänen habe zugenommen, wie Medien in Montenegro berichteten. «Auf der ganzen Welt ist noch kein Konzentrationslager zu einem Hotel umgebaut worden», lässt sich die Angehörige und Aktivistin Olivera Doklestic zitieren. Die Angehörigen fordern, dass die Festung restauriert und als Gedenkstätte für Besucher geöffnet wird.

Nach Darstellung von Orascom haben Opfervertreter den Plänen zugestimmt. Die Regierung teilte mit, der Opfer solle durch eine Gedenkstätte auf der Insel gedacht werden.

Veteranen halten dagegen

Doch andere Organisationen sehen das anders und unterstützen das Projekt. So hat sich die Weltkriegs-Veteranenorganisation «Herceg Novi», die den Widerstand gegen das Projekt angeführt hat, umentschieden. In einem offenen Brief ans montenegrinische Parlament (siehe Hinweis) legt die Organisation ihren Sinneswandel dar. Statt weiter zu überwuchern, werde die historische Stätte durch das Projekt wieder gepflegt werden, heisst es im Brief. Zudem hätten Orascom-Vertreter versichert, dass die Gedenkstätte das ganze Jahr über besucht werden kann.

Projektkosten: 15 Millionen Euro

Die Festung Mamula auf Lastavica wurde im 19. Jahrhundert von den Habsburgern erbaut. Sie bewacht die malerische Einfahrt in die Bucht von Kotor und wurde ab 1942 von den italienischen Faschisten als Gefängnis genutzt.

Der Investor Orascom hat die Insel von der montenegrinischen Regierung für 49 Jahre gemietet. Ursprünglich war ein Investitionsrahmen von 15 Millionen Euro für die Hotelanlage auf Lastavica eingeplant. Das Projekt soll Montenegro mindestens 200 neue Arbeitsplätze bringen.