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Altdorf: Riesiges Interesse an Entlastungsangeboten gezeigt

Am Tag für betreuende und pflegende Angehörige konnten betroffene Menschen im Zeughaus 18 Organisationen kennen lernen, die spezielle Angebote im Entlastungsbereich anbieten.
Paul Gwerder
Am Tag für betreuende Angehörige präsentierten 18 Organisationen ihre speziellen Angebote. (Bild: Paul Gwerder, Altdorf, 30. Oktober 2018)

Am Tag für betreuende Angehörige präsentierten 18 Organisationen ihre speziellen Angebote. (Bild: Paul Gwerder, Altdorf, 30. Oktober 2018)

Gestern fand unter dem Motto «Hilfe annehmen ist eine Stärke!» der Tag für betreuende und pflegende Angehörige statt. Organisiert wurde der Anlass im Zeughaus Altdorf von der Gesundheitsförderung Uri zusammen mit Pro Senectute und der Spitex Uri. Die Institutionen wissen aus ihrer täglichen Arbeit, wie schwer es den Betroffenen häufig fällt, Hilfe anzunehmen. Es ist nicht einfach, ihre Liebsten durch vorerst fremde Menschen betreuen zu lassen. Pausen sind jedoch auch für die betreuenden Angehörigen unerlässlich!

Zehntausende Frauen und Männer in der Schweiz betreuen und pflegen ihre Familienangehörigen. Sie leisten einen unbezahlbaren Dienst zum Wohle der Gesellschaft, und es darf nicht sein, dass sie sich wegen eines schlechten Gewissens oder aus einem falschen Schamgefühl heraus nicht getrauen, Hilfe zu holen, denn sie leisten Grossartiges. Wie das Bundesamt für Statistik schreibt, sind im Jahr 2016 rund 9,2 Milliarden Stunden in der Schweiz unbezahlt gearbeitet worden. Das ist sogar mehr als für bezahlte Arbeit, und dieser Einsatz wird auf einen Geldwert von 408 Milliarden Franken geschätzt.

«Wir wollen Angehörige beraten und unterstützen, denn viele von diesen Menschen pflegen 24 Stunden am Tag, und das während der ganzen Woche, ihre behinderten Kinder oder die betagten und kranken Eltern», sagte Margrit Trüeb, Teamleitung Pflege bei der Spitex Uri. «Bei betreuenden Angehörigen geht dies oft an die Substanz, und aufgrund der grossen Belastung müssen diese unbedingt auch auf ihre eigene Gesundheit achten.» Und weiter erklärte sie: «Dank unserer Unterstützung können sich die pflegenden Familienmitglieder eine Pause gönnen.»

Rotes Kreuz bietet Entlastungsdienst an

«Wir versuchen, den betagten Leuten ein möglichst langes Leben daheim zu ermöglichen», betonten die beiden Bereichsleiterinnen Andrea Gisler und Cornelia Gisler vom Roten Kreuz. «Leider nehmen viele Menschen fast zu spät unsere Hilfe an, denn es braucht doch sehr viel Geduld, damit sie uns als fremde Menschen in ihre eigene Wohnung lassen», meinte Andrea Gisler. «Es ist ganz wichtig, dass die betreuenden Personen regelmässig freie Zeit für sich einplanen können, und für sie ist es wiederum wichtig, dass ihr betreuter Mann oder ihre betreute Frau in ihrer Abwesenheit gut aufgehoben ist», hoben die beiden Fachfrauen einen wichtigen Aspekt hervor. Im vergangenen Jahr haben 10 bis 13 ausgebildete Frauen rund 4500 Stunden Entlastungsdienst geleistet, und damit haben sie einen wertvollen Beitrag dazu getan, damit sich die belasteten Personen eine Verschnaufpause gönnen konnten.

Verschiedene Arbeiten werden übernommen

Neben den genannten Institutionen bieten aber auch Pro Senectute, Pro Infirmis, Pro Audito Uri, die Krebsliga Zentralschweiz, die Alzheimerberatungsstelle und viele mehr ihre Hilfe an, so auch der Haushaltservice des Bäuerinnenverbandes Uri. Sie leisten Einsätze im Haushalt, machen Reinigungs- und Gartenarbeiten und übernehmen auch die Betreuung von Kindern und betagten Mitmenschen.

Betroffene erzählen von ihren Problemen

Eine junge Mutter wollte sich an der Veranstaltung informieren, welches Angebot für sie in Frage kommt. «Wir haben ein zehnjähriges Mädchen mit einer Mehrfachbehinderung. Es ist auf den Rollstuhl angewiesen und kann sich auch nicht verbal ausdrücken», erzählte sie. «Wir müssen unser Kind rund um die Uhr pflegen, das fängt schon am Morgen beim Anziehen an, und später müssen wir ihm das Essen eingeben. Das alles ist ziemlich streng, insbesondere da unser Kind inzwischen auch schon 30 Kilogramm wiegt», erklärte die besorgte Mutter. Bisher waren ihre Eltern eine grosse Hilfe für sie und ihren Mann, aber mit der Zeit schafften sie diese anstrengende Betreuung auch nicht mehr. «Nun bin ich hier und wollte mich einmal orientieren lassen, welche Entlastungsangebote für uns Eltern, aber auch für unsere schwerbehinderte Tochter angeboten werden.»

Ein wenig Freiraum im Leben erhalten

Lisbeth Ziegler aus Flüelen sorgt schon seit mehreren Jahren für ihren 87-jährigen Mann, der an Demenz erkrankt ist. «Bisher geht es noch ganz ordentlich zu Hause, denn mein Mann ist gelassen und zufrieden. Es ist einfach schwierig, sich mit ihm zu unterhalten, denn er vergisst sofort vieles wieder. Am ehesten erinnert er sich an die schönen Dinge im Leben, welche ihm immer grosse Freude bereitet haben.» An der Veranstaltung informierte sie sich über die Möglichkeiten, wer ihren Mann hin und wieder betreuen könnte, damit sie sich ein wenig Freiraum im Leben gönnen könnte. «Ich finde diesen Informationsanlass hier eine super Sache, denn da finden Hilfe suchende Menschen auch die nötige Unterstützung».

Im Nebenraum lief ein Film mit dem Titel «Zwischen Wunsch und Verpflichtung», und alle zwei Stunden gab es auch eine Podiumsdiskussion, an der ein Facharzt, eine betroffene Angehörige und eine ehemals kranke Person teilnahmen.

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