Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

SCHATTDORF: Jäger ohne Gewehr: Beruf Tierfilmer

Der Urner Tier- und Naturfilmer Tony Gnos stellt zurzeit sein zwölftes Werk fertig. Er erzählt, wie er zur Natur steht, wie seine Filme entstehen und weshalb er auch schon Eingriffe in die Tierwelt vorgenommen hat.
Florian Arnold
Tierfilmer Tony Gnos mit der treuen Begleiterin, der Schäferhündin Luna. (Bild: PD (Seedorf, Weg der Schweiz, März 2017)))

Tierfilmer Tony Gnos mit der treuen Begleiterin, der Schäferhündin Luna. (Bild: PD (Seedorf, Weg der Schweiz, März 2017)))

Florian Arnold

florian.arnold@urnerzeitung.ch

«Bist du paletti?», fragt Tony Gnos. Ernst Gunti, der Mann hinter dem Mikrofon, nickt. «Okay, dann packen wir den Specht!» Die Computermaus klickt, und Gnos gibt mit der Hand das Startzeichen. «Der Bundspecht ist auch in unseren Gebieten heimisch», liest Gunti mit ruhiger Stimme. Wieder klickt es. «Super», lobt Gnos, «den haben wir im Kasten.»

Nach demselben Muster wird noch der ganze Tag verlaufen. 70 solch gesprochene Kommentare sind nötig für das neuste Werk von Tony Gnos: einen Film über den Hirsch Rambo aus dem Schächental. Das Tier spricht dabei in der Ich-Form. Ernst Gunti, Laienschauspieler und jahrelanger Tell-Darsteller in Altdorf, leiht ihm seine Stimme. «Auch Hirsche sind manchmal heiser», scherzt er, als er sich zwischendurch räuspern muss.

Filmer macht Wetter mehr zu schaffen als den Gämsen

«Es sieht einfach aus», sagt Gnos. «Abr äs isch ä hüärä Biäz.» Dabei ist das Aufzeichnen der Kommentare einer der erholsameren Jobs des Urner Tier- und Naturfilmers. «Acht Stunden in einem Tarnzelt zu verharren, ist für mich normal.» Es gebe eine goldene Regel: «Wenn man das Gefühl hat, dass einem gerade die Aufnahme des Tages gelungen ist, darf man nicht zusammenräumen. Meistens passiert dann noch etwas viel Spannenderes.» Das erfordert Ausdauer.

«Ich bin eine One-man-factory», sagt Gnos. Sein Hauptquartier befindet sich im Dachstock seines Einfamilienhauses in Schattdorf. Neben dem DVD-Player stehen zwei Bildschirme, die an einem Computer angeschlossen sind. Auf dem Pult türmt sich Fachliteratur. Im Rücken steht ein Mischpult, daneben Mikrofone und Lautsprecherboxen. Auf einem Bartresen sind DVDs seiner fertigen Filme aufgestellt. An der Wand hängen Bilder von einem Adlerhorst und einer weissen Gämse, die Tony Gnos selbstverständlich selber abgelichtet hat. Und vor der Glasvitrine mit eigens gesammelten Kristallen sind die Werkzeuge des Tierfilmes aufgereiht: fünf Kameras auf ihren Stativen mit teilweise meterlangen Zoom-Objektiven. «Damit könnte ich mir etwa zwei Ferraris kaufen», zieht Gnos einen Vergleich. «Die Technik ist sehr schnelllebig. Mir ist es wichtig, immer auf dem neusten Stand zu sein.»

Mit 57 konnte er sich seinen Traum verwirklichen

Seit elf Jahren setzt der Urner voll auf die Karte Tier- und Naturfilm. Zuvor hatte er eine steile Karriere bei der CSS-Versicherung eingeschlagen, wo er zum Schluss 600 Leute führte. Eine grosse Bürde, die Gnos nicht bis ins Pensionsalter tragen wollte. Mit 57 Jahren gelang ihm der Schritt der Frühpensionierung, was ihm neue Möglichkeiten eröffnete. Der heute 68-Jährige besuchte Kurse und trat dem Filmklub Luzern bei, wo er heute auch als Jury-Mitglied amtet. «So lernt man sehr viel.»

Steht ein neuer Film an, beginnt Gnos jeweils mit einem Mindmap. Zusammengefasst auf einem Blatt sammelt er Ideen. Danach wird eine genaue Drehliste ausgearbeitet. «Ich kann nicht planlos umherirren, sondern muss alles über die Tiere wissen.» Dies sei mit einer grossen Recherche verbunden. Erst dann ist der Filmemacher bereit, sich auf die Lauer zu legen. Meist ist er mit zwei Kameras à 15 Kilogramm unterwegs. Tarnzelte stellt er oft schon Tage vor dem Dreh auf. Stets mit dabei auf dem Dreh ist die weisse Schäferhündin Luna. «Dabei ist sie immer ruhig», versichert Gnos. «Sie bellt nur, wenn Wanderer an meinem Versteck vorbeikommen. Aber dann muss ich ohnehin mit Drehen aufhören.»

Zum erfolgreichen Tierfilm gehöre auch eine Portion Glück. Dieses hatte Gnos auch bei «Rambo». «Diesen Hirsch verfolge ich schon, seit er ein kleiner Hüpfer war.» Das war vor sieben Jahren. Durch ein Merkmal am Hals konnte Gnos das Tier jeweils eindeutig identifizieren. Heute ist «Rambo» der Platzhirsch im Brunnital. Diese Karriere konnte Gnos nicht vorhersehen.

Freundschaftlich, aber anderer Meinung

Manchmal bleibt keine Zeit für Vorbereitungen. Vor kurzem machten Jäger den Filmemacher auf einen Luchs im Göscheneralptal aufmerksam – und das während der Jagdzeit. «Sie haben mir drei Tage gegeben, um den Luchs ungestört mit der Kamera einzufangen.» Obwohl Gnos ein freundschaftliches Verhältnis zu den Jägern hat, gibt es doch auch Meinungsverschiedenheiten.

«Ich habe Tiere lieber lebendig und jage sie nur mit meiner Kamera», so Gnos. Etwa über den Wolf habe er mit Jägern schon stundenlang diskutiert. Auch mit seinem Geschäftspartner Max Baumann. Dieser unterstützt Gnos bei den Dreharbeiten. «Während ich mich aufs Filmen konzentrieren kann, hält Max Ausschau nach anderen interessanten Filmobjekten.» Mit Jäger Baumann zusammen veranstaltet Gnos auch Filmvorträge, die jeweils mit einem Referat verbunden sind. Etwa 20 solche Veranstaltungen bieten die beiden pro Jahr an. Gerade für ältere Leute seien die Filme emotional. «Das hängt damit zusammen, dass in den Filmen Tiere aus unseren Breitengraden gezeigt werden», erklärt Gnos. «Einen Film in Afrika, Asien oder Südamerika zu drehen, wäre viel einfacher. Hier müssen wir uns aber von anderen Filmern abheben, weil man die gewöhnlichen heimischen Tiere schon kennt.» Und das ist Gnos gelungen: Sein erster Film drehte sich um eine Albino-Gämse. Mit dem Hirsch-Film, der nun entsteht, wird die zwölfte Produktion fertig. Die Filme verkauft Gnos im Eigenvertrieb. Bis zu einer Stückzahl von 200 Filmen bespielt und bedruckt er sogar die Datenträger selber. Unterstützung erhält er neben Baumann auch von seinem Sohn sowie seinem breiten Umfeld.

«Wir kannten jedes Vogelnest»

«Für mich ist die Natur erholsam und meditativ. Die Stunden vergehen wie im Flug», schwärmt der Schattdorfer. Die Faszination begann in der Jugendzeit. Er habe sich stark für den Amazonas interessiert, Karten und Bücher studiert. «Ein Schulkollege und ich sind in der Freizeit viel in der Natur herumgestrolcht. Am Seeufer kannten wir jedes Vogelnest.» Das Auge fürs Detail sei geblieben – und der Respekt vor der Natur. «Zwischen Mensch und Tier mache ich keinen Unterschied», sagt Gnos. Nur filme er lieber Tiere als Menschen. «Ich will auf niemanden angewiesen sein.» Zwar seien Tierszenen weniger berechenbar. «Dafür passiert sonst etwas Interessantes.»

Mit seinen Filmen will Gnos die Tiere nicht stören. Trotzdem hat er auch schon eingegriffen, um sie vor dem sicheren Tod zu bewahren. «Ich habe bemerkt, wie sich oberhalb von einigen weidenden Tieren ein Felsblock gelöst hat. Ich konnte nur noch laut rufen, sodass sie erschreckt sind und rechtzeitig fliehen konnten», erzählt Gnos. «Meine Hände zitterten richtig, sodass ich mich eine Zeit lang hinsetzen musste.» Auch für Gnos selber wurde es schon gefährlich. Als ein Rudel Gämsen an ihm den Hang hinunterstürmten, erwischte ein Tier das Stativ von Gnos. «Dabei wäre ich fast den Hang hinuntergestürzt.»

Der Bär fehlt noch in der Sammlung

Der Film über den Hirsch Rambo ist mittlerweile bereits fertiggestellt. Doch wie geht es danach weiter? «Mein grosses Ziel wäre es, einen Film über den Bären in Uri zu machen. Aber bisher kam ich immer zu spät», sagt Gnos mit einem Lachen. Als Tierfilmer müsse man mit Niederlagen umgehen können. Trotzdem ist er überzeugt: «Man findet auch die Nadel im Heuhaufen, wenn man weiss, wie man suchen muss.» Die Ausdauer dazu hat er.

Hinweis

Der Dok-Film «Platzhirsch Rambo» ist ab sofort erhältlich. Bestellt werden können sämtliche Tier- und Naturfilme von Tony Gnos über die Webseite www.lifepowernatur.ch sowie über die E-Mail-Adresse tony.gnos@bluewin.ch.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.