Kolumne

Richtig vorbereitet

Ürner Asichtä: Die junge Mutter Melanie Schillig erzählt von immer wiederkehrenden Gesprächen. 

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Melanie Schillig, Kolumnistin.

Melanie Schillig, Kolumnistin.

PD

Als ich letzten Sommer Mutter wurde, habe ich von allen Seiten gute Tipps bekommen. Einige Sinnvolle, andere weniger Sinnvolle. Doch eine Warnung blieb komplett aus. Niemand sagte mir etwas davon. Niemand warnte mich. Niemand gab mir Verhaltensvorschläge. Niemand hat mich darauf vorbereitet: Geplaudere. Gerede. Small Talk. Der kurze Plausch zwischen dem Joghurt und Kaffeebohnen Regal mit dem Mozzarella in den Händen, eigentlich auf dem Sprung zum nächsten Termin.

Der Anfang dieser Gespräche zeichnete sich rasant mit der Zunahme des Baby-Bauches in der Schwangerschaft ab. Je grösser der Bauch, desto einseitiger das Gespräch. Baby da, Baby dort.

Früher plauderte ich über... Ja genau, über was eigentlich? Das Wetter? Irgendwie weiss ich gar nicht mehr so genau, über was wir die ganze Zeit geredet haben. Und nun gibt es nur noch ein Thema: Babys, Kinder, und nochmals Babys. Es wächst. Es schreit. Es schläft. Es kackt. Es krabbelt. Es läuft. Es geht zur Schule und Tschüss. Doch jedes Stadium will ausführlich beredet sein.

Ja, ich frage mich, wo ist denn da der gute alte Small Talk geblieben. Wird es am Wochenende wieder föhnig? Oder so was in der Richtung. Dass viele befreundete Pärchen in den letzten Monaten ebenfalls Eltern geworden sind, macht die Sache auch nicht einfacher.

Doch wahrlich, es gibt echte Perlen in den Tiefen der Kindergeschichten-Schublade. So zum Beispiel das Mädchen, welches der felsenfesten Überzeugung ist, es heisse «Zwitscher Dütsch» und nicht «Schwiizer Dütsch». Herrlich! Man stelle sich hier bitte die zwitschernden kleinen Schweizerchen auf den Ästen des frisch blühenden Haselstrauchs vor. Schön! Oder auch ein wunderbarer Versprecher die «Lippen-Tomate» anstelle von Lippenpomade. Oder die Geschichte von dem Baby, welches drei Tage nicht kacken konnte. Die Mutter hat darauf hin... Ach nein, lassen wir das.

Träumen wir lieber weiter von den zwitschernden Schweizerchen. Denn meist sind es ja immer dieselben Themen, welche rauf und runter geleiert werden. Solche Zwitscher-Perlen sind viel zu selten.

Schläft es durch? – Ja, es isst bereits sein Breichen. Krabbelt es schon? – Ja, der dritte Zahn ist im Anmarsch. Auch schön. Aber halt auf die Dauer etwas monoton. Es wäre daher wirklich sinnvoll, werdende Eltern darauf hinzuweisen. «Achtung, machen Sie sich bereits vor der Schwangerschaft Gesprächskärtchen, welche Sie in der Jackentasche stets mit sich führen können. In Momenten drohender Übersteigung des Kinder-Small-Talk-Pegels können Sie diese elegant zur Hilfe zücken.» Oder so ähnlich. Da bin ich als unvorbereitet junge Mutter schier froh über den Coronavirus. Da können wir alle mitreden. Aber eben doch nur schier. Denn über dieses Thema mag ich bereits jetzt nach wenigen Wochen nichts mehr sehen und hören, geschweige denn darüber schreiben. Deshalb höre ich hier auf...

Melanie Schillig, Mutter und Gastronomin, Altdorf