Reservationspflicht in der Gondel: Diese Sicherheitsvorkehrungen gelten ab Samstag am Gemsstock

Die Vorbereitungsarbeiten für die neue Skisaison bereiteten der Skiarena Andermatt + Sedrun einen enormen Zusatzaufwand: Das Skigebiet öffnet früher, eine Gondelfahrt muss reserviert werden.

Nino Gisler
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Am Samstag gilt es ernst in Andermatt: Die Skisaison am Gemsstock beginnt, Wintersportler können ihre ersten Schwünge auf den Pisten in Andermatt machen. Damit der Skibetrieb auch in Zeiten von Corona möglich ist, hat die Skiarena Andermatt-Sedrun ein umfangreiches Massnahmenpaket ausgearbeitet. Das Schutzkonzept sieht weitreichende Vorkehrungen vor.

Von links: Maren Müller, Carlo Danioth und Stefan Kern von Andermatt Swiss Alps stellen das Coronaschutzkonzept im Skigebiet Gemsstock vor.

Von links: Maren Müller, Carlo Danioth und Stefan Kern von Andermatt Swiss Alps stellen das Coronaschutzkonzept im Skigebiet Gemsstock vor.

Bild: Urs Hanhart (29. Oktober 2020)

Weniger Gäste, schon ab 8 Uhr Skifahren

Die Sicherheitsvorkehrungen haben es in sich: Solange noch nicht alle Anlagen am Gemsstock in Betrieb sind, wird die Anzahl Gäste im Skigebiet auf 1000 Personen beschränkt. Dies schmerze aus wirtschaftlicher Sicht, doch die Sicherheit der Gäste habe oberste Priorität, sagt Stefan Kern, Leiter Kommunikation von Andermatt Swiss Alps. Zum Vergleich: An Spitzentagen in vergangenen Saisons konnte der Gemsstock ein Gästeaufkommen von bis zu 2000 Personen verzeichnen. Als weitere Massnahme im Kampf gegen Corona wurde die maximale Auslastung der Gondeln auf 75 Prozent beschränkt. Anstatt 60 Personen dürfen nur noch deren 45 gleichzeitig auf den Gemsstock fahren. Um die Einschränkungen etwas abfedern zu können, sind die Anlagen an Wochenenden und in der Hochsaison bereits ab 8 Uhr geöffnet. Ab Samstag können die Gäste eine Bergfahrt von 8 bis 12 Uhr und eine Talfahrt von 14 bis 17 Uhr buchen.

Reservation der Gondelfahrten

Um lange Warteschlangen und damit eine grosse Ansteckungsgefahr für Gäste wie Personal zu vermeiden, kann die Gondelfahrt ab der Talstation Gemsstock diese Saison online im Voraus reserviert werden, eine Neuheit im Schweizer Wintersport. Die vorgängige Reservation sei sehr gut angelaufen, meint Kern und erklärt:

«Gäste werden gebeten, den Platz in der Gondel über einen Link auf unserer Website zu reservieren.»

Über die Website von Andermatt Swiss Alps könne der Gast die Zeit auswählen, wann er mit der Gondel fahren will. Er erhalte auf seinem Handy eine Nachricht mit einem Bestätigungscode, den er am Skitag am Eingang vorweisen müsse. Kurz vor der Abfahrt bekommt der Gast dann eine erneute Meldung aufs Handy, wenn die Gondel startklar ist und er sich in den Eingangsbereich begeben soll. Wenn sich ein Gast nicht an die gebuchte Zeit hält, bleibt die Reservation für die nächste Gondelfahrt noch gültig, danach verfällt sie und der Gast muss eine erneute Reservation tätigen.

Rund 80 Prozent der Gondelplätze werden über den Vorverkauf angeboten. «20 Prozent können an der Kasse bei der Talstation bezogen werden», so Carlo Danioth, Betriebsleiter Skiarena. So sollen auch die Gäste, die sich spontan für einen Skitag entschieden haben oder keine vorgängige Reservation getätigt haben, auf ihre Rechnung kommen. Personen ohne Reservation müssen einen QR-Code auf einer Tafel in Eingangsnähe scannen, danach gelangen sie auf eine virtuelle Warteliste. «Bei Fragen werden die Gäste von unserem Personal vor Ort unterstützt», so Kern. Um die Wartezeit etwas angenehmer zu gestalten, werde den Gästen Kaffee und Gipfeli angeboten, führt Kern weiter aus.

In allen Warteräumen der Talstation wurde die Kapazität angepasst: In vergangenen Saisons konnten sich in den drei Warteräumen bis zu 180 Personen aufhalten, für diese Saison wurde die Kapazität auf maximal 45 Personen beschränkt.

Kein Platz für Maskenverweigerer

In allen Stationen, Restaurants sowie Gondel- und Luftseilbahnen besteht am Gemsstock eine Maskenpflicht. Falls ein Gast keine dabei hat, könne er Masken wie Schutzhalstücher bei der Talstation sowie in den Restaurants zum Selbstkostenpreis von 5 Franken kaufen. Falls sich jemand weigert, eine Maske zu tragen, wird er nicht transportiert. Die Bergbahnen hoffen auf den Gruppendruck. Carlo Danioth:

«Wir fahren erst ab, wenn alle Leute in der Gondel eine Maske tragen.»

Ausgenommen von der Maskenpflicht seien Kinder unter 12 Jahren sowie Personen mit einem ärztlichen Attest.

Coronaschutzkonzept im Skigebiet Gemsstock. Mitarbeiterin Lisi Baumann stellt eine Infotafel auf.

Coronaschutzkonzept im Skigebiet Gemsstock. Mitarbeiterin Lisi Baumann stellt eine Infotafel auf.

Bild: Urs Hanhart (29. Oktober 2020)

50 Prozent mehr Aussensitzplätze

Auch die Gastrobetriebe auf dem Gemsstock mussten neu konzeptioniert werden: Sie verfügen über 50 Prozent mehr Aussensitzplätze. «Sie werden mit warmen Decken ausgestattet», so Maren Müller, Leiterin Gastronomie der Skiarena. Die Schöpfstationen im Aussenbereich ermöglichen eine schnellere Verpflegung, so der Plan. Wie überall gelte in den Restaurants auf dem Gemsstock die Contact-Tracing-Pflicht sowie Konsumationspflicht nur im Sitzen.

«Das Empfangspersonal vor dem Restaurant weist die Gäste darauf hin, wenn es keinen Platz mehr hat.»

Nach wie vor möglich sei für Gäste mit kalten Fingern oder Füssen, sich im Restaurant kurz aufzuwärmen. Auf die Tische kommen Trennwände aus Plastik, die mit Holzschienen verankert werden. «Die Trennwand kann bei grösseren Familien verschoben werden», führt Müller aus.

Signalisation muss noch angebracht, Personal geschult werden

Bevor die Skisaison losgehen kann, müsse das gesamte Skigebiet noch mit den Weisungen zu den Verhaltens- und Hygieneregeln signalisiert werden, so Kern. «Wir sind mit Hochdruck daran, damit die ganze Signaletik am Samstag steht.» Zudem finden in den nächsten Tagen die Personalschulungen statt. «Die Mitarbeiter werden darüber informiert, was sie tun müssen, um sich und die Gäste zu schützen», sagt Maren Müller.

Viel Geld und Aufwand wurde in die speziellen Vorbereitungsarbeiten investiert. Die Nervosität steigt, bei allen Akteuren im Skigebiet Gemsstock. «Wir sind bereit», sagt Stefan Kern euphorisch. Und er pocht auf die Eigenverantwortung der Gäste. «Jeder Gast wird dazu aufgefordert, seinen Beitrag zu leisten. Nur so können wir sicherstellen, dass wir die Skisaison nicht nur starten, sondern auch weiterführen können.» Doch, noch sind die Massnahmen im Kampf gegen Corona nicht in Stein gemeisselt: «Wir befinden uns in der Probephase.» Bei weiteren Weisungen des Bundes oder des Kantons müssten die Massnahmen angepasst werden.