Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Potenzial der Bergstrecke der SBB soll besser genutzt werden

Die Frequenzen der Gotthard-Bergstrecke haben mit der Eröffnung des Neat-Basistunnels stark abgenommen. Trotzdem versichern die SBB, dass sie weiterhin viel investieren wollen. An einem Podium in Erstfeld wurde über die Zukunft der Bergstrecke diskutiert.
Urs Hanhart
Sie diskutierten über die Zukunft der Bergstrecke (von links): Maurus Stöckli, Christian Raab, Daria Martinoni und Frank Zimmermann. (Bild: Urs Hanhart, Erstfeld, 29. Juni 2019)

Sie diskutierten über die Zukunft der Bergstrecke (von links): Maurus Stöckli, Christian Raab, Daria Martinoni und Frank Zimmermann. (Bild: Urs Hanhart, Erstfeld, 29. Juni 2019)

Die Interessengemeinschaft öffentlicher Verkehr (IGöV) Zentralschweiz führte am Samstag im historischen Depot beim Bahnhof Erstfeld mit Unterstützung der Standortgemeinde, der SP Erstfeld, der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV und SBB-Historic ein Podium zur Zukunft der Gotthard-Bergstrecke durch. Unter der Leitung von Paul Schneeberger, Bahnkenner und Buchautor, diskutierten Christian Raab, Vorsteher Amt für Wirtschaft und öffentlicher Verkehr, Maurus Stöckli, Geschäftsführer Tourismus Uri AG, Daria Martinoni, Regionenleiterin Ost bei den SBB, und Frank Zimmermann, Medienverantwortlicher IGöV.

Zunächst präsentierte IGöV-Präsident Jean-Pierre Baebi eine Chronologie des Niedergangs der Gotthard-Bergstrecke. «Man hat ganz bewusst beim Unterhalt eingespart und Störungen in Kauf genommen», sagte Baebi. «Ich persönlich werde den Verdacht nicht los, dass die SBB mit allen Mitteln versuchen, die Gotthard-Bergstrecke so unattraktiv wie möglich zu gestalten.» Er kritisierte unter anderem die langen Umsteigezeiten in Erstfeld und bemängelte den Umstand, dass sämtliche Tilo-Züge südlich des Gotthards stationiert seien und somit Reisende nach Andermatt mangels verfügbarem Rollmaterial zwischen Erstfeld und Göschenen von der Auto AG Uri auf der Strasse mit Bussen befördert werden müssen.

SBB investieren 25 bis 30 Millionen im Jahr

Martinoni liess die Kritik nicht gelten. Sie betonte, dass die Gotthard-Panoramastrecke, wie die Bergstrecke neuerdings bezeichnet wird, ein Inbegriff der Eisenbahngeschichte sei. Sie habe einiges Potenzial und sei auch als Umleitungsstrecke wichtig. Martinoni versicherte: «Die SBB sind bemüht, für den touristischen Verkehr Angebotspakete zu finden. Zudem sind wir daran, an der Erschliessungsfunktion der Strecke zu arbeiten. Die Panoramastrecke bleibt bestehen, und zwar doppelspurig.» Allerdings hätten die Frequenzen seit der Eröffnung des Basistunnels stark abgenommen. Trotzdem werde die Strecke weiter unterhalten, mit Investitionen von 25 bis 30 Millionen Franken pro Jahr. Zudem sei geplant, in den nächsten fünf Jahren einen zweistelligen Millionenbetrag in Erneuerungsarbeiten zu stecken, unter anderem im Scheiteltunnel. Thematisiert wurde auch die Wiederinbetriebnahme von stillgelegten Bahnhöfen im Urner Oberland. Zimmermann wies darauf hin, dass man dies in der Leventina schliesslich auch geschafft habe.

Raab zeigte sich überzeugt, dass das jetzige Konzept mit der Erschliessung durch eine Buslinie das Beste sei. Beide Systeme im Regionalverkehr zu betreiben, sei aus finanziellen Gründen nicht möglich. Um die vier geschlossenen Bahnhöfe zu reaktivieren müsste man gemäss Raab Dutzende Millionen Franken investieren. Auch Martinoni äusserte sich zu diesem Thema: «Eine Wiedereröffnung der betreffenden Bahnhöfe ist nicht vorgesehen. Das Geld dazu ist nicht vorhanden.»

Die Lötschbergstrecke als Vorbild

Wie könnte man das Potenzial der Bergstrecke besser ausschöpfen? Stöckli meinte zu dieser Frage des Moderators, man müsse neue spannende Angebote kreieren. Eine geschichtsträchtige Strecke allein reiche nicht aus, um Leute anzulocken. Ein Vorbild sei die Lötschbergstrecke, auf der eine touristische Belebung gelungen sei. Stöckli gab sich zuversichtlich, dass mit der neuen Kooperation zwischen SBB und SOB ab 2020 oder 2021 spannende neue Produkte für die Bergstrecke auf den Markt kommen werden. Gemäss Martinoni wird bereits einiges in die Vermarktung der Panoramastrecke gesteckt, so beispielsweise mit der Kampagne Mythos Gotthard. Wenn man aber mehr Reisende anlocken wolle, müsse man vermehrt mit vereinten Kräften arbeiten. Damit meinte sie nebst SBB und SOB auch Tourismusplayer, Gemeinden und Kantone.

«Wir sind uns bewusst, dass die Frequenzen auf der Bergstrecke unbedingt gesteigert werden müssen», sagte Raab. «Es gilt den Tatbeweis zu erbringen im Hinblick auf die Konzessionserneuerung in neun Jahren, dass die Strecke rentabel oder kostengünstig betrieben werden kann.» Man habe längst nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Der Kanton unterstütze die touristische Entwicklung entlang der Bergstrecke. Das Tourismusangebot sei aber erst am Entstehen. Zur Sprache kam die Zusammenarbeit mit dem Tessin, um die Bergstrecke gemeinsam zu pushen. «Diesbezüglich gibt es noch Luft nach oben», sagte Stöckli. Und Raab doppelt nach: «Die Zusammenarbeit könnte besser sein. Hier besteht einiges Potenzial.» Eine Möglichkeit, die Zusammenarbeit zu verbessern sieht er darin, eine Verantwortlichkeit personeller Art für die Gotthardstrecke zu bestimmen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.