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RÜTLISCHIESSEN: «2006 hatten wir speziellen Grund zum Bechern»

Der Gurtneller Heiri Dittli war gestern ein gefragter Mann, obwohl er weder in der Feuerlinie kniete noch im OK tätig war.
Bruno Arnold
Der 87-jährige Heiri Dittli aus Gurtnellen (links) war zum 60. Mal am traditionellen Rütlischiessen dabei und genoss es, die Schützen in der Feuerlinie (oben rechts) oder auch bei einem gemütlichen Jass mit bester Aussicht auf den Vierwaldstättersee zu beobachten. Bilder Urs Hanhart (Rütli, 9. November 2016)

Der 87-jährige Heiri Dittli aus Gurtnellen (links) war zum 60. Mal am traditionellen Rütlischiessen dabei und genoss es, die Schützen in der Feuerlinie (oben rechts) oder auch bei einem gemütlichen Jass mit bester Aussicht auf den Vierwaldstättersee zu beobachten. Bilder Urs Hanhart (Rütli, 9. November 2016)

Für den bald 87-jährigen Heiri Dittli aus Gurtnellen ist der Mittwoch vor Martini der wichtigste Tag im Jahr. Zum 60. Mal in Folge hat er gestern am Rütlischiessen teilgenommen. 1992 kniete er letztmals in der Feuerlinie. Seither pilgert er als Schlachtenbummler auf die geschichtsträchtige Wiese oberhalb des Urnersees.

Dittlis Augen leuchten, wenn er über seine Erlebnisse als Schütze erzählt. Er strahlt, zieht genüsslich an seiner Brissago Blauband und schlürft gemächlich einen Kaffee Schnaps oder einen Schluck Wein. Er lächelt, wenn ihn der Vereinskollege mit dem Natel ablichtet, wenn ihn der Fotograf von «Schiessen Schweiz» vor die Kamera bittet oder wenn ihn der UZ-Redaktor interviewt. Seine Antworten kommen wie aus der Pistole geschossen.

Weit über 1000 Auszeichnungen geholt

Dittli ist seit Jahrzehnten ein begeisterter 300-Meter-, Kleinkaliber- und Armbrustschütze. Mit 87 Jahren ist er geistig und körperlich sehr präsent. Auf sein Gedächtnis kann er sich verlassen, er braucht keinen Computer für Zahlen und Daten. Die hat er in seinem Gehirn registriert – zumindest wenn es ums Schiessen geht. Kurz überlegen muss der dreifache Familienvater höchstens bei der Frage nach der Zahl der Grosskinder: «Eppä dryy», meint er. Und schmunzelt wie ein Lausbub. Schalk: Das ist eine seiner typischen Eigenschaften. Zahlen und Fakten zu seiner Schützenkarriere schüttelt er locker aus dem Ärmel. So erwähnt er ohne lange zu studieren, dass er beim Feldschiessen 1947 seinen ersten 300-Meter-Kranz geholt hat, 1948 in Giswil den ersten als Kleinkaliberschütze. Bis heute sind es weit über 1000 Kränze und Kranzkarten geworden. «Ich habe aufgehört zu zählen.» Allein rund 70 Kränze hat er beim Feldschiessen geholt, den letzten erst noch 2015. Im Jahr 1955 war Dittli Mitgründer des Gurtneller Armbrustschützenvereins, je sechs Jahre dessen Kassier und Präsident. 15 Jahre lang leitete er die Schützengesellschaft Gurtnellen. Von null auf hundert sei dies geschehen. «Man hat mich von der Strasse geholt, ohne Erfahrung», erzählt er. «Aber ich hatte auch nichts zu tun, denn ich konnte auf gute Leute im Vorstand zählen», meint er – und lacht herzhaft.

Das Rütlischiessen ist das Schönste

Seit 1957 gehört Heiri Dittli der Rütlisektion Uri an. Seither hat er kein Rütlischiessen verpasst. «Wenn ich einmal nicht mehr dabei bin, dann kann das nur einen Grund haben», sagt er. «Dann bin ich tot!» Das Rütlischiessen sei einfach das schönste Schiessen, und der Rütli­becher geniesse in Schützenkreisen nach wie vor sehr hohen Stellenwert. Dittli hat den Sektionsbecher bereits 1959 gewonnen. «Mit dem Langgewehr, mit schwachen 75 Punkten», erinnert er sich ganz genau. «Aber es herrschten auch nicht unbedingt gute Bedingungen.» Der Bechergewinn sei ihm jedoch nicht nur wegen der anschliessenden Freinacht in bester Erinnerung geblieben. Kurz nachdem er die begehrte Trophäe in den Händen hielt, musste er sie wieder abgeben. Die Zahl der Tiefschüsse sei falsch berechnet worden, liess man ihn wissen. «Dann hole ich ihn halt ein anderes Mal«, habe er sich getröstet. Schliesslich stellte sich aber heraus, dass doch Dittli der Gewinner war. «Ich wollte den Becher damals gar nicht mehr, aber ich musste ihn wohl oder übel nehmen ...» Gewonnen hätte er ihn übrigens noch mehrere Male, immer so mit 78 oder 79 Punkten. Wie oft dies der Fall gewesen sei, das kann er aber nicht aus dem Stegreif sagen. «Aber ich könnte zu Hause nachschauen, denn ich habe sämtliche Rütli-Ranglisten seit 1957 abgelegt.» Im Doppel, wie ein Vereinskollege weiss.

Nicht lange studieren muss Dittli, wenn er nach dem schönsten seiner sechzig Rütlischiessen gefragt wird. «Das war 2006. Ich durfte mir zusammen mit Valentin Sicher senior, bei dem ich 45 Jahre lang gearbeitet habe, den Kopfkranz für 50 Jahre Zugehörigkeit zur Rütlisek­tion Uri aufsetzen lassen.» Dass an jenem Tag mit Valentin Sicher junior und Stephan Loretz auch noch zwei Gurtneller Schützenkollegen den Sektionsbecher gewannen, sei das Tüpfchen aufs i gewesen. «Damals haben wir Grund zum Bechern gehabt», meint er, und greift sich viel sagend an den Kopf.

Bis zu sechst mit dem gleichen Gewehr geschossen

Dass er schon als junger Bursche zum Schiessen gekommen sei, habe einen einfachen Grund gehabt: «Damals gab es in Gurtnellen nicht viele andere Vereine.» Und worauf führt er die ungebrochene Begeisterung für dieses Hobby ­zurück? «D Kameradschaft!» Und er erzählt gleich eine Anekdote. Man sei früher oft ohne klares Ziel mit dem offenen Jeep durch die Gegend gefahren und habe angehalten, wenn irgendwo ein Schützenfest stattgefunden habe. «Oft haben wir dann jeweils alle mit demselben Gewehr geschossen. Und wenn es einen Sieg, einen Schinkengewinn oder auch nur einen Kranz zu feiern gab, dann haben wir das ausgiebig getan.»

Er gilt als Inbegriff der Kameradschaft

«Die Kameradschaft war mir immer wichtiger als der sportliche Erfolg», betont Dittli. Und mit einem Lachen ergänzt er: «Aus sportlicher Sicht gab es für mich eher selten Grund zum Feiern. Ich war nie ein Spitzenschütze.» Dafür war respektive ist Heiri Dittli so etwas wie der Inbegriff der Kameradschaft. «Er kann es mit Jung und Alt genau gleich gut», sagt etwa Roger Luzzani, der Präsident der Armbrustschützen. Karl Zgraggen, der Präsident der Schützengesellschaft Gurtnellen, ergänzt: «Ohne Heiri wären die Gurtneller Schützen um einen tollen Kollegen und ein Original ärmer.» Um eine Antwort sei er nie verlegen. Wetten, dass Heiri Dittli auch an der Rütlifeier der Gurtneller Schützen seine träfen Sprüche geklopft hat und trotz seiner bald 87 Jahre nicht als Erster nach Hause gegangen ist? Denn auch der Donnerstag vor Martini ist ihm heilig ...

Bruno Arnold

Bild: Urs HanhartBild: Urs Hanhart
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11 Bilder

Rütlischiessen 2016

Die Urner Sektionsbechergewinner; von links: Bruno Bissig, Leo Zwyer, Sandro Zwyer, Stefan Arnold und Thomas Plüss. Bild: Urs Hanhart (Rütli, 9. November 2016)

Die Urner Sektionsbechergewinner; von links: Bruno Bissig, Leo Zwyer, Sandro Zwyer, Stefan Arnold und Thomas Plüss. Bild: Urs Hanhart (Rütli, 9. November 2016)

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