Regionalsport
Urner Radball-Favoriten wollen den Heimvorteil nutzen

Noch ist offen, ob es heuer eine Schweizer Meisterschaft geben wird. Zudem steht die Junioren-EM in Altdorf erneut auf der Kippe. Das wäre für Uri doppelt schade – das Favoritenduo würde gerne in der Heimat spielen.

Urs Hanhart
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Am Radball Cup-Finalturnier vom vergangenen Jahr landete das Duo Zotter/Marty auf dem 6. Platz.

Am Radball Cup-Finalturnier vom vergangenen Jahr landete das Duo Zotter/Marty auf dem 6. Platz.

Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 29. Februar 2020)

Im vergangenen Jahr konnte die Schweizer Meisterschaft der Radballer noch auf den allerletzten Drücker zu Ende gespielt werden. Das Finalturnier ging im Oktober kurz vor der erneuten Verschärfung der Coronamassnahmen über die Bühne. Zudem musste die Qualifikationsphase deutlich verkürzt werden. Normalerweise wird die Schweizer Meisterschaft jeweils im Januar mit den ersten Qualifikationsspieltagen lanciert. Davon ist man heuer weit entfernt. In diesem Jahr steht nämlich noch in den Sternen, ob in der Nationalliga A überhaupt gespielt werden kann. Bereits definitiv abgesagt worden ist der nationale Radball-Cup.

«Im Moment laufen Bestrebungen, die Meisterschaften im Nachwuchsbereich Ende April zu starten. Alles andere ist derzeit noch ungewiss», sagt Claudio Zotter (34) von Radsport Altdorf, der im letzten Jahr zusammen mit seinem Partner Simon Marty die SM-Bronzemedaille holte, zum aktuellen Stand. Er fügt an:

«In den Kantonen herrschen unterschiedliche Bestimmungen hinsichtlich der Trainingsmöglichkeiten.»

Das sei aber nur eines von verschiedenen Problemen.

Ungewissheit drückt auf die Motivation

Zotter und sein Teamkollege sind Mitglieder des Nationalkaders, weshalb sie seit Anfang Februar wieder in der Halle trainieren dürfen und auch radballspezifische Einheiten absolvieren können. Andere Radballer, die älter sind als 20, diesen Status jedoch nicht haben, dürfen bis auf weiteres noch nicht in die Halle, was für unterschiedlich lange Spiess sorgt. Der nationale Verband verschickte im Februar ein Schreiben, worin die Hoffnung auf einen Meisterschaftsstart im Zeitraum Mitte April/Anfang Mai formuliert wurde. Möglich wäre dies allerdings nur, wenn die Vorgaben im Amateursport bald gelockert würden, was derzeit fraglich scheint.

«Es ist nicht einfach, mit dieser Ungewissheit umzugehen und die nötige Motivation zu finden. Uns fehlt einfach ein konkretes Ziel, auf das wir hinarbeiten können»,

erklärt Zotter. Und weiter: «Immerhin sind wir froh, wieder in der Halle Trainingseinheiten bestreiten zu können. Das ist schon sehr viel wert für uns. Den aktuellen Formstand einzuschätzen, ist sehr schwierig, weil die Wettkämpfe und damit der Vergleich zu den anderen Teams fehlen.» Für den erfahrenen Torhüter ist klar, dass es eine gewisse Vorlaufzeit braucht, um mit der Meisterschaft loslegen zu können. Er gibt zu bedenken: «Es dürfte nicht einfach werden, die Spielpläne und Hallenreservationen in kurzer Zeit auf die Beine zu stellen.» Falls es eine Meisterschaft geben sollte, wird man auf jeden Fall den Modus anpassen müssen.» In normalen Jahren stehen jeweils neun Qualifikationsspieltage auf dem Programm. Dort ist sicherlich eine Kürzung notwendig. Radball hat gegenüber anderen Teamsportarten den Vorteil, dass sich die Saison fast über das ganze Jahr erstreckt. Dadurch wäre mit einer entsprechenden Modusänderung auch ein relativ später Start denkbar. Man ist terminlich nicht ganz in so engen Schuhen wie in anderen Sportarten.

Erneute Verschiebung der Junioren-EM?

Im Mai letztes Jahr hätte die Junioren-EM im Hallenradsport in Altdorf stattfinden sollen. Wegen der Coronapandemie musste dieser Anlass jedoch um ein Jahr auf Mitte Mai 2021 verschoben werden. Nun herrscht erneut Ungewissheit. Dazu sagt Zotter, der nicht nur zu den sportlichen Aushängeschildern gehört, sondern auch noch als Vereinsvizepräsident von Organisator Radsport Altdorf amtiert: «Wir sind zurzeit daran, mit dem Dachverband nationaler Radsport-Verbände mögliche Optionen auszuloten. Bislang ist noch kein Entscheid gefällt worden. Aktuell gehen wir immer noch davon aus, dass die EM stattfinden kann, in welcher Form auch immer, möglicherweise ohne Zuschauer.» Denkbar sei auch eine Ausplittung von Radball und Kunstradfahren. Eine Verschiebung oder sogar Absage wäre aus Urner Sicht doppelt schade, hat sich doch mit den Brüdern Timon und Jannick Fröhlich ein Nachwuchsduo von Radsport Altdorf den Schweizer Startplatz im Radballfeld gesichert. Dieses Gespann gehört zum engsten Favoritenkreis und würde nur allzu gerne vor heimischer Kulisse sein Können unter Beweis stellen.

Bei den zwei Urner Topteams, die in der Nationalliga A spielen, hat es eine gewichtige Änderung gegeben. Beda Planzer von Radsport Altdorf 2, der bislang zusammen mit Fabian Hauri ein Duo bildete, ist inzwischen zurückgetreten. Hauri wird neu zusammen mit dem Routinier Roman Schneider spielen, der vor neun Jahren gemeinsam mit Dominik Planzer den Weltmeistertitel ins Urnerland geholt hatte. Zotter und Marty (Altdorf 1) gehen weiterhin zusammen auf Punkte- und Medaillenjagd, sofern sie überhaupt dazu kommen.