SCHATTDORF: Ex-EWA-Vorsitzender Reto Brunett verhaftet

Der vormalige Vorsitzende der Geschäftsleitung des Elektrizitätswerks Altdorf (EWA), Reto Brunett, ist am Wochenende an seinem Wohnort Schattdorf verhaftet worden.

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Reto Brunett, hier 2001. (Archivbild Angel Sanchez/Neue UZ)

Reto Brunett, hier 2001. (Archivbild Angel Sanchez/Neue UZ)

Der ehemalige Direktor des Tessiner Elektrizitätswerkes Azienda Elettrica Ticinese (AET) und vormalige Vorsitzende der Geschäftsleitung des Elektrizitäts-werks Altdorf (EWA), Reto Brunett, ist am Wochenende an seinem Wohnort Schattdorf verhaftet und in Untersuchungshaft gesetzt worden.

Die Tessiner Staatsanwaltschaft wirft ihm Ungereimtheiten beim Kauf der Aargauer Firma Zimmerli Energie-Technik AG (ZET) durch AET vor.

Hausdurchsuchungen und Einvernahmen
Brunett soll die ZET für den «übertrieben hohen Preis» von über 4 Millionen Franken erworben haben. Im Kanton Uri kursieren Gerüchte, wonach Brunett und ZET-Geschäftsführer Zimmerli gut befreundet seien. Der Kauf der ZET war vom Verwaltungsrat der AET am 15. Dezember 2008 genehmigt worden.

Die Tessiner Staatsanwaltschaft teilte am Freitag mit, dass im Zusammenhang mit dieser Transaktion am vergangenen Donnerstag einige Hausdurchsuchungen in verschiedenen Kantonen stattgefunden hätten. Zudem seien mehrere Einvernahmen durchgeführt worden.

Die im Falle von Brunett laufende Untersuchung betrifft den Verdacht auf Betrug, ungetreue Geschäftsbesorgung, ungetreue Amtsführung und Bestechung. Weitere Angestellte der AET sind laut Staatsanwaltschaft von der Untersuchung nicht betroffen.

Unregelmässigkeiten und ungenaue Unterlagen
Die AET machte in einer Mitteilung darauf aufmerksam, dass der Entscheid des Verwaltungsrats zur Übernahme der ZET offensichtlich auf ungenauen und unvollständigen Unterlagen beruht habe.

Zudem seien wiederholte Unregelmässigkeiten bei der Entscheidfindung zum Vorschein gekommen. Das Unternehmen habe deshalb am vergangenen 14. September die Staatsanwaltschaft mit einer umfangreichen Dokumentation eingeschaltet.

Der im Juni 2007 vom Verwaltungsrat als CEO eingesetzte Brunett war von der AET am vergangenen 8. August wegen Vertrauensbruchs und unterschiedlicher Auffassung der Betriebsleitung fristlos entlassen worden. Über die ZET mit Sitz in Zofingen AG wurde laut dem Handelsregister am vergangenen 2. Oktober der Konkurs eröffnet.

Finanzdirektorin «bestürzt» über Festnahme
Mit der Affäre befassen sich auch die politischen Instanzen im Tessin. Die kantonale Finanzdirektorin Laura Sadis äusserte am Freitagabend in einer Mitteilung «grosse Besorgnis und Bestürzung» über die Festnahme Brunetts.

Zugleich lud sie die Kantonsregierung ein, erneut die Kriterien zu überdenken, die zur kürzlichen Nominierung des Verwaltungsrats der AET geführt hätten. Alle Regierungsparteien seien aufgefordert, bei den Nominationen für die Aufsichtsgremien staatlicher Regiebetriebe ihre Verantwortung besser wahrzunehmen.

ap/Bruno Arnold; Neue UZ