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SCHATTDORF: «Bewegungsdrang früh spürbar»

Die Eltern von Jolanda Annen blicken auf die frühen Jahre der Triathletin zurück. Sie sagen, wie aus einem «Pummelchen» die Erfolgssportlerin wurde.
Bruno Arnold
Jolanda Annen in Siegespose: Hier als Siegerin am Urner Triathlon 2014 in Seedorf. (Bild: Paul Gwerder / Neue UZ)

Jolanda Annen in Siegespose: Hier als Siegerin am Urner Triathlon 2014 in Seedorf. (Bild: Paul Gwerder / Neue UZ)

Bruno Arnold

4. August 2012: Beat Annen jubelt zusammen mit seiner damals knapp zwanzigjährigen Tochter Jolanda vor dem Fernseher über den hauchdünnen Sieg von Nicola Spirig am olympischen Triathlon in London. «Hätte ich meiner Tochter damals gesagt, dass sie in vier Jahren in Rio de Janeiro als Teamkollegin der Titelverteidigerin an den Start gehen wird, wäre ich wohl als übergeschnappt oder gar als Spinner bezeichnet worden», sagt Beat Annen mit einem breiten Grinsen. Wohl nicht ganz zu Unrecht: Seine Tochter hatte erst kurz vor London 2012 die Lehre als Hochbauzeichnerin abgeschlossen, und Triathlon bestritt sie damals erst seit knapp drei Jahren wettkampfmässig.

Höchstens zu träumen gewagt

«Als ganz kleines Kind war Jolanda eher mollig und zudem etwas phlegmatisch», erinnert sich Vroni Annen-Achermann, die Mutter der Olympiateilnehmerin. Dass ihre Tochter einmal zu den weltbesten Triathletinnen gehören würde, das hätte sie damals höchstens zu träumen gewagt – obwohl sich das Mädchen schon früh für die unterschiedlichsten Sportarten interessiert habe, «allerdings mehr als Zuschauerin auf den verschiedenartigen Wettkampfplätzen oder vor dem Fernseher», so Vroni Annen, die selber eine begeisterte Bikerin ist. Der Bewegungsdrang sei allerdings schon zu spüren gewesen, ob auf Wanderungen, Ski- und Biketouren mit der Familie oder bei Wettläufen um Häuserecken gegen ihren zwei Jahre älteren Bruder David.

Am liebsten in der Ringerriege

«Wir haben unsere Kinder nie zum Ausüben einer ganz speziellen Sportart gedrängt», betonen die Eltern. «Wichtig war uns aber immer, dass sich David und Jolanda einfach möglichst viel bewegten.» Beat Annen schmunzelt: «Am liebsten hätte sie als Kind in der Ringerriege Schattdorf mitgemacht, wo ihr Bruder David als Junior Medaillen hamsterte. Das kam aber bei den Trainern nicht unbedingt gut an.» Als Zweitklässlerin schloss sich Jolanda dem Schwimmklub Uri an. «Wichtig waren ihr wohl vor allem die Kolleginnen», sagt Vroni Annen rückblickend. Vater Beat sieht noch einen andern Grund: «Sie liebt einfach den Vergleich und den Wettkampf, und zwar schon seit der Schulzeit», so Beat Annen. «Äs isch läss gsi»: So habe die häufigste Antwort gelautet, ob sie nun als Siegerin nach Hause gekommen oder auf Rang 30 gelandet sei.

Zum Triathlon kam Jolanda Annen erst mit 17 Jahren – über ihren Cou-Cousin Reto Achermann, Teamchef des Triteams Schattdorf und heute gleichzeitig ihr Manager. Dieser schenkte ihr auf Weihnachten 2008 einen der begehrten Startplätze am Sempachersee-Triathlon 2009 in Nottwil. Jolanda gewann den Wettkampf (500 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren und 5 Kilometer Laufen): Der Appetit auf mehr war geweckt, der Grundstein für den kometenhaften Aufstieg gelegt. 2012 gewann sie bereits die erste Schweizer-Meisterschafts-Medaille in der Elitekategorie über die olympische Distanz (1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und 10 Kilometer Laufen). Mit dem Besuch der Spitzensportler-RS im Jahr 2013 ging es für die Schattdorferin Richtung Profitriathlon. Ihr erklärtes Ziel wurde es, 2020 in Tokio erstmals an Olympia teilnehmen zu können. Sie reduzierte ihr Arbeitspensum als Hochbauzeichnerin nach und nach bis auf 40 Prozent. Seit diesem Jahr betreibt Jolanda Annen den Triathlonsport professionell. Im Mai 2016 holte sie im mexikanischen Huatulco ihren ersten Weltcupsieg im Triathlon. Damit sicherte sie sich die definitive Qualifikation für die Olympischen Sommerspiele 2016 in Brasilien – vier Jahre früher als geplant.

Sehr gut auf Ziel fokussieren

Stolz auf Jolanda? «Eher Genugtuung und Freude, dass sie es so weit gebracht hat», sagt Vroni Annen. Ihre Tochter sei immer sehr zielstrebig, aber nie verbissen gewesen und habe einen gesunden Ehrgeiz. «Und vor allem kann sie sich sehr gut auf ein Ziel fokussieren, Wesentliches von Unwesentlichem trennen, mehrere Sachen problemlos aneinander vorbeibringen.» Ein guter Beweis dafür: Sie hat die Lehre, die Berufsmaturität und das zeitaufwendige Training für die drei Triathlondisziplinen stets problemlos unter einen Hut gebracht. «Spitzensportler müssen ‹äs Egg abha› oder anders ticken», glaubt Beat Annen, «sonst kommen sie gar nie so weit», ist der Vater der erfolgreichen Triathletin überzeugt. Trotzdem habe auch Jolanda zwischendurch auf die Pauke gehauen, etwa an der Fasnacht oder an einem Dorffest – «vielleicht halt etwas dosierter als andere», glaubt er.

Der riesige Aufwand hat sich gelohnt: Am 20. August wird Jolanda Annen mit der Teilnahme an Olympia 2016 in Rio de Janeiro den vorläufigen Höhepunkt ihrer Karriere erleben. Sie ist nach Radfahrerin Luzia Zberg (1992 in Barcelona), 800-Meter-Läuferin Anita Brägger (2004 in Athen) und Bikerin Linda Indergand (2016 in Rio) erst die vierte Urner Frau, die sich für Olympische Sommerspiele qualifiziert hat.

Eltern sind bereits in Brasilien

Vroni und Beat Annen sind bereits nach Brasilien gereist, um ihre Tochter anzufeuern. (Bild Bruno Arnold)

Vroni und Beat Annen sind bereits nach Brasilien gereist, um ihre Tochter anzufeuern. (Bild Bruno Arnold)

«Ich hoffe einfach, dass sie die Atmosphäre und das Erlebnis Olympische Spiele geniessen kann und für die zwei Jahre entschädigt wird, während denen sie sehr viel Zeit in den Sport investiert und auf viele Annehmlichkeiten verzichtet hat», sagt Vroni Annen. «Das Resultat steht nicht im Vordergrund, sie ist schliesslich noch jung.» Vater Beat teilt diese Meinung: «Sie ist ja sowieso zu früh dran, eigentlich war die olympische Premiere ja erst im besseren Triathlonalter von 28 Jahren geplant.»

Beat und Vroni Annen haben ihrer Tochter versprochen: «Wenn du die Qualifikation für Rio schaffst, dann reisen wir auch dorthin.» Und sie halten Wort: Zusammen mit Reto Achermann sind sie am vergangenen Sonntag nach São Paolo geflogen. Auf ihrer Reise durchs Landesinnere und entlang der Küste werden sie Jolanda noch vor dem olympischen Rennen treffen und sie danach bei ihrem Wettkampf an der Copacabana anfeuern. Eines bedauert Beat Annen: «Wir können Linda Indergand, die andere Urner Athletin in Rio, leider nicht als Fans an der Strecke unterstützen, weil sie ausgerechnet am gleichen Tag und zur gleichen Zeit wie Jolanda im Einsatz steht.»

Die Annens werden vom 23. auf den 24. August bereits wieder nach Hause fliegen. «Tochter, Triathlon und Brasilien in Ehren», sagt Beat Annen. «Aber am 27. und 28. August habe ich einen weiteren sportlichen Termin. Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest war vor Rio auf meiner Agenda ...»

Jolanda Annen als Kind Siegespose. Das Bild stammt aus dem Familienalbum.

Jolanda Annen als Kind Siegespose. Das Bild stammt aus dem Familienalbum.

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