SCHAFHIRTE: Er hat in Andermatt sein Paradies gefunden

Wo er geht, gibt es keine Wege, nur Trampelpfade. Trotzdem möchte Schafhirte Fiorenzo Zenoni kein anderes Leben.

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Schafhirte Fiorenzo Zenoni arbeitet im Sommer im Urserntal, im Winter im Thurgau. (Bild Philipp Arnold/Neue UZ)

Schafhirte Fiorenzo Zenoni arbeitet im Sommer im Urserntal, im Winter im Thurgau. (Bild Philipp Arnold/Neue UZ)

Fero ist noch jung, erst dreieinhalb Monate, er muss noch viel lernen. Aber er hat das Zeug. Er weiss, wie man mit den Schafen umgehen muss. Und das kann man wahrlich nicht von allen jungen Hunden behaupten: Nicht jeder ist ein Naturtalent wie Fero.
«Es ist wie mit den Menschen», sagt Fiorenzo und zündet sich eine Zigarette an. «Einige gehen hundert Jahre in die Schule und bleiben trotzdem immer dumm.» Dann lacht er. Ganz laut und fröhlich.

Hirte für 1100 Schafe
Fiorenzo Zenoni (54), Beruf Schafhirte. In all den Jahren hat sein Gesicht schon manchen Wetterumsturz mitgemacht, struppig der Bart, wild gelockt die braunen Haare, tief die Runzeln auf der Stirn. Und auch Fiorenzos italienisch-deutsches Sprachgemisch ist wie das Gebiet hier: rau und kantig.

Heute ist Fiorenzo im Gemsstockgebiet unterwegs. Ein dicker Holzstock hilft ihm, im steilen Gelände das Gleichgewicht zu halten. Der Hirte stösst mit den Schafen in tiefere Regionen vor. Denn morgen kommt der Nebel. Und Nebel ist nicht gut für seine Schafe.

Über tausend Tiere zählt seine Herde, die er im Auftrag von mehreren Schafbauern hütet, nur seine Hirtenhunde helfen ihm dabei. Wenn er im Herbst wieder hinunter ins Tal geht, werden einige nicht mehr bei ihm sein. Manchmal verfehlt ein Schaf einen Tritt und stürzt in die Tiefe, ab und zu wird ein Tier von einem heranrollenden Stein erschlagen. «Ein Verlust von 3 bis 4 Prozent ist normal», rechnet Fiorenzo vor, überraschend rational.

«Ein Paradies für Arme»
Schafhirte Fiorenzo lässt seinen Tieren auf dem Weg ins Tal Zeit. Oft setzt er sich auf einen Stein, legt seinen Stock nieder, greift zum Feldstecher und wartet, bis die Tiere von sich aus weitergehen. «Mit den Schafen ist es wie mit den Menschen», sagt Fiorenzo, «zu viel Stress ist gefährlich.»

Wo es ihm am besten gefällt, will er nicht sagen. «Die Sonne macht jede Gegend schön», sagt er. Auch das Gemsstockgebiet, wo seine Schafe gerade weiden, gefällt ihm gut. Er zeigt mit dem Stock in ein wildes Tal, wo ein Bergbach rauscht. «Das hier ist ein Paradies.» Und dann lacht er und fügt an: «Ein Paradies für Arme.»

Philipp Arnold

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Samstag in der Neuen Urner Zeitung.