Urner Regierung verspricht Flexibilität bei Anstellungen

Die Chancengleichheit von Mann und Frau ist dem Regierungsrat wichtig. Dennoch kann Teilzeitarbeit nur teilweise angeboten werden.

Philipp Zurfluh
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Lohngleichheit, bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, flexible Arbeitsmodelle, Elternzeit, kein Sexismus. Nach Meinung von Landrätin Jolanda Joos (SP, Bürglen) braucht es ein Umdenken in der Gesellschaft. «Da die Gesellschaft in der kantonalen Verwaltung insbesondere von Männern dominiert wird, ist es fraglich, mit welchem Interesse und welchem Engagement sich tatsächlich bei der Gleichstellung etwas ändern soll», gibt Joos in einer Kleinen Anfrage an die Regierung zu bedenken.

Der Regierungsrat betont gleich zu Beginn seiner Antwort: «Die rechtliche und tatsächliche Gleichstellung von Frau und Mann ist ein Grundwert unserer Gesellschaft. Leider ist dieses Ziel in der Berufswelt nicht überall erreicht.» Die Lohngleichheit innerhalb der Verwaltung sei ein wichtiges Element der Gleichstellung. Weiter würden die Rahmenbedingungen bei Anstellungen so gesetzt, dass der Kanton ein familienfreundlicher Arbeitgeber ist. «Flexible Arbeitszeiten, die Möglichkeit zur Teilzeitarbeit sowie Kompensationsmöglichkeiten von Überstunden sind dem Regierungsrat im Bereich Beruf und Familie äusserst wichtige Anforderungen an einen idealen Arbeitsplatz.» Die Möglichkeit zur Teilzeitarbeit vergrössere faktisch die Chancen von Frauen im Arbeitsalltag.

Negative Auswirkungen bei flexiblen Arbeitszeiten

Auf die Frage der Landrätin, was «zwingende betriebliche Gründe» seien, die gegen eine Teilzeitbesetzung sprechen, antwortet die Regierung: «Vom Grundsatz kann jede Stelle auch teilzeitig besetzt werden. Es steht dem Regierungsrat also frei, eine Stelle beispielsweise auf mehrere Personen aufzuteilen, sofern dies die zu erfüllenden Aufgaben zulassen.»

In der Praxis komme es aber vor, dass sich die eingeschränkten Arbeitszeiten negativ auf die Erfüllung der Aufgaben auswirkten. Dann sei Teilzeitarbeit gar nicht oder erschwert möglich. Für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verfolge der Regierungsrat im Rahmen des Globalbudgets den Grundsatz, dass alle Vollzeitstellen als Stellen im Umfang von 80 bis 100 Prozent ausgeschrieben werden.

Jolanda Joos wollte wissen, was gegen diffamierende Haltungen und sexuelle Anspielungen von Männern gegenüber Frauen in der kantonalen Verwaltung unternommen werde. 2013 habe das Amt für Personal das Merkblatt «Konflikte am Arbeitsplatz» entwickelt. «Die darin enthaltenen Informationen haben zum Zweck, die Mitarbeitenden vor sexueller Belästigung, Mobbing und anderen gravierenden Konflikten am Arbeitsplatz zu schützen und im Bedarfsfall verschiedene Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen», so die Regierung. Bei Konflikten können sich die Mitarbeiter an vier Anlaufstellen wenden. Per 1. Juni 2018 hat der Regierungsrat mit Angela Dillier-Gamma, Rechtsanwältin und Notarin, eine zusätzliche externe Kontaktstelle für Konflikte am Arbeitsplatz bestimmt. Der Regierungsrat erklärt, dass in den vergangenen Jahren eine Meldung aufgrund von sexueller Anspielung gegenüber Frauen eingegangen ist. Der Person, die den Konflikt verursachte, sei danach unmissverständlich klargemacht worden, dass deren Verhalten nicht tolerierbar sei.

13-Prozent-Frauenanteil bei Kaderstellen

Laut Regierung gibt es per 1. August bei der kantonalen Verwaltung 39 Kaderstellen. Davon werden fünf (12,8 Prozent) von Frauen und 34 (87,2 Prozent) von Männern besetzt. In der Regierungsantwort zum Schlussbericht der Kommission für die Gleichstellung von Frau und Mann vom 10. Februar 2016 hat der Regierungsrat diverse Massnahmen beschlossen, die sich positiv auf den Frauenanteil in Kaderpositionen auswirken sollen. «Im Kaderbereich soll der Frauenanteil bei gleichen Bewerbungsqualifikationen durch besondere Aufmerksamkeit bei der Personalrekrutierung erhöht werden», nennt die Regierung als Beispiel. «Bei jeder Prüfung zur Wiederbesetzung einer Stelle sei von der Anstellungsbehörde auch die Stellenausschreibung im Teilzeitpensum abzuwägen», nennt die Regierung ein weiteres.

Gemäss Antwort der Regierung sind die Anforderungen an die Lohngleichheit zwischen Frau und Mann bei der Kantonsverwaltung erfüllt, wie eine Lohnanalyse von 2015 von einer externen Firma gezeigt habe.