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PROZESS: Ignaz Walker wird aus Sicherheitshaft entlassen

Der Erstfelder Barbetreiber, gegen den wegen Mordversuchs ein Prozess hängig ist, wird aus der Sicherheitshaft entlassen. Seine Bewegungsfreiheit bleibt aber eingeschränkt.
Ignaz Walker nach seiner Freilassung aus dem Untersuchungs- und Strafgefängnis Nidwalden in Stans. (Bild Dominik Wunderli)

Ignaz Walker nach seiner Freilassung aus dem Untersuchungs- und Strafgefängnis Nidwalden in Stans. (Bild Dominik Wunderli)

Das Gericht hat die Haftprüfung von Amtes wegen vorgenommen und war dabei zum Schluss gekommen, dass eine Sicherheitshaft nicht mehr verhältnismässig sei, wie es am Dienstag mitteilte. Dem Barbetreiber Ignaz Walker war seit Juli nur noch wegen Verdunkelungsgefahr die Freiheit verweigert worden. Weitere mögliche Haftgründe wie Flucht- oder Wiederholungsgefahr waren schon damals verneint worden.

Der Barbetreiber war bereits im Januar 2015 nach über vierjähriger Sicherheitshaft auf freien Fuss gesetzt worden. Nur drei Monate später ordnete das Bundesgericht aber eine erneute Sicherheitshaft an. Der Anwalt des Beschuldigten, Linus Jäggi, zeigte sich zufrieden mit der nun beschlossenen Freilassung. Die Auflagen seien zu erwarten gewesen, sagte er auf Anfrage.

Unter Beobachtung

Damit der Beschuldigte trotz der ihm zugebilligten Freiheit den gegen ihn hängigen Prozess nicht beeinflussen kann, ordnete das Gericht Ersatzmassnahmen an. So wurde der Barbetreiber mit einer Ausweissperre belegt. Er darf die Schweiz nicht verlassen und muss sich zwei Mal wöchentlich an seinem Aufenthaltsort bei der Polizei melden.

Weiter darf sich der Barbetreiber nicht an seinem früheren Wohnort aufhalten. Mit mehreren, am Prozess beteiligten Personen darf er nicht in Kontakt treten. Dazu gehört auch ein unbekannter Mann, der angeblich der wahre Schütze gewesen sein soll.

Der Barbetreiber war im November 2010 in Untersuchungshaft genommen worden und befand sich seither während vier Jahren und neun Monaten hinter Gittern. Ein rechtskräftiges Urteil gibt es in diesem Fall, der sich wegen einer möglichen Befangenheit eines leitenden Ermittlers zur Justizaffäre ausweitete, noch nicht.

Zwei Vorfälle

Der Beschuldigte soll 2010 ausserhalb seines Lokals in Erstfeld auf einen Gast geschossen haben und später die Ermordung seiner damaligen Frau in Auftrag gegeben haben. Die Frau wurde durch drei Schüsse lebensgefährlich verletzt. Im Herbst 2013 wurde er vom Obergericht zu einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren verurteilt.

Das Bundesgericht hiess im Dezember 2014 eine Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichtes in zwei Punkten gut. Ein Punkt betraf eine umstrittene DNS-Spur des Wirts auf einer Patronenhülse.

Ein zweiter Mann ist in diesem Fall rechtsgültig verurteilt. Er hat nach Einschätzung der Urner Justiz im Auftrag des Barbetreibers auf dessen damalige Gattin geschossen. Der Mann hatte die Tat aber nie gestanden.

Der Verurteilte sagte in einem von der Sendung «Rundschau» des Schweizer Fernsehens SRF im Gefängnis geführten Interview, nicht der Barbetreiber sei für den Anschlag verantwortlich, sondern die Frau selbst und ihr Freund. Die beiden hätten mit einem fingierten Tötungsversuch den Barbetreiber ins Gefängnis bringen wollen.

Zweites Verfahren eröffnet

Die Schüsse sollen von einer weiteren Person abgefeuert worden sein. Wer dieser Täter sein soll, wurde im Fernsehbeitrag nicht publik gemacht und Fernsehen SRF weigert sich, den Namen der Justiz zu nennen. Wegen den Aussagen des verurteilten Auftragsmörders eröffnete die Urner Justiz im Sommer ein zweites Strafverfahren.

Im Juli war die Fortsetzung der Sicherheitshaft nicht zuletzt wegen dieses neuen Strafverfahrens angeordnet worden. Mittlerweilen sei die Untersuchung nicht mehr im Anfangsstadium, heisst es im neuen Urteil. Eine Einvernahme des unbekannten Schützen vor der erneuten Verhandlung vor Obergericht sei unwahrscheinlich. Die Verdunkelungsgefahr sei damit verringert.

Die Verhandlungen vor Obergericht sollen im Oktober stattfinden. Am nächsten Montag findet in Erstfeld eine Rekonstruktion der Tat statt, bei der auch scharf geschossen wird.

Was Ignaz Walker sagt, lesen Sie am 23. September in der Neuen LZ.

(sda)

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