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RAUBTIERE: Uri fasst Luchsabschuss ins Auge

Der Urner Jagdverwalter will beim Bund eine Abschussbewilligung für den Luchs einholen. Die Umweltverbände halten diese Klärung für richtig, verlangen aber, dass sich der Bund hinter den Luchs stellt.
Florian Arnold
Der Bund soll entscheiden, ob der Luchs in Uri bejagt werden soll. (Bild: Romano Cuonz (Tierpark Goldau, 17. Mai 2017))

Der Bund soll entscheiden, ob der Luchs in Uri bejagt werden soll. (Bild: Romano Cuonz (Tierpark Goldau, 17. Mai 2017))

Florian Arnold

florian.arnold@urnerzeitung.ch

Der Luchs ist ein Dauerbrenner. Auch am vergangenen Wochenende, als sich die Jäger zur Trophäenschau und zum Pelzmarkt in Altdorf trafen, wurde das Thema breit diskutiert. Wie Andreas Gnos, Vizepräsident des Urner Jägervereins, dort verlauten liess, geht man davon aus, dass die Urner Jagdverwaltung beim Bund schon bald ein Gesuch für die Regulierung des Luchses einreichen wird (siehe).

Dieses Vorhaben bestätigt nun Jagdverwalter Josef Walker auf Anfrage unserer Zeitung. «Im Moment können aber noch keine Angaben zum definitiven Zeitpunkt der Eingabe gemacht werden», so Walker. Die Diskussion über eine allfällige Luchsreduktion beziehe sich gemäss Konzept Luchs Schweiz immer auf sogenannte Teilkompartimentsflächen. Das Urner Gebiet westlich der Reuss gehört zusammen mit den Kantonen Nidwalden, Obwalden Ost und kleineren Teilen des Kantons Bern zum Teilkompartiment Zentralschweiz Mitte.

«Alle relevanten Parameter für eine allfällige Luchsregulation müssen über diese gesamte Fläche erhoben und interpretiert werden», erklärt Walker. «Diese Daten der Nachbarkantone sind noch nicht vollständig eingetroffen und ausgewertet. Ich gehe davon aus, dass dies bis im Sommer 2018 der Fall sein wird.»

Fünf Vorgaben sind zu erfüllen

Laut Walker macht der Bund folgende Vorgaben für eine Regulation des Luchses:

– Flächige Verbreitung des Luchses und dokumentierte Fortpflanzung

– Luchsdichte grösser als 1.5 selbstständige Luchse pro 100 Quadratkilometer

– drei Reproduktionen (Luchswürfe) im Vorjahr

– Hohe Nutzungseinbussen beim kantonalen Jagdregal, also hohe Bestandesrückgänge in den vergangenen Jahren

– Gute Waldverjüngungssituation (natürliche Waldverjüngung mit standortgerechten Baumarten auf 75 Prozent der Fläche).

Diese Parameter gilt es nun zu belegen. Nach dem Einreichen eines Gesuches des Kantons Uri beim Bundesamt für Umwelt (Bafu) geben die übrigen Kompartimentskantone eine fachliche Empfehlung ab. Das Bafu prüft anschliessend das Gesuch und entscheidet. Der Entscheid kann gerichtlich überprüft werden. Bei einem Entscheid für eine Luchsreduktion wäre diese auf ein Jahr befristet.

Gejagt werden dürften dann nur so viele Tiere, wie es Würfe im Vorjahr gab. «Eine freie Bejagung des Luchses steht nicht zur Diskussion, da auch bei einer Bewilligung des Bundes sich die Regulation nur auf einige wenige Luchse bezieht», so Walker.

«Der Einfluss kann bedeutend sein»

Doch ist der Luchs überhaupt ein Problem in Uri? «Wenn überhaupt kein Problem vorhanden wäre, würden wir momentan kaum so intensiv über dieses Thema diskutieren», gibt Walker zu bedenken. «Der Einfluss des Luchses kann lokal beim Rückgang von Reh- und Gämsbeständen durchaus bedeutend sein und daher ein Problem darstellen.»

Hier sind die Umweltverbände anderer Meinung. Sie stellen sich auf den Standpunkt, die Kriterien für eine Regulation wären nicht erfüllt und man solle zuerst die eidgenössische Jagdgesetzesrevision abwarten. «Anstatt einer Regulierung müsste man vielmehr eine Bestandes-Stützung der Luchspopulation diskutieren», sagt Kurt Eichenberger vom WWF Uri. «Der Luchsbestand ist alpenweit gesehen noch sehr verletzlich, bräuchte dringend eine Blutauffrischung und eine verbesserte internationale Zusammenarbeit.»

Nicht an regionaler Lösung interessiert

Gegen ein Gesuch beim Bund hat WWF Uri jedoch nichts einzuwenden: «Die Antwort des Bundes auf eine solche Anfrage wird klar und verbindlich sein», so Eichenberger. So wurde dies auch bei einem runden Tisch mit Kanton, Jagd- und Umweltverbänden besprochen. Dieser war aufgrund einer parlamentarischen Empfehlung zur Luchs-Thematik von Landrat Alois Zurfluh (CVP, Attinghausen) einberufen worden.

Der WWF Uri hatte dort aber auch angeregt, in einer Arbeitsgruppe unter der Leitung des Kantons eine regionale Lösung zur Luchs-Thematik in Uri zu entwickeln. «Es mochte sich aber niemand dafür erwärmen», so Eichenberger. «Wahrscheinlich werden es deshalb einmal mehr der Bund oder der Gesetzgeber sein, die den Weg weisen.» Sollte der Regulation vom Bund grünes Licht erteilt werden, behalten sich die Umweltorganisationen vor, von ihrem Beschwerderecht Gebrauch zu machen.

Denn aus Sicht der Umweltorganisationen sind die Kriterien des Bundes nicht erfüllt. «Die gesamte Ausbeute der Urner Jäger hat über die vergangenen Jahre zugenommen», sagt Eichenberger. «Die Gams-Zahlen sind konstant und jene des Rehs wachsen leicht.» Besonders die Hirschpopulation wurde in den vergangenen Jahren grösser, was auch einen gewissen Verdrängungseffekt auf Reh und Gams haben könne, so der WWF-Vertreter.

Luchs wird zum einseitigen Schuldigen

Denken müsse man in diesem Zusammenhang aber auch an Epidemien, die sich auf den Gamsbestand auswirkten, oder eine lange Zeit einseitige Bejagung. «Sicher hat der Luchs Einfluss auf Reh und Gams. Die Jäger neigen aber dazu, im Luchs einseitig den Schuldigen zu suchen», so Eichenberger.

Noch nicht klar sei, wie der Bund den Waldverbiss beurteile, der sich laut des Amts für Forst und Jagd an der oberen tolerierbaren Grenze befinde. Bestätigt seien zudem erst zwei Luchswürfe innerhalb des Teilkompartiments.

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