SBB: Lokführer lassen Reisende in Flüelen stehen

In den vergangenen Wochen verpassten es Lokführer von Neat-Zügen, beim Bahnhof Flüelen einen Stopp einzulegen. Die SBB entschuldigen sich für diese «absoluten Ausnahmen» und sensibilisieren.

Philipp Zurfluh
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Hier funktionierte noch alles reibungslos: SBB-CEO Andreas Meyer höchstpersönlich stoppte den ersten Güterzug im Bahnhof Flüelen, bevor dieser durch den Gotthard-Basistunnel fuhr. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (3. Juni 2016))

Hier funktionierte noch alles reibungslos: SBB-CEO Andreas Meyer höchstpersönlich stoppte den ersten Güterzug im Bahnhof Flüelen, bevor dieser durch den Gotthard-Basistunnel fuhr. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (3. Juni 2016))

Philipp Zurfluh

philipp.zurfluh@urnerzeitung.ch

Es kommt selten vor, ist aber äusserst ärgerlich für Bahnkunden. Die Rede ist von einem vergessenen Halt eines Zuges an einer Haltestelle. Dieses Missgeschick ist in den vergangenen Wochen auch in Flüelen passiert. Insgesamt viermal – und das aus­gerechnet bei den neuen Neat-­Zügen, welche auch die Urner am Jahrtausendbau teilhaben lassen sollen.

Dies bestätigt Reto Schärli, Mediensprecher der SBB, auf Anfrage unserer Zeitung. «Die vergessenen Halte haben jeweils zu Kundenreaktionen geführt. Die SBB entschuldigen sich bei den betroffenen Bahnbenützern.» In einem Fall sei der Halt nicht möglich gewesen, weil das entsprechende Gleis fälschlicherweise bereits von einem Güterzug belegt gewesen war. «Bei den anderen drei Fällen haben die Lokführer vergessen anzuhalten.» Statistisch gesehen ist ein solches Vorkommnis höchst ­unwahrscheinlich. Laut dem SBB-Mediensprecher geht von 170000 Halten nur einer vergessen, ungefähr alle zwei bis drei Tage einmal auf dem gesamten Streckennetz. Reto Schärli ergänzt: «Einem Lokführer passiert ein solches menschliches Missgeschick im Schnitt einmal in seiner ganzen Laufbahn.»

Regelmässige Schulungen werden durchgeführt

Es ist kein Zufall, dass die Lokführer den Halt in Flüelen drei Mal verpasst haben. Seit dem 11. Dezember 2016 halten täglich drei EC/IC-Züge in beide Richtungen – zwei am Morgen und einer am Nachmittag. Der Regierungsrat will mit den Neat-Halten in Uri wichtige Schritte für eine erfolgreiche Zukunft des Kantons gehen. Der Stopp von Eurocity- und Intercity-Zügen in Flüelen wird angeboten, bis in Altdorf der neue Kantonsbahnhof gebaut ist (voraussichtlich 2021).

Für die Lokführer ist somit eine neue Situation entstanden. Noch vor dem Fahrplanwechsel konnten sie ohne Halt von Bellinzona nach Arth-Goldau oder umgekehrt durchfahren. Nur jeweils morgens kurz vor 7 Uhr stoppte ein ICN von Süden herkommend. Laut dem SBB-Mediensprecher sind die Lokführer nochmals über die neue Situation sensibilisiert worden. «Seither ging kein Halt mehr vergessen», betont der Mediensprecher.

Gemäss Studien sei die Anzahl von verpassten Haltestellen von Zügen stabil. In regelmässigen Schulungen würden die Lokführer immer wieder auf dieses Phänomen aufmerksam gemacht. Ein verpasster Halt sei meistens darauf zurückzuführen, dass sich ein Lokführer primär auf die Signale entlang der Strecke und auf seine Fahrstrasse konzentriere. Die Signale würden auch auf Grün stehen, wenn der Zug an einem Bahnhof anhalten sollte.

Bemerke der Lokführer sein Missgeschick, würde er sofort die Betriebszentrale kontaktieren. Für die betroffenen Bahnreisenden würde dann nach einer Alternative gesucht. «Bei Bahnhöfen, bei denen die Züge auf der gleichen Strecke nur manchmal einen fahrplanmässigen Halt machen, ist das Risiko grösser», erklärt Schärli abschliessend.

Konfrontiert mit den Vorkommnissen erklärt Regierungsrat Urban Camenzind: «Von den unschönen Vorfällen am Bahnhof Flüelen haben wir Kenntnis und sind mit den zuständigen Personen bei der SBB in Kontakt.» Er gehe davon aus, dass die Startschwierigkeiten inzwischen behoben sind.

Andreas Meyer, CEO der SBB (links) und der Urner Regierungsrat Urban Camenzind gaben am 11. Dezember dem Neat-Eröffnungszug in Flüelen grünes Licht. (Bild: Georg Epp (Flüelen, 11. Dezember 2016))

Andreas Meyer, CEO der SBB (links) und der Urner Regierungsrat Urban Camenzind gaben am 11. Dezember dem Neat-Eröffnungszug in Flüelen grünes Licht. (Bild: Georg Epp (Flüelen, 11. Dezember 2016))