Schattdorf
Wenn Ringer zu Langläufern werden – Corona sorgt in Uri für seltsame Verwandlungen

Die Ringercracks sind bis auf weiteres von der Matte verbannt. Immerhin darf der Nachwuchs aber wieder ran.

Urs Hanhart
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Die Kampfsportarten sind besonders hart von der Coronakrise betroffen. Seit dem 1. März gibt es aber wenigstens etwas Licht am Horizont: Nach den Lockerungen der Massnahmen wurde das Schutzkonzept vom nationalen Verband angepasst. Kinder und Jugendliche bis 20 Jahre dürfen nun ohne grosse Einschränkungen trainieren. Auch Wettkämpfe sind möglich, allerdings ohne Zuschauer.

Wann es wieder auf die Matte geht, bleibt noch unklar.

Wann es wieder auf die Matte geht, bleibt noch unklar.

Bild: Urs Hanhart (Schattdorf, 30. November 2019)

Beim Training der Erwachsenen gibt es hingegen noch immer massive Einschränkungen. Körperkontakt ist nicht erlaubt. Lediglich ein Grundlagentraining im Freien in Gruppen von maximal 15 Personen kann betrieben werden. Noch steht in den Sternen, ab wann die Cracks des NLA-Vertreters Ringerriege Schattdorf wieder auf die Matte zurückkehren dürfen. Not macht bekanntlich erfinderisch. Deshalb haben die Verantwortlichen nach einer Trainingsalternative gesucht und sind fündig geworden. Dazu verrät Marco Gisler, Präsident der RR Schattdorf: «Wir haben das Langlaufen fest ins Wintertrainingsprogramm eingebaut. Unsere Athleten sind zweimal wöchentlich auf der Loipe in Unterschächen unterwegs, um an ihrer Kondition zu feilen.»

Fundament soll bestehen bleiben

Für Profiringer gibt es zwar auf internationaler Ebene Turniere. National läuft aber im Aktivbereich gar nichts. «Momentan weiss niemand, wann wieder Wettkämpfe möglich sind. Das ist natürlich eine schwierige Situation», sagt Gisler, und fügt an:

«Ich bin schon seit geraumer Zeit hauptsächlich damit beschäftigt, den Verein bei Laune halten und möglichst dafür zu sorgen, dass niemand abspringt.»

Ganz wichtig sei, dass das Fundament bestehen bleibe. «Sonst wäre es verheerend. Vor allem das Training für die Jungen muss gewährleistet werden. Es ist matchentscheidend, dass wir sie am Ball halten können.» Anfang Mai ist die Durchführung des Tenero-Lagers geplant, eines der Highlights für die aufstrebenden Jungspunde. Nach jetzigem Stand geht Gisler davon aus, dass dieser wichtige Anlass abgehalten werden kann.

Rückkehr in die Mannschaftsmeisterschaft

Der Vereinsvorsitzende ist froh, dass im NLA-Kader bislang keine gewichtigen Abgänge zu beklagen sind. «Aber man wird erst sehen, wie die Situation ist, wenn im Training wieder Normalbetrieb herrscht. Einige unserer Vereinsmitglieder habe ich seit einem Jahr nicht mehr gesehen», so Gisler. Im vergangenen Jahr verzichtete die Ringerriege Schattdorf – genau gleich wie übrigens auch die Ringerriege Hergiswil – auf die Teilnahme an der NLA-Mannschaftsmeisterschaft, weil das Rahmenschutzkonzept in der heimischen Grundmatte-Turnhalle kaum hätte umgesetzt werden können.

Zudem wollte man das Risiko nicht eingehen, dass die Amateursportler bei einer allfälligen Quarantäne ihrer Arbeitstätigkeit eine Zeitlang nicht mehr hätten nachgehen können. Auch die Aussicht, die Kämpfe ohne Zuschauer abhalten zu müssen, löste keine Begeisterung aus. In diesem Jahr möchte die Urner Ringerhochburg wieder an der im voraussichtlich im September beginnenden Mannschafts-Schweizer-Meisterschaft teilnehmen, sofern diese überhaupt ausgetragen werden kann. Für Gisler ist jedoch klar: «Unsere Akteure müssen sich optimal vorbereiten können. Dazu sind auch Trainingslager im Ausland nötig. Ansonsten hat man nicht viel zu bestellen.»

Finanzieller Schaden lässt sich noch nicht genau abschätzen

Finanziell hat das durch die Coronakrise geprägte letzte Jahr negative Auswirkungen bei der Ringerriege Schattdorf. Dazu sagt Gisler: «Der Schaden lässt sich noch nicht genau abschätzen. Besonders negativ ins Gewicht fällt bei uns, dass wir unser traditionelles Sommernachtsfest nicht durchführen können. Das ist eine unserer Haupteinnahmequellen.»