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RÜTLI: Er kümmert sich um die drei Hektaren Nationalstolz

Mike McCardell (35) ist Pächter der Rütliwiese. Uns sagt der Obwaldner mit amerikanischen Wurzeln, warum er lieber den 1. August feiert als die Unabhängigkeit seines Vaterlands.
Mike Mc Cordell, Pächter der Rütliwiese. (Bild: Pius Amrein)

Mike Mc Cordell, Pächter der Rütliwiese. (Bild: Pius Amrein)

Interview Christian Hodel

Was sich 1291 auf der Rütliwiese auf Seelisberger Boden genau zugetragen hat, ist historisch nicht belegt. Glaubt man dem Mythos, soll hier der Rütlischwur die Schweizer Eidgenossenschaft begründet haben. Die Bergwiese ist seit 1860 im Besitz des Bundes und Nationalstolz der Schweiz. Für den Unterhalt, den Betrieb des Restaurants und die Nutzung der 2,8 grossen landwirtschaftlichen Flächen ist seit Januar der Obwaldner Rütlipächter Mike McCardell (35) zuständig. Er ist ledig und führt den Betrieb mit seinen fünf Angestellten.

Mike McCardell, Sie sind für einen der sagenumwobensten Orte der Schweiz verantwortlich ist das mehr Bürde als Würde?

Mike McCardell: Es ist ganz klar eine Würde und ein Privileg. Schon die Aussicht am Morgen, wenn man erwacht, ist phänomenal. Ebenso darf ich täglich Gäste aus dem In- und Ausland empfangen und ihnen den geschichtsträchtigen Ort näherbringen.

Sie sind gelernter Koch und führen eine eigene Event-Agentur. Mussten Sie für die Stelle auf dem Rütli ein Geschichtsstudium anhängen, um die Gäste aufklären zu können?

McCardell: Nein, das war zum Glück nicht nötig. Aber natürlich habe ich mich mit der Geschichte befasst. Das gehört dazu.

Dabei klingt Ihr Name nicht gerade urschweizerisch.

McCardell: Mein Vater ist Amerikaner. Er kam der Liebe wegen in die Schweiz. Meine Mutter kommt aus Bümpliz. Geboren bin ich im Kanton Waadt und aufgewachsen in Obwalden. Ursprünglich ist mein Name wohl irischer oder schottischer Herkunft.

Apropos Schottland: Sie halten auf dem Rütli schottische Hochlandrinder, nicht gerade schweizerisch oder?

McCardell: Schon bevor ich aufs Rütli kam, war ich Besitzer einer Herde von 15 Tieren. Derzeit weiden drei Stück auf dem Rütli. Ärgern will ich damit sicherlich niemanden.

Zurück zu Ihrem Vaterland: Welchen Bezug haben Sie zu den USA?

McCardell: Ich habe während meiner Ausbildung sechs Monate in den Staaten gelebt. Auch heute bin ich pro Jahr ein paar Wochen in den USA meist aus geschäftlichen Gründen oder um Ferien zu machen. Aber meine Wurzeln sind in der Schweiz.

Die US-Amerikaner sind bekannt für ihren ausgeprägten Patriotismus. Muss man auch Patriot sein, um auf dem Rütli arbeiten zu können?

McCardell: Ich bin sehr stolz auf die Schweiz. Hier durfte ich eine Ausbildung auf sehr hohem Niveau geniessen. Das ist nicht selbstverständlich. So gesehen kann man mich als Patrioten bezeichnen. Ich glaube, dass die Schweizer im Allgemeinen sehr patriotisch sind. Darin unterscheiden sie sich nicht so sehr von den Amerikanern.

Wo sehen Sie Unterschiede?

McCardell: Ich glaube nicht, dass sich die Nationalitäten im Gesamten unterscheiden. Das ist sehr individuell. Aber im Grundprinzip sind die Amerikaner vielleicht ein wenig offener als wir Schweizer. Sie gehen schneller auf Fremde zu und reden mit ihnen, dafür vergessen sie dann die neuen Bekanntschaften auch schneller wieder.

Im Gegensatz zur Schweiz fusst der amerikanische Nationalfeiertag vom 4. Juli auf einem historisch ­belegten Ereignis der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten aus dem Jahre 1776. Welcher Nationalfeiertag sagt Ihnen besser zu?

McCardell: Ach, den 4. Juli feiere ich eigentlich gar nicht. Den 1. August allerdings schon. Früher war ich immer mit der Familie und Freunden auf einer Alp und grillierte.

Und wie verbringen Sie diesen 1. August mit Rivella und Cervelats oder doch mit Cola und Burgern?

McCardell: Ich bin natürlich auf dem Rütli. Burger haben wir keine im Angebot. Aber Rivella und Cervelats gehören selbstverständlich dazu.

Dieses Jahr spricht Bundesrätin Simonetta Sommaruga (SP) auf dem Rütli. Sind Sie nervös?

McCardell: Nein. Wir durften schon viele Politiker bei uns begrüssen. Das macht uns nicht nervös.

Haben Sie Angst, dass Rechtsextreme die Feier stören könnten?

McCardell: Es ist schade, wenn die Feier für politische Zwecke missbraucht wird. Ich war bereits im vergangenen Jahr auf dem Rütli. Damals war es ein grossartiges Familienfest. Ich hoffe, das wird auch dieses Jahr so sein.

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