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Prozession hat sich gewandelt

Früher nahm fast das halbe Dorf an den Fronleichnams-Prozessionen teil und machte vor Seitenaltären einen Gebetshalt. Böllerschüsse markierten den Festablauf, der auch bezüglich Reihenfolge genau geregelt war.
Rolf Gisler-Jauch

Am Fronleichnamsfest wird die leibliche Gegenwart Jesu Christi im Sakrament der Eucharistie gefeiert. Die Bezeichnung Fronleichnam leitet sich von den beiden mittelhochdeutschen Wörtern vrôn («was den Herrn betrifft») und lîch(n)am («der Leib») ab. In der Liturgie trägt das Fest den Namen «Hochfest des Leibes und Blutes Christi». In der englischen sowie in anderen Sprachen wird das Fest «Corpus Christi» genannt.

Die Anregung zur Schaffung des Fronleichnamsfests geht auf eine Vision der heiligen Juliana von Lüttich im Jahre 1209 zurück. Gemäss der Legende habe diese in einer Vision im Mond eine verdunkelte Stelle gesehen. Christus habe ihr erklärt, dass der Mond das Kirchenjahr bedeute, und der dunkle Fleck zeige das Fehlen eines Fests des Altarssakraments. 1215 präzisierte das Laterankonzil die Wandlung von Brot und Wein (Transsubstantiation) und erhob es zum Dogma. Das Fest wurde erstmals 1246 im Bistum Lüttich gefeiert worden und wurde 1264 von Papst Urban IV. durch eine Bulle zum Fest der Gesamtkirche erhoben. Auslöser dieser Entscheidung war das Blutwunder von Bolsena (I). Ein Priester soll nach Zweifeln am Dogma in der Messe das Brot für die Kommunion gebrochen und dabei Bluts-tropfen darauf entdeckt haben.

Für Martin Luther «das allerschändlichste Fest»

Die Reformation stand dem Fronleichnamsfest ablehnend gegenüber, da es sich biblisch nicht begründen lasse. Martin Luther erklärte 1530, dass er Fronleichnam «das allerschändlichste Fest» finde. An keinem Fest werde Gott und sein Christus mehr gelästert als an diesem Tag, besonders mit der Prozession. Denn da tue man alle Schmach dem heiligen Sakrament an, da man dies nur zum Schauspiel umhertrage und eitel Abgötterei damit treibe. Das Konzil von Trient (1545–1563) bestätigte das Fronleichnamsfest und stellte es in den Dienst der Gegenreformation.

Der Donnerstag als Festtermin für Fronleichnam steht in enger Verbindung mit dem Gründonnerstag in der Osterwoche, an dessen Abend der Einsetzung des Altarsakraments (Eucharistie) gedacht wird. Wegen des stillen Charakters der Karwoche erlaubte der Gründonnerstag jedoch keine prunkvolle Ausschmückung des Fests des Herrn. Fronleichnam wurde deshalb bei seiner Einführung auf den zweiten Donnerstag nach Pfingsten gelegt. In Uri und den katholischen Kantonen ist Fronleichnam ein offizieller Feiertag. In katholischen Ländern, in denen dies nicht der Fall ist, wird das Hochfest meistens am darauffolgenden Sonntag gefeiert.

Begleitet von 20 Fahnen und Fähnlein

Der wichtigste Teil des Fronleichnamsfests ist die heilige Messe. In Uri wird dieser Gottesdienst am Morgen auf öffentlichen Plätzen im Freien oder an speziellen Orten wie der Lourdes-Grotte in Unterschächen gefeiert. An die Messe schliesst sich in der Regel die Prozession an. Früher waren diese hierzulande viel grösser und bedeutender. Die Ordnung war genau festgelegt. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Prozession in Altdorf von der grossen roten Fahne und dem Kreuz angeführt. Es folgte das «Aloysius Fähnlein», dem die Schulmädchen und die grossen Jungfrauen sowie die Jungfrauenkongregation folgten. Nach einer weiteren grossen weissen Fahne schloss sich die Jungmännerkongregation an. Hinter der grossen gelben Fahne folgten die Schulknaben. Es kamen die Bruder-schaften mit Fahne und Heiligen – so die Antoniner, die Barbariner sowie Schneider und Schuster, die Bruderschaft der Herren zum Straussen und Griesen, der Pfister und Müller und schliesslich die Jakobsbruderschaft mit Fähnlein. Die einzelnen Bruderschaften trugen in ihrer Mitte ebenfalls eine Fahne und eine Skulptur des Bruderschaftsheiligen. Zu Ehren kamen – neben Maria und Josef - der Kirchenpatron, der heilige Martin, sowie Sankt Florian. Das silberne Bild Mariä Geburt wurde umrahmt von Muttergottes-Fahnen. Es folgte die Bruderschaft zur Beförderung guter Werke sowie das Bild des heiligen Fidelis mit den Kapuzinern. Zwei weiteren weissen Fähnlein mit aufgemaltem Kelch und Hostie folgten die Choralisten und die Priester. Den Höhepunkt bildeten, umrahmt von vier weiteren Fähnlein, die Ministranten (Accolyten), die Leviten (assistierenden Diakone) und der messlesende Priester (Officiator) mit dem Allerheiligsten unter dem Baldachin. Den Abschluss machten die Magistraten und das übrige Volk – Männer und «Weiber». 1913 nahmen in Altdorf an der Fronleichnamsprozession 1500 Personen teil. Das waren rund 40 Prozent der Bevölkerung des Hauptorts. An der Prozessionsstrecke standen bis zu vier Aussenaltäre. Diese waren mit Blumen und Ästen geschmückt. Es wurde damit der Flurumgang symbolisiert. Bei jeder «Statio» wurde angehalten und ein Abschnitt aus dem Evangelium vorgetragen, Fürbitten gesprochen und der sakramentale Segen in alle Himmelsrichtungen erteilt.

Es war früher in Uri allgemein Sitte und Brauch, dass der Beginn von hohen Festen oder grossen Anlässen mit Salutschüssen angekündigt wurde (siehe auch Box oben). Während des Gottesdiensts und der anschliessenden Prozession übernahmen diese Böllerschüsse den Signaldienst und markierten Beginn des Gottesdiensts sowie der Prozession und begleiteten die Wandlung von Brot und Wein. Das Schiessen wurde von Urner Artilleriekorps in Form einer militärischen Schiessübung auf dem Lehn besorgt. Nach dessen Auflösung wurde dem Altdorfer Gemeinderat 1859 angezeigt, dass es nun ihm überlassen sei, für das Schiessen zu sorgen und dass hierfür die Kanonen im Zeughaus benützt werden könnten.

Prozession wird vielfach von Musik begleitet

Die Form der Prozessionen hat sich im Lauf der Zeit gewandelt und sie wurde kleiner. Geblieben ist der wesentliche Kern, der Priester mit der Monstranz, zum Teil unter einem «Himmel» genannten Stoffbaldachin. Von der Schülerschaft nehmen meistens nur noch die Erstkommunikanten teil. Die meisten Bruderschaften und Kongregationen wurden schon lange aufgelöst. An ihre Stelle sind Vereinsdelegationen getreten. In Altdorf begleiten noch die Barmherzigen Brüder die Prozession anj Fronleichnam. Verschwunden sind auch die Aussenaltäre. Mit der Gründung der Musikgesellschaften wurde hingegen mancherorts auch die Dorfmusik zu einem festen Bestandteil.

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