Kolumne

Räumliche, nicht soziale Distanz ist gefragt

Ürner Asichtä: Ralph Aschwandens Blick auf die Corona-Krise

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Ralph Aschwanden, Vorsteher Amt für Kultur und Sport, Altdorf

Ralph Aschwanden, Vorsteher Amt für Kultur und Sport, Altdorf

Bild: PD

Wer hätte sich das vor zwei Wochen vorstellen können? Ausnahmezustand in der Schweiz. Das öffentliche Leben stark eingeschränkt. Kultur und Sport sind in den privaten (Einzel-)Bereich oder in die digitale Welt verbannt. Das Home-Schooling wird temporär zum Standard. Die Entwicklung ging rasend schnell – analog zur Verbreitung des Virus, dessen Namen hier nicht mehr genannt zu werden braucht. Die Entwicklung macht betroffen, wühlt auf und lässt viele Fragen offen. Eine grosse Zahl von Menschen trifft die Krise zudem ausserordentlich hart. Menschen etwa, die zu den besonders gefährdeten Risikogruppen gehören. Oder Mitarbeiter, Freischaffende und Selbstständigerwerbende. Wirtschaftlich geraten verschiedene Unternehmen in schwierige Situationen mit einem ungewissen Ausgang.

Aussergewöhnliche Zeiten erfordern einen ausserordentlichen Einsatz. Viele Menschen leisten deshalb derzeit einen grossen Effort, um die grundlegendsten Bereiche unserer Gesellschaft am Laufen zu halten: das Gesundheitswesen, die staatlichen Einrichtungen (inklusive Bildung) und die Lebensmittelversorgung. Das verdient die Anerkennung von uns allen. Der Ausnahmezustand ist für uns alle neu. Nicht alle Fragen können sofort und zur Zufriedenheit aller beantwortet werden. Es braucht Geduld und Verständnis dafür, dass die Personen, die an vorderster Front die Krise zu bewältigen versuchen, nicht alle Antworten haben.

Was mich positiv stimmt, sind die zahlreichen Zeichen der Solidarität und die Kreativität, mit denen dieser aussergewöhnlichen Situation begegnet wird. Hilfsangebote für besonders gefährdete Menschen sind zahlreich vorhanden. Ideen zur sinnvollen Beschäftigung von Kindern zu Hause werden rege geteilt. Musikerinnen und Musiker bieten auf sozialen Medien Livekonzerte an. Viele Personen verzichten aus Solidarität mit Kulturveranstaltern auf die Rückerstattung von Tickets. Schweizer Radiostationen spielen mehr Schweizer Musik, damit die Künstlerinnen und Künstler mehr Einnahmen aus Urheberrechten erhalten. Fitnessstudios bieten Online-Kurse an, die von allen genutzt werden können. Eine der wichtigsten Reaktionen auf diese Ausnahmesituation sollten wir aber alle in unserem privaten Umfeld zeigen. Das vom Bundesrat empfohlene «Social Distancing» (Abstand halten zu Personen) sollte nämlich nicht als «Soziale Distanzierung» verstanden werden. «Social Distancing» heisst nämlich «Räumliche Distanzierung». Sozial sollten wir uns dank Telefon, Whatsapp, Facetime, Skype, Videochats und so weiter gerade in diesen Ausnahmezeiten näherkommen. Rufen Sie Ihnen nahestehende Personen häufiger an. Rücken Sie sozial näher zusammen und zeigen Sie, dass unsere Gesellschaft auch diese Herausforderung übersteht. Räumliche, nicht soziale Distanz ist das Gebot der Stunde.

Ralph Aschwanden, Vorsteher Amt für Kultur und Sport, Altdorf