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REALP: Hüter der Finanzen tritt ab

45 Jahre war Karl Cathry Gemeindeschreiber. Jetzt wurde eine Nachfolgerin gefunden. Der charismatische Arbeiter blickt zurück auf seine abwechslungsreiche Tätigkeit.
Karl Cathry in der Gemeindekanzlei in Realp: «In einem Chaos könnte ich nicht arbeiten.» (Bild: Florian Arnold / Neue UZ)

Karl Cathry in der Gemeindekanzlei in Realp: «In einem Chaos könnte ich nicht arbeiten.» (Bild: Florian Arnold / Neue UZ)

Florian Arnold

77 Jahre alt und noch mit beiden Beinen im Berufsleben: Karl Cathry ist ein Ausnahmefall. Der Realper ist der älteste Gemeindeschreiber der Zentralschweiz und noch immer im Amt. Nun allerdings will er sich zurückziehen. An der gestrigen Gemeindeversammlung wurde seine Nachfolgerin, Belinda Gamma, bestimmt. Doch noch bis am 1. September wird Cathry die Gemeindekanzlei führen und später auch die 29-Jährige in ihr Amt einführen.

Chaos ist nichts für ihn

Die Ordner stehen nach Farben sortiert in Reih und Glied im Regal. Auf dem kleinen Besprechungstisch liegen fein säuberlich gestapelte Dokumente. Auf dem Arbeitstisch nebenan steht eine Rechenmaschine, jeder Stift hat seinen Platz. «Ich habe gerne Ordnung», sagt der 77-Jährige. «In einem Chaos könnte ich nicht arbeiten.»

Dieser Ordnungssinn hat Cathry während seines ganzen Arbeitslebens beschäftigt. Am 1. Juni 1970 trat er seine Stelle an. Cathry erinnert sich: «Ausser ein paar Ordnern und einer alten Schreibmaschine war nichts vorhanden.» So entschloss sich der neue Gemeindeschreiber, eine richtige Buchhaltung aufzubauen. Ganz zu Beginn übte er sein Amt im privaten Büro aus. Später wurde ein Zimmer im Schulhaus zur Gemeindekanzlei umfunktioniert, ehe schliesslich doch noch ein separates Gebäude zum Gemeindehaus umgebaut wurde. Vom Nebenamt wurde die Stelle des Gemeindeschreibers bis zu einem 80-Prozent-Pensum ausgebaut. Und als Cathry das Pensionsalter erreichte und seine Nachfolge nicht geregelt war, entschloss er sich, das Amt weiter auszuüben.

«Man kann es sicher nicht als Hobby bezeichnen», stellt Cathry klar. «Aber die Arbeit hat mir eben immer noch Spass gemacht.» Vor allem kennt sich der Realper ausserordentlich gut mit dem Recht aus auch wenn er nie ein Jurastudium abgeschlossen hat. Doch dies machte er mit seinem grossen Interesse wett. «Ich habe zu Hause mehr Rechtsliteratur als sonstige Bücher», sagt der Gemeindeschreiber.

Einfluss auf die Politik

Und was denkt der Gemeindepräsident über seinen Schreiber? «Ich habe Karl Cathry immer als sehr kollegial empfunden», sagt Gemeindepräsident Armand Simmen. «Vor allem aber war er sehr kompetent.» Und das sei auch den Einwohnern von Realp aufgefallen. Zweifelsohne habe Cathry in vielen Belangen die Fäden in der Hand gehalten, sagt Simmen. «Die Verwaltung hat auf die Politik immer einen grossen Einfluss. Das ist überall so», weiss Simmen.

So ist denn auch Cathry fast nicht aus der Gemeinde Realp wegzudenken. «Wenn er aus irgendwelchen Gründen ausgefallen wäre, hätte das für uns den absoluten Super-GAU bedeutet», so der Gemeindepräsident. Simmen glaubt gar, dass über eine Fusion mit anderen Gemeinden hätte nachgedacht werden müssen. «Doch in Realp wird Autonomie hochgehalten. Und das war auch unserem Gemeindeschreiber wichtig.»

Mentalität hält ihn in Realp

Karl Cathry ist in Andermatt aufgewachsen und absolvierte dort auch eine Lehre als Elektromonteur. 1962 zog er aber nach Realp, wo er eine Stelle bei der Bahn übernahm und auch die Frau fürs Leben fand. Neben diesen Umständen aber habe ihn vor allem die spezielle Mentalität der Realper hier gehalten. «Der Realper ist seit je ein Typ, der offen für Neues und Fremdes ist», weiss Cathry. «Diese Aufgeschlossenheit hat mir immer Freude bereitet.» Und dort, wo er konnte, habe er diese Mentalität auch mitgeprägt, sagt Cathry. «Ich bin sicher kein König. Aber ich habe auch auf politischer Ebene versucht, eine gute Richtung vorzugeben.» Seine Spuren hinterliess der Gemeindeschreiber aber vor allem in der Finanzpolitik. Ein Erlebnis habe ihn geprägt: «Wir haben einst ein Schulhaus gebaut, das uns finanziell fast ruiniert hat», erinnert sich Cathry. Seither habe er sich immer dafür eingesetzt, dass sich die Gemeinde nur das leistete, was sie später auch finanzieren konnte. «Damit bin ich beim Gemeinderat oft angeeckt», so Cathry. Und einmal stand er kurz davor, seinen Job an den Nagel zu hängen. Der harte Nacken von Cathry machte sich aber offenbar bezahlt: Heute weist Realp das höchste Pro-Kopf-Vermögen des ganzen Kantons aus. Die kleine Gemeinde Realp stehe heute sehr gut da, sagt Cathry. Er mahnt aber zur Vorsicht. «Wenn wir nur einen einzigen Sozialfall hätten, würde die Situation wieder anders aussehen», so der erfahrene Gemeindeschreiber.

Gemeinde mit Job-Problem

Cathry macht sich nichts vor: «Es wird eine Zeit kommen, in der sich in Uri Gemeinden zusammenschliessen.» Momentan aber komme gerade mit Andermatt keine Fusion in Frage. «Die Finanzpolitik, die dort betrieben wird, könnte ich hier nicht vertreten», so Cathry. Doch Realp steht vor grossen Herausforderungen. «Wir haben ein Arbeitsplatzproblem», so Cathry. So fehle es vor allem an qualifizierten Jobs. «Die gut ausgebildeten Jungen finden hier keine Stelle. Sie kommen zwar regelmässig nach Hause, aber sie ziehen auf Dauer weg.»

Etwas, was Realp nach wie vor auszeichne, sei aber der grosse Zusammenhalt. Dies habe sich immer auch bei Katastrophen wie etwa Lawinen gezeigt. «Wir waren wochenlang abgeschnitten», weiss Cathry. In diesen Situationen hiess es für den Gemeindeschreiber, Verantwortung zu übernehmen. «Aber diese habe ich gerne übernommen.» Die Katastrophen hätten dann sogar etwas Gutes mit sich gebracht: «Nach jedem einschneidenden Ereignis war die Zusammengehörigkeit anschliessend noch grösser.»

Realper stehen hinter ihm

«Wenn ich etwas angerissen habe, musste es am Schluss Hände und Füsse haben und sonst habe ich es nicht gemacht», so Cathrys Credo. Und mit diesem starken Willen hat der Gemeindeschreiber so manches Ziel erreicht. In den ersten Jahren, als Cathry in Realp wohnte, war er Mitinitiant des Musikvereins und dirigierte diesen schliesslich auch. 1974 wurde er neben dem Amt als Gemeindeschreiber auch Landrat von Realp – und dies in einer Kampfwahl gegen den damaligen Gemeindepräsidenten. «Dort durfte ich erfahren, wie stark die Realper hinter mir stehen», so Cathry, der überragend gewählt wurde. Drei Amtsperioden verbrachte er im Kantonsparlament und wurde 1985 zum ersten und bisher einzigen Landratspräsidenten aus Realp gewählt. Zwei Amtsperioden setzte er aus, bis er 1993 erneut in den Rat gewählt wurde und nochmals zwei Amtsperioden absolvierte. Auch für die Regierung hätte Cathry einst als Kandidat aufgestellt werden sollen. Doch der Realper sagte zu Gunsten seines Amts als Bahnhofvorsteher ab. «Rückblickend wäre ich aber gerne einmal in der Regierung gewesen», so Cathry. «Gerne hätte ich den Verwaltungen etwas genauer auf die Finger geschaut, als das heute oft getan wird.»

Ein Wunsch an seine Gemeinde

Sein Rücktritt sei schon ein wenig mit Wehmut verbunden, räumt Cathry ein. «Andererseits glaube ich aber, dass wir eine gute Nachfolge gefunden haben.» Nun freue er sich, etwas mehr Ferien zu machen denn mehr als eine Woche am Stück sei nie dringelegen. Für die Gemeinde Realp, sein Realp, wünscht sich Cathry vor allem eines: «Die Realper sollen so bleiben, wie sie sind.»

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