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Lawinenschutz im Meiental: Sanierungen sind eine Daueraufgabe

In den Höhenlagen ist bereits über 1 Meter Schnee gefallen. Die Lawinengefahr steigt. Was tun die Behörden für die Sicherheit – beispielsweise im Meiental? Ein Augenschein bei den Lawinenverbauungen am Rinistock.
Christoph Hirtler
Der Zustand der Rinistock-Verbauung oberhalb von Meien-Dörfli wird laufend kontrolliert. (Bild: Abteilung Naturgefahren des Kantons Uri)

Der Zustand der Rinistock-Verbauung oberhalb von Meien-Dörfli wird laufend kontrolliert. (Bild: Abteilung Naturgefahren des Kantons Uri)

Dörfli Meien, 8. Oktober 2018, ein strahlend klarer Herbsttag. Das Tal erfüllt vom Geknatter von Rotoren. Weit oben, im Gebiet der Lawinenverbauung Rinistock, schwebt in der Luft stehend ein roter Helikopter. Mehrmals fliegt er defekte Teile der Lawinenverbauung ins Tal, deponiert sie auf dem Parkplatz unterhalb der Meien Kapelle, fliegt wieder hoch. Dort liegt bereits ein Haufen verbogener Stahlträger und Stützen. Zerstört durch die tonnenschweren Schneelasten des vergangenen Winters.

Die Flüge werden beobachtet, lösen bei einigen Meientalern Ängste und Befürchtungen aus. Sind wir jetzt noch sicher? Werden die defekten Teile ersetzt? Verkrümmte Eisenteile sind schon mehrmals ins Tal geflogen worden. Noch nie aber habe jemand gesehen, dass ganze Teile hinaufgeflogen worden seien. Jetzt würden dort oben Stützen fehlen. «Das sind gefährliche Schwachstellen», hört man. Fragen tauchen auf, so zum Beispiel: Wird das Tal aufgegeben? Sollen hier nur noch Bären und andere Wildtiere leben?

Es wird saniert

Lukas Eggimann leitet die Abteilung Naturgefahren des Kantons Uri. Die ist zuständig für den Vollzug der «Gesetzgebung über den Schutz vor Naturereignissen». Sie unterstützt die Verwirklichung von Verbauungsprojekten und deren Aufforstungen und ist verantwortlich für das Monitoring, die Kartierung und Beurteilung von Naturgefahren sowie die Führung des Ereigniskatasters. Auf einer Karte im Massstab 1: 1000 zeigt Eggimann die Verbauungswerke am Rinistock. «Nach der Fertigstellung der Lawinenverbauung im Jahr 2002 haben wir bereits viermal Sanierungsarbeiten durchgeführt, sagt Eggimann. «Zerstörte Eisenträger wurden ersetzt, Brücken instand gestellt und Betonfundamente saniert.»

Ab 1988 wurde gebaut

In den Aufzeichnungen des ehemaligen Urner Kantonsförsters Karl Oechslin ist mit Datum vom 9. Februar 1984 zu lesen: «Lawine aus Rinichehle zerstört Haus und Stall im Feld und zwei Garagen bei Aderbogen sowie die Talstation der Seilbahn Tanzplatte. Im Feld werden 4 Kühe erschlagen. Östlich von Meien-Dörfli bricht die Mattallaui (Arnilaui) aus der Abflussrinne aus und verschüttet den ersten Stall südlich der Sustenstrasse. Kaspar Baumann wird dabei getötet.» Die Meientaler hatten genug. 1984 forderte «Pro Meien» die Verbauung des Lawinenanrissgebiets am Rinistock und die Sicherung der gefährdeten Strassenabschnitte zwischen Husen und Meien-Dörfli, sowie Aderbogen und Färnigen.

1988 erfolgte der Baubeginn: 8,2 Kilometer Stahl-Stützwerke und 316 Meter Schneenetze wurden verbaut. An den Gesamtkosten von 18,5 Millionen Franken beteiligten sich die Gemeinde Wassen mit 6, der Kanton mit 13 und der Bund mit 81 Prozent. Nach der Fertigstellung im Jahr 2002 wurde der Hang mit 12'000 Jungföhren aufgeforstet. 2012 wurde die Seilbahn Meien–Rinistock abgebaut. Die Siedlung Meien-Dörfli gilt seither als sicher. Gefährlich bleibt der Strassenabschnitt Husen–Meien-Dörfli. Seit über 40 Jahren wartet das Meiental auf eine wintersichere Verbindung. (ch)

Die Wucht des Schneedrucks ist gewaltig. Eggimann zeigt auf seinem Computer Fotos: verformte, geknickte Schneebrücken. Einzelne Elemente sind durch die Gewalt der Schneemassen vollständig zu Boden gedrückt. «Diese mussten wir 2016 abbauen. Sie standen in Runsen, wurden dort von Triebschnee zugedeckt und vollständig zerstört», erklärt er. «Da es sich um Randwerke handelte, wurde damals gemeinsam mit der Gemeinde Wassen entschieden, diese vorderhand nicht zu ersetzen. 2016 wurden aber keine Werke zurückgebaut, sondern nur saniert. Es wurde also nicht nur Material runter, sondern auch raufgeflogen. Zudem lagerte in der Lawinenverbauung noch einiges Ersatzmaterial, welches diesen Herbst für Instandstellungsarbeiten verwendet werden konnte.»

Die Kräfte, die auf diese Rückhaltevorrichtungen wirken, sind immens. Sie hängen von einer Vielzahl von Faktoren ab, zum Beispiel von der Schneemächtigkeit, der Schneebeschaffenheit, der Art des Untergrunds, der Hanglage und der Hangneigung. Am leichtesten wiegt Neuschnee mit 100 bis 200 Kilogramm pro Kubikmeter, am schwersten Altschnee mit einem Gewicht von 500 bis 800 Kilogramm pro Kubikmeter.

Lawinenverbauung am Rinistock vor der Sanierung. (Bild: Abteilung Naturgefahren des Kantons Uri)

Lawinenverbauung am Rinistock vor der Sanierung. (Bild: Abteilung Naturgefahren des Kantons Uri)

Lawinenverbauung am Rinistock nach der Sanierung. (Bild: Abteilung Naturgefahren des Kantons Uri)

Lawinenverbauung am Rinistock nach der Sanierung. (Bild: Abteilung Naturgefahren des Kantons Uri)

Schäden werden laufend dokumentiert

Regelmässig werden die Lawinenverbauungen kontrolliert. Diesen Sommer hat Eggimann mit seinem Mitarbeiter René Planzer an einem Tag sämtliche Schneebrücken der Rinistock-Verbauung abgelaufen. Sie kontrollierten Stützflächen, Stützen, Verankerungen und Fundamente und dokumentierte Schäden mit der Kamera. Aufgrund der Bestandesaufnahme gab die Gemeinde Wassen als Bauherrin die Sanierung in Auftrag. Kostenpunkt: rund 60'000 Franken. Der Kanton übernimmt 75 Prozent, die Gemeinde 25 Prozent der Kosten.

Was der Winter 2018/19 bringen wird, weiss niemand. Bereits ist aber am 28. Oktober auf dem Natel die erste Meldung des SMS-Frühwarndiensts eingegangen. «Die Strasse Meien–Färnigen ist ab sofort gesperrt. Neubeurteilung morgen 29. 10. 2018 um 08.00 Uhr.» Es wird nicht das letzte Mal sein, dass die Strasse gesperrt bleibt.

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