SCHATTDORF: Jodler brauen Kaffee für Fasnächtler

Der Jodlerklub Bärgblüemli feiert heuer sein 75-Jahr-Jubiläum. Daher geben sich die Sänger an der diesjährigen Fasnacht besonders spendabel, wie ein Besuch beim Wagenbau verrät.

Markus Zwyssig
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Die Schattdorfer Jodler bauen in einer Halle an der Industriestrasse ihren Umzugswagen. (Bilder: Markus Zwyssig (Altdorf, 18. Februar 2017))

Die Schattdorfer Jodler bauen in einer Halle an der Industriestrasse ihren Umzugswagen. (Bilder: Markus Zwyssig (Altdorf, 18. Februar 2017))

Markus Zwyssig

markus.zwyssig@urnerzeitung.ch

Es ist kalt an diesem Samstagmorgen in der Halle an der Industriestrasse zwischen Seedorf und Attinghausen. Doch die Kälte spüren die Männer und Frauen nicht lange, denn sie machen sich sofort an die Arbeit. Sogar die Kinder greifen zu Säge und Hammer. Urchig und rustikal sieht sie aus, die Alphütte auf dem Tieflader. Der Wagen des Jodlerklubs Bärgblüemli soll morgen Samstag die Umzugsbesucher in Schattdorf erfreuen. Auf ihm werden die beiden Handörgeler Raphael und David Zanini spielen, begleitet von Jan Walker am Bass.

Felix Arnold, Ehrenpräsident der Schattdorfer Jodler, schaut sich die Tannenbäume an, die in der Halle liegen. Den einen Baum entastet er. Kurz darauf sucht er zwei, drei kleinere Bäume und stellt sie auf den Umzugswagen. Die Jodlerkollegen helfen ihm beim Befestigen. An den Wänden der Hütte hängen alte Utensilien, die man früher auf der Alp gebraucht hat. Ein Holzkorb, eine Znüni­tasche, ein Rucksack, eine alte Säge und Gamaschen: Die Dekoration muss bis ins letzte Detail stimmen. Andrea Aschwanden, die Frau des Präsidenten Bruno Aschwanden, hat rot-weiss gehäuselte Vorhänge genäht. Diese hängt sie im Alp­hüttli an die Fenster.

240 Liter Kaffee zum Jubiläum

Die vier Jodlerkollegen Hans Bertolosi, Ruedy Stadler, Roman Bissig und Markus Küttel haben alles bestens organisiert. Fredy Scheiber kommt mit zwei Transparenten in die Halle. Darauf steht geschrieben: «Mier derfid fäschtä, singä und jubliärä, drum tient mier ä Ych äs Kaffee spendierä.» Der Spruch ist gleichzeitig das Motto der Jodler. Sie feiern heuer nämlich ihr 75-Jahr-Jubiläum. Damit verbunden sind nicht nur musikalisch grosse Auftritte. Der Jodlerklub Bärgblüemli hat es dieses Jahr auch auf die Plakette der Schattdorfer Fasnacht geschafft.

So viel Ehre hat auch ihren Preis. Bereits beim Eintrommeln am Mittwochabend haben die Jodler Kaffee ausgeschenkt. Und auch beim Umzug morgen Samstag sind sie Gastgeber. 3000 Plastikbecher stehen bereit, mit Kaffee befüllt zu werden. 120 Liter werden vorgängig gebraut und in Kanister abgefüllt. Die gleiche Menge wird zudem auf dem Umzugswagen in einem alten Kochkessel auf dem Holzfeuer gekocht. Aber auch die Kinder gehen nicht leer aus. Ihnen werden 50 Kilogramm Zuckerbohnen verteilt.

Jodler fühlen sich fast wie im Sägemehlring

Bis es so weit ist, stehen noch Arbeiten an. Roman Bissig ist sich nicht zu schade, unter den Wagen zu kriechen. Als er wieder hervor kommt, sieht er aus wie ein Schwinger nach einem verlorenen Gang – derart viel Sägemehl hängt an seinen Kleidern. Rund 150 Arbeitsstunden wenden die Jodler für die Arbeit an ihrem Wagen auf, rechnet Arnold vor. Dabei müssen die Jodler aber auch einige Regeln einhalten. «Das Gefährt darf nicht zu hoch werden, denn es muss bei der Ausfahrt durch das Hallentor passen», sagt Arnold. Und der Wagen muss fahrtüchtig bleiben. Ein Traktor wird das Gefährt nach Schattdorf fahren. Rechtzeitig morgen Samstag um 14 Uhr müssen sie damit am Start des grossen Umzugs beim Restaurant Brückli sein.

Dabei haben die Jodler Glück. Sie dürfen drei Wochen in der Halle der ehemaligen Firma Anton Herger Holzbau in Altdorf an ihrem Wagen arbeiten. «Wir sind sehr froh, dass wir die Halle nutzen dürfen», sagt Bruno Aschwanden. Dank dem Entgegenkommen des Hallenbesitzers sind die Schattdorfer Jodler nun schon fast fertig mit ihrem Fasnachtswagen. «Es ist schade, dass man das Hüttli nach dem Umzug wieder abbauen muss. Auf manch einer Alp würde es sich gut machen», sagt Arnold.

Komitee und Publikum unterstützen die Wagenbauer

Bereit für den grossen Umzug sind nicht nur die Jodler, sondern auch die Verantwortlichen beim Komitee. «Genügend Nummern zu finden für den Fasnachtsumzug ist nicht so schwierig», sagt Thomas Lustenberger, OK-Präsident des Schattdorfer Fasnachtsumzugs. «Wir haben treue Vereine, die sich bereiterklären, alle zwei Jahre bei unserem Umzug mitzumachen.» Ein grösseres Problem sei es, genügend Hallen für die Wagenbauer zu finden. «Nicht nur die Jodler, auch andere Vereine mussten nach Altdorf oder Flüelen ausweichen.» Das Umzugskomitee kommt den Wagenbauern und Fusstruppen aber auch entgegen. Farbe, Holz und Vlies wird den Vereinen zur Verfügung gestellt. Das Geld der Sponsoren wird in die Verpflegung der Umzugsteilnehmer und in die Sicherheit gesteckt. «Das Sicherheitskonzept wurde optimiert», sagt Lustenberger. «Wir wollen durchsetzen, dass am Umzug keine Flaschen, sondern Getränke einzig in Plastikbechern oder Dosen abgegeben werden.»

Auch die Besucher können die Fasnnächtler finanziell unterstützen. Der Erlös aus dem Sammelwagen wird an die Wagenbauer und Fusstruppen verteilt. So gibt es unter dem Strich wenigstens eine kleine Entschädigung für die grosse Arbeit der Wagenbauer.

Die Schattdorfer Jodler bauen in einer Halle ihren Umzugswagen. (Bild: Markus Zwyssig (Altdorf, 18. Februar 2017))

Die Schattdorfer Jodler bauen in einer Halle ihren Umzugswagen. (Bild: Markus Zwyssig (Altdorf, 18. Februar 2017))

Der Umzugswagen. (Bild: Markus Zwyssig (Altdorf, 18. Februar 2017))

Der Umzugswagen. (Bild: Markus Zwyssig (Altdorf, 18. Februar 2017))