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REUSSDELTA: Er räumt pro Tag bis 800 Kilo Abfall von Badegästen weg

Momentan kühlen sich viele Urner am Urnersee ab. Für Beat Infanger bedeutet dies vor allem viel Arbeit: Der Bauer sorgt im Reussdelta für Ordnung.
Elias Bricker
Beat Infanger bei seinem frühmorgendlichen Rundgang am Reussdelta. (Bild Manuela Jans)

Beat Infanger bei seinem frühmorgendlichen Rundgang am Reussdelta. (Bild Manuela Jans)

Es ist 6 Uhr in der Früh. Beat Infanger ist schon längst auf den Beinen. Bereits hat der Landwirt seine Pensionspferde und Mastrinder gefüttert. Und seit rund einer halben Stunde ist er mit Töffli und Anhänger im Reussdelta (siehe Box) unterwegs. Denn der Attinghausner ist dafür verantwortlich, dass im Reussdelta zwischen Seedorf und Flüelen Ordnung herrscht. Wenn die ersten Badegäste mit ihren Gummibooten und Grillwürsten auftauchen, ist Infanger bereits wieder weg. Dann hat er im ganzen Reussdelta die Abfallkübel geleert, an den Robidog-Kästen neue Rollen mit Plastiksäckchen angebracht, die WC-Anlagen geputzt und den Abfall neben den Grillstellen zusammengelesen. «Am Morgen, wenn der See noch spiegelglatt ist, habe ich das Reussdelta fast für mich alleine», sagt Infanger.

«Das muss ansteckend sein»

«Heute gibt es nicht so viel Abfall», sagt der 52-Jährige. Denn die vergangenen Tage seien eher nass gewesen, die Badegäste ausgeblieben. Trotzdem sind die Abfallkübel neben den Lavabos in den WC-Anlagen voll mit Handpapier. «Wenn es richtig heiss ist, kann ich nicht mehr mit dem Töffli die Abfallkübel im Reussdelta leeren», sagt Infanger. «Dann brauche ich ein Auto – und manchmal sogar noch einen Anhänger.» Denn an heissen Sommertagen trage er bis zu 800 Kilogramm Müll zusammen. Dann seien die grossen Abfallfässer, die überall stehen, meist randvoll. «Pro Jahr kommen rund 20 Tonnen Abfall zusammen», weiss der Attinghausner. «Ich staune immer wieder, dass bei 300 000 Personen, die pro Jahr ins Reussdelta kommen, das Meiste in den Abfallkübeln landet. Natürlich gibt es Ausnahmen. Doch im Grossen und Ganzen kann man sagen: Im Reussdelta haben wir kein Littering-Problem.» Wichtig sei aber, dass immer Ordnung herrsche. Denn kaum liege bei einer Grillstelle Abfall, würde der nächste ebenfalls Müll liegen lassen. «Ich habe manchmal das Gefühl, dass das ansteckend sein muss», sagt Strandmeister Infanger mit einem Lachen.

«Schlimm ist es im Frühjahr»

Im Sommer ist Infanger täglich unterwegs – oft bereits um 5 Uhr. An heissen Sommerwochenenden muss er bis zu drei Mal pro Tag in den WC-Anlagen zum Rechten schauen und Papier nachfüllen. Regelmässig begleitet ihn dabei auch seine Frau Judith. Die beiden sind im Stundenlohn von der kantonalen Reussdeltakommission angestellt – inzwischen seit mehr als vier Jahren. Im Winter reiche es hingegen, wenn sie alle paar Tage ihre Kontrollgänge machten. «Als Bauer bin ich ja relativ flexibel», sagt Infanger, der auch im Engeren Rat der Korporation Uri sitzt.

«Am schlimmsten ist es im Frühjahr», sagt Beat Infanger. «Da kam es schon vor, dass wir mehrere Stunden Scherben zusammenlesen mussten. Doch das sind Ausnahmen. Es ist nicht schlimmer als früher, wie viele glauben.» Im Frühjahr seien erst wenige Leute im Delta unterwegs. Da käme es eher vor, dass sich Jugendliche austoben oder Leute einfach alles liegen lassen. An den schönen Sommertagen, wenn sich rund 1000 Personen am Strand tummeln, spiele hingegen die soziale Kontrolle. Dann würden vor allem Badetücher und Sackmesser – unfreiwillig – liegen bleiben.

Dennoch haben Beat und Judith Infanger bereits allerhand zusammengeräumt: von Zigarettenstummeln über Bierflaschen und Grillfleisch bis hin zu WC-Deckeln und gebrauchten Kondomen. «Wenn es ausartet, bleibt oft auch ein Portemonnaie oder ein Handy liegen», weiss Infanger. Dann müssten die Besitzer ihre Ware bei den Infangers aber persönlich abholen. «So können wir ein bisschen mit den Leuten reden», sagt der Landwirt verschmitzt.

Kameras helfen

Und wenn die Jugendlichen am See Schulschluss feiern, arbeite er eben manchmal auch am Abend ein bisschen, um Präsenz zu markieren. Früher sei zudem in den WC-Anlagen immer wieder randaliert worden. Doch seit Überwachungskameras registrieren, wer im WC-Häuschen ein und aus geht, habe sich die Situation stark verbessert.

Es ist 7.30 Uhr: Beat Infanger ist mit seiner Güseltour im Reussdelta fertig. Und man glaubt es kaum: Bereits ist die erste Familie mit Luftmatratzen und Kühltasche im Anmarsch.

Elias Bricker

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