Reformierter Kirchenrat schrammt an einem Verfahren vorbei

Dem Kirchenrat wird vorgeworfen, nicht auf die Gläubigen einzugehen. Nun soll die Einsetzung eines Kuratoriums geprüft werden.

Urs Hanhart
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In der Evangelisch-Reformierten Kirche sind die Wogen noch nicht geglättet. (Bild: Urs Hanhart)

In der Evangelisch-Reformierten Kirche sind die Wogen noch nicht geglättet. (Bild: Urs Hanhart)

Innerhalb der Evangelisch-Reformierten Landeskirche Uri brodelt es weiterhin. Das zeigte sich an der kantonalen Herbstversammlung, die am Montag im Beisein von 55 Stimmberechtigten im Kirchgemeindehaus Altdorf stattfand. «Die heutige Versammlung ist entscheidend für die Zukunft unserer Kirche und auch für unseren Ruf in der Öffentlichkeit», sagte der neue Pfarrer Stefan Lobsiger zu Beginn.

Es gehe nicht darum, eine perfekte Struktur der Landeskirche zu etablieren. Aber die Ausrichtung solle eindeutig sein. «Unser Christsein darf nie auf der Strecke bleiben. Wir dürfen streiten und auch Meinungsverschiedenheiten haben. Aber wir tragen diese mit Respekt vor den Mitmenschen aus», so Lobsiger. «Wenn wir einander nicht helfen, die kirchlichen Strukturen und Abläufe zu verbessern, sind wir fahrlässig und unsere Kirche wird belanglos.»

Vertrauen ist auf dem Tiefstand

Für viel Diskussionsstoff sorgte ein von Helen Schuler, Monika Müller, Rose-Marie Barth-Häfeli und Peter Kleiner gemeinsam eingereichter Antrag. Darin wurde ein Disziplinarverfahren gegen den amtierenden Kirchenrat verlangt. «Der Kirchenrat verletzt dauernd die demokratischen Regeln», hiess es in der Begründung. «Meinungen der Mitglieder werden an den Versammlungen übergangen, die Werte und das Ziel der Kirche missachtet.» Das Vertrauen in diese Behörde sei auf dem Tiefstand. «Die nötige Glaubwürdigkeit scheint uns nicht mehr gegeben.» Helen Schuler meinte: «Viele fühlen sich nicht mehr daheim in dieser Kirche.» Auch ihr gehe es so. «Man darf nichts mehr sagen. Alles wird von oben herab bestimmt. Das ist kein Kirchenrat mehr, sondern ein Verwaltungsrat.»

Präsidentin Felicitas Schweizer sagte zum drohenden Disziplinarverfahren: «Wir sind traurig und haben kein Verständnis dafür.» In der Diskussion zeigte sich, dass die Meinungen weit auseinander gehen. Die Gegner des Antrags betonten, dass ein Disziplinarverfahren in der jetzigen Situation überhaupt nichts bringe. Man solle gescheiter einen Schlussstrich ziehen und neu anfangen. Zudem seien etliche der aktuellen Kirchenräte bei den aufgelisteten «Verfehlungen» noch gar nicht im Amt gewesen.

Letztlich kam es gar nicht zur Abstimmung über die Eröffnung eines Disziplinarverfahrens. Der Antrag wurde wieder zurückgezogen. Man einigte sich darauf, die Wahlkommission zu beauftragen, Abklärungen vorzunehmen, ob allenfalls ein Kuratorium eingesetzt werden könnte. Im Raum stand auch eine Vorverschiebung der auf den 11. Mai 2020 anberaumten Frühjahrsversammlung, um damit die Neuwahlen in den Kirchenrat vorzuziehen. Aber auch diese Idee wurde aus organisatorischen Gründen wieder fallen gelassen.

Umstrittene Umstellung der Buchhaltung

Ein weiterer Antrag betraf die Buchhaltung. Sonja Grimm und Walter Schwerz forderten, dass die Buchhaltung rückwirkend ab dem 1. Januar 2018 wieder nach den Vorgaben des Kantons Uri (öffentlich-rechtliche Körperschaften) geführt wird und ebenfalls jährlich vom kirchlichen Dienstleistungszentrum auf deren Rechtmässigkeit geprüft wird.

«Aus nicht öffentlich kommunizierten Gründen und widerrechtlich wurde die Buchhaltung auf Basis des Schweizer Kontorahmens für KMU geführt», begründeten die Antragssteller. «Dies ist fernab aller Gepflogenheiten der öffentlichen Hand und anderer bekannter Kirchgemeinden, zumal die Vergleichbarkeit zu ähnlichen öffentlich-rechtlichen Körperschaften nicht mehr gegeben ist. Diese Vergleichbarkeit ist aber zur Steuerung der Finanzen einer Kirchgemeinde unabdingbar.» Auch hier kam es zu einer Einigung. Der Kirchenrat verpflichtete sich, noch offene Fragen zu beantworten. Das Ganze soll an der nächsten Versammlung nochmals thematisiert werden. Grossmehrheitliche Zustimmung fand ein Antrag des Kirchenrates zur Gründung einer Kommission mit dem Zweck, das Organisationsstatut zu überarbeiten.

Der Steuerfuss wird gesenkt

Für 2020 hat die Evangelisch-Reformierte Landeskirche Uri Mehreinnahmen von rund 75000 Franken budgetiert. Aufgrund der guten Finanzlage und der positiven Rechnungsabschlüsse in den letzten Jahren entschieden die Versammelten, den Steuerfuss von bisher 120 auf neu 115 Prozent zu reduzieren. Die Abstimmung fiel sehr knapp aus, wurde doch die Steuersenkung mit 26 Ja- zu 23 Nein-Stimmen beschlossen. Sieben Personen enthielten sich der Stimme.

Die anstehende Aussenrenovation des Pfarrhauses Erstfeld muss auf 2021 verschoben werden. Der Grund dafür sind Strassen-Renovationsarbeiten des Kantons. Bei der Reformierten Kirche wird eine neue Bushaltestelle gebaut. Hierfür verkauft die Landeskirche dem Kanton ein 20 Quadratmeter grosses Grundstück, und zwar für rund 3500 Franken.