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Wegen gesperrter Axenstrasse: Urner Regierung macht Druck auf den Bundesrat

Der Axen soll zur Chefsache ernannt werden. Während der Landammann vor einer Hysterie warnt, macht auch «Wirtschaft Uri» Druck.
Florian Arnold
Die Strassensperrung der Axenstrasse bewegt das Urner Gewerbe. (Urs Flüeler/Keystone, 3. Oktober 2019)

Die Strassensperrung der Axenstrasse bewegt das Urner Gewerbe. (Urs Flüeler/Keystone, 3. Oktober 2019)

Die Situation am Axen ist prekär und bei den Anwohnern, Pendlern und Unternehmern, die auf die Verbindung angewiesen sind, ist die Geduld langsam am Ende. Jetzt erhöht die Urner Regierung den Druck. Landammann Roger Nager bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung: «Wir haben der Bundesrätin Sommaruga ein Schreiben übermittelt.»

Im Schreiben an die höchste politische Ebene wird verlangt, die Axenverbindung zur Chefsache zu erklären und das laufende Bewilligungsverfahren um den Bau der neuen Tunnelverbindung zu beschleunigen, hängige Einsprachen rechtskonform aber speditiv zu erledigen und die Plangenehmigung zu erteilen. Gleichzeitig wird die Bundesrätin gebeten, bauliche und betriebliche Lösungen für Notmassnahmen zu prüfen.

Regierungsrat und Baudirektor Roger Nager

Regierungsrat und Baudirektor Roger Nager

Diesbezüglich ist etwa von einem Nottunnel im Gebiet Gumpisch die Rede. Laut Nager ist das Anliegen beim Astra bereits deponiert und dieses prüfe Varianten. Nager selber ist allerdings skeptisch, ob sich dieser Tunnel innert nützlicher Frist realisieren liesse. «Zudem besteht die Gefahr, dass das grössere Projekt damit konkurrenziert wird, denn die Gegnerschaft könnte dies als Argument gebrauchen, dass es den längeren Tunnel nicht braucht», gibt der Landammann zu bedenken.

Von einem Notstand will Nager nicht sprechen

Auch sonst warnt der Landammann vor Hysterie: «Es ist nicht so, dass der Kanton Uri von der Umwelt abgeschlossen wäre. Wir sind über den Seelisberg auf der Nord-Süd-Achse erschlossen. Und auch Richtung Schwyz gibt es Zug- und Schiffsverbindungen.» Von einem Notstand könne also nicht die Rede sein. Er ruft zudem in Erinnerung, dass der Bau des neuen Axentunnels rund 8 bis 10 Jahre in Anspruch nehmen würde. «Auch wenn wir das Bewilligungsverfahren beschleunigen können, ändert das nichts an der Situation, dass während der kommenden Jahre immer wieder gefährliche Situationen auftreten können, an denen wir die Axenstrasse sperren müssten.» Nager bringt dies auch mit dem Klimawandel in Verbindung:

«Vielleicht öffnet diese Situation jenen die Augen, die das bisher nicht wahrhaben wollten.»

Viel wichtiger erscheint es dem Urner Baudirektor, dass nun der Betrieb der Strasse so rasch wie möglich wieder aufgenommen werden kann. Hierzu ist es nötig, die Warnanlage zu reparieren, denn diese hat beim neuerlichen Murgang Schaden genommen. Die Reparatur ist aber nur möglich, wenn sich die Wettersituation beruhigt und sich der Fels erhole. Denn dieser habe zurzeit zu viel Wasser gespeichert, was ihn instabil und für Installations- oder Reparaturarbeiten vor Ort zu gefährlich mache, erklärt Nager.

Jungpartei lanciert Petition

(zf) Die Junge SVP Uri hat eine Online-Petition zur Notlösung am Axen lanciert. Das gibt die Jungpartei in einer Medienmitteilung bekannt. Bereits innert kürzester Zeit hätten über 2000 Personen teilgenommen. «Konkret erwarten wir vom Urner Regierungsrat, dass nach dem zweiten Ereignis innerhalb von kürzester Zeit eine rasche Lösung erarbeitet wird», so das Anliegen der Petitionäre. «Wir fordern den Regierungsrat auf, sofort abzuklären, inwiefern ein Not- oder Kurztunnel im Gefahrengebiet Gumpischtal zu realisieren wäre.» Zusätzlich solle sich der Regierungsrat mit den Gegnern der neuen Axenstrasse an einen Tisch setzen, ihnen die Dringlichkeit des Projekts aufzeigen und sie auffordern, die Einsprachen zurückzuziehen. «Die gesamte Urner Wirtschaft und die Gemeinde Sisikon benötigen eine sichere und zuverlässige Verbindung via Axenstrasse. Wir nehmen den Stillstand nicht mehr länger hin und fordern eine rasche Lösung zugunsten der Urner.»
Die Petition kann unterzeichnet werden unter www.jsvp-uri.ch.

Wirtschaft legt drauf und wird unattraktiv

SVP, FDP und CVP setzen sich für ein raschen Handeln ein. Daneben stellt nun auch der Verband Wirtschaft Uri Forderungen. «Die Nord-Süd-Verbindung zwischen dem Kanton Schwyz und Uri hat für die lokal ansässigen Unternehmen eine enorme Wichtigkeit», heisst es in einer Mitteilung. Zudem würden viele Arbeitnehmer täglich zwischen den zwei Kantonen pendeln und diverse Urner Unternehmen führten Arbeiten in den Kantonen im Norden aus. Landammann Roger Nager dazu: «Wir nehmen die Anliegen der Urner Wirtschaft und die von der Sperrung betroffenen Pendler sehr ernst.» So seien für Pendler erneut zusätzliche Frühzüge der SBB zwischen Erstfeld und Arth-Goldau oder Schiffsverbindungen zwischen Flüelen und Sisikon als Sofortmassnahmen innert Kürze organisiert worden.

Besonders unter Druck sind laut «Wirtschaft Uri» die Transport-, die Bau- und die Tourismusbranche. In der Medienmitteilung zitiert wird Peter Wipfli, Wipfli Transporte, Flüelen: «Die Urner Transporteure fahren täglich 70 Mal durch die Axenstrasse. Durch die Sperrung der Axenstrasse fallen Mehrkosten von bis zu 360 Franken pro Fahrt an.» Auf Nachfrage heisst es seitens des Unternehmens, dass sich die Zusatzkosten wie folgt zusammensetzen: Es entstünden Mehrkosten für LSVA, Arbeitsaufwand und Treibstoff. Während für Fahrten nach Brunnen sonst 15 Minuten benötigt würden (rund 10 Kilometer), seien für den Umweg (rund 90 Kilometer) durch die aktuelle Strassensituation gut 1,5 Stunden nötig. Einen grossen Teil des Schadens tragen die Transporteure selber, da sie teilweise zu Fixpreisen fahren. Den anderen Teil legen die Kunden drauf, was die Attraktivität schwäche.

Für Wirtschaft Uri ist eine rasche und langfristige Lösung beim Axen das aktuell wichtigste Thema. «Unsere Urner Politiker müssen sich nun öffentlich für das Gewerbe und damit verbunden für die Mobilität auf der Strasse verpflichten und sich stark machen», so Präsident René Röthlisberger. Diese sei im ländlichen Gebiet zentral. Entsprechend sollen sich die Kandidaten für Bern verhalten.

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