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Samih Sawiris sorgte für frischen Wind

Im Januar nächsten Jahres feiert der Skiunterricht Andermatt sein 100-jähriges Bestehen. Grund genug, um mit Skischulleitern auf eine Schneesportgeschichte voller Hürden und Chancen zurückzublicken.
Remo Infanger
Mit ihrem Wirken als Skischulleiter haben sie den Schneesport in Andermatt geprägt. Nostalgisch durchstöbern Sepp Dahinden, Karl Danioth und Ruedi Baumann (von links) ein Archiv voller Relikte aus der langen Geschichte des Skiunterrichts. (Bild: Remo Infanger, Andermatt, 14. September 2018)

Mit ihrem Wirken als Skischulleiter haben sie den Schneesport in Andermatt geprägt. Nostalgisch durchstöbern Sepp Dahinden, Karl Danioth und Ruedi Baumann (von links) ein Archiv voller Relikte aus der langen Geschichte des Skiunterrichts. (Bild: Remo Infanger, Andermatt, 14. September 2018)

«Ein Skilehrer ist nicht bloss ein Skilehrer. Er ist auch immer eine Begleit- und Ansprechperson, das Bindeglied zwischen dem Gast und der Gastheimat.» Bereits Ende der 60er-Jahre hielt Karl Danioth diese Worte in einer niedergeschriebenen Rede fest. 24 Jahre, von 1964 bis 1988, leitete der 76-Jährige die Skischule im Urserntal und hat damit das Skilehrerwesen geprägt, wie kaum ein anderer.

Im Januar nächsten Jahres feiert der Skiunterricht Andermatt sein 100-jähriges Bestehen. Auf diese Erkenntnis sei man jedoch zufälligerweise gekommen. «Beim Durchstöbern alter Akten hielt ich plötzlich ein Dokument von 1919 in der Hand», erklärt Danioth. Darin habe der damalige Skiclub Gotthard den Regierungsrat um die Erlaubnis gebeten, Tarife für Skiunterricht zu verlangen. «Hochgeehrte Herren! Der Skiclub Gotthard hat beschlossen, das Skilehrerwesen im Urserntale zu regeln, wie dies bereits auf den grössern Sportsplätzen der Schweiz geschehen ist. Wir haben zu diesem Zweck ein Regulativ aufgestellt», heisst es im 100-jährigen Dokument – womit der Skiunterricht in Uri ins Leben gerufen wurde.

Skilehrerwesen ist stark vom Tourismus abhängig

Schon seit Beginn ist der Skisport im Urserntal eng mit dem Tourismus verbunden, der über die Jahrzehnte immer wieder grossen Veränderungen ausgesetzt war. Im Zeitalter der Kutschen gelangten viele Reisende durch die Nord-Süd-Verbindung über den Gotthard nach Andermatt. Das änderte sich schlagartig, als 1882 der Gotthardeisenbahntunnel eröffnet wurde. Die Reisenden blieben aus, im Urserntal folgten Jahre der Auswanderungen in die Städte.

Die Lage verbesserte sich mit dem Bau der Gotthardfestung wieder, weil das Militär für Arbeit sorgte. «Die Militärpräsenz schränkte die Entwicklung des Tourismus aber auch ein», weiss Danioth. So wurden Baulandflächen, die zur touristischen Ausdehnung nötig gewesen wären, für militärische Belange beansprucht. Ende der 30er-Jahre kamen regelmässig Engländer nach Andermatt, die für Arbeit bei den Skilehrern sorgten. White Hare hiess der befreundete Skiclub aus London – benannt nach einem Schneehasen, der angeblich in Realp erlegt wurde.

Vom längsten Tatzelwurm der Welt zu Japan-Besuchen

«Für Andermatt waren die treuen Gäste aus England sehr wichtig, sie belebten das Dorf und halfen beim Aufbau von Liften», erklärt Danioth. So entstand 1937 auch einer der ersten Skilifte der Schweiz überhaupt – vom Nätschen auf den Gütsch.

Die Skilehrer in Andermatt kreuzten immer wieder mit neuen Ideen auf. So stellte man 1986 etwa den Weltrekordversuch des «längsten Tatzelwurms der Welt» auf, indem rund 450 Skifahrer aneinandergereiht die Piste hinunter fuhren. Auch die Verschwesterung mit dem kleinen Skigebiet Echo Valley in Japan hat einigen jungen Skilehrern die Möglichkeit gegeben, in einem ganz anderen Kulturkreis zu unterrichten.

Sawiris-Projekt war für die Skischule ein Segen

Und dann kam Samih Sawiris mit seinem Mega-Projekt nach Andermatt. «Für die Skischule war das natürlich auch ein Segen, der für frischen Wind sorgte», sagt Ruedi Baumann. Der Attinghauser leitet die Skischule seit 2017. Investor Sawiris habe nicht nur für neue Infrastrukturen auf und neben den Pisten gesorgt, sondern auch neue Feriengäste nach Andermatt gebracht – Gäste, die besonders von Skilehrern begleitet werden. Das stellt die Lehrer vor neue Herausforderungen. «Chedi-Gäste wollen nicht nur unterrichtet, sondern auch abseits der Piste betreut werden», so Baumann. Zudem seien gute Sprachkenntnisse vorausgesetzt. Karl Danioth ergänzt: «Skilehrer sind die Repräsentanten eines Wintersportplatzes. Sie haben die Aufgabe, die Schönheit der Bergwelt zu präsentieren.»

Für Brosi Arnold, Skilehrer und OK-Mitglied von «100 Jahre Skiunterricht Andermatt», steht fest: «Für mich war Karl schon immer ein Vorbild. Er ist der Inbegriff eines Skilehrers. Keiner hat die Skischule so geprägt, wie er.»

Am Samstag, 26. Januar 2019, lädt die Schneesportschule Andermatt zur Jubiläumsfeier mit einem Nostalgie-Rennen auf dem Nätschen und einem Umzug durch Andermatt ein. Weiter Informationen unter www. skilehrer-andermatt.ch

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