Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

SCHATTDORF: Kanton macht Jagd auf freche Krähen

Krähen zerreisen Abfallsäcke und suchen Essensreste. Nun werden die Problemvögel abgeschossen. Ein Biologe rät aber zum sorgsamen Umgang mit Abfall.
Anian Heierli
Biologen zählen Krähen zu den intelligentesten Tieren weltweit. (Bild: Keystone/Focke Strangmann)

Biologen zählen Krähen zu den intelligentesten Tieren weltweit. (Bild: Keystone/Focke Strangmann)

Anian Heierli

Seit einigen Wochen stellen freche Krähen den Schattdorfer Unterhaltsdienst auf die Probe. Die Vögel haben angefangen, gezielt Kehrichtsäcke zu zerreissen, um nach fressbaren Abfällen zu suchen. Mittlerweile hinterlassen die Krähen regelmässig eine Sauerei. «Das Problem tritt ausschliesslich im ‹Acherli› auf», sagt die Schattdorfer Gemeindeschreiberin Sybille Jauch. Andere Quartiere seien nicht betroffen.

Nur Spezialisten dürfen schiessen

Nun will die Urner Jagdverwaltung reagieren. «Wir versuchen nun, das Problem in Schattdorf anzugehen und Krähen, die Kehrichtsäcke aufreissen, abzuschiessen», bestätigt Jagdverwalter Josef Walker auf Anfrage. Beim geplanten Abschuss hat für die Behörden die Sicherheit oberste Priorität, da die problematischen Krähen in einem Siedlungsgebiet leben. «Allein die Wildhut und speziell ausgewählte Personen dürfen die Tiere schiessen», betont Walker. «Und wir wollen gezielt nur jene Krähen jagen, die sich an Kehrichtsäcken zu schaffen machen.» Walker sind entsprechende Vorfälle momentan auch nur aus Schattdorf bekannt. Wenn man so will, haben einzig die intelligentesten Vögel begriffen, dass sich fressbare Abfälle in den grauen Plastiksäcken befinden.

Von anderen Tieren kopiert

Biologe Matthias Kestenholz von der Vogelwarte Sempach weiss, weshalb das Problem nur punktuell auftritt. «Es ist tatsächlich so, dass ein Vogel zuerst auf die Idee kommen muss, dass es im Kehrichtsack etwas zu Fressen gibt», erklärt der Experte. Das könnten die Tiere nämlich nicht am Geruch erkennen.

Vögel verlassen sich primär auf ihre Augen und Ohren. Einige Arten haben sogar einen schlechter entwickelten Geruchssinn als der Mensch. «Vielleicht hatte ein Marder oder eine Katze einen Kehrichtsack aufgerissen und eine Krähe entdeckte dadurch, wie sie an die Abfälle herankommt», so Kestenholz. Dies werde dann von anderen Artgenossen beobachtet, gelernt und kopiert. Und weil Krähen meist in einem bestimmten Revier leben, tritt das Problem an einzelnen Standorten auf.

Problem langfristig angehen

«Ein Abschuss im Siedlungsgebiet ist heikel», sagt Kestenholz. Die Spezialisten bei der Jagdverwaltung würden jedoch wissen, was vertretbar sei. Der Biologe legt nahe, das Problem langfristig bei den Verursachern anzugehen. «Die Kehrichtsäcke sollten erst kurz vor dem Sammlungstermin an den Strassenrand gestellt werden», sagt er. Zudem empfiehlt Kestenholz, dossiert und zurückhaltend einzukaufen, um möglichst wenig Essensreste wegzuwerfen. Denn aktuelle Studien zeigen erschreckende Resultate. Laut WWF wird in der Schweiz bis zu einem Drittel aller Lebensmittel weggeworfen, fast die Hälfte davon stammt aus Haushalten. «In erster Linie kann also die Bevölkerung dazu beitragen, dass das Problem nicht ausartet», so Kestenholz. Das brauche aber entsprechende Aufklärungsarbeit.

Krähen sind extrem lernfähig

Dass es unter den Vogelarten vor allem Krähen sind, die sich an Kehrichtsäcken zu schaffen machen, hat zwei Gründe: Krähen sind Aas- und Allesfresser, und sie sind intelligent. Ein Vergleich mit anderen Tieren sei immer etwas schwierig, sagt Kestenholz. «Man darf Krähen aber im gleichen Atemzug wie Menschenaffen, Delfine und Papageien nennen.» Denn Krähen sind ex­trem lernfähig. Wie Papageien können sie in Gefangenschaft menschliche Wörter nachahmen. Bei der Futtersuche sind sie auch in der Lage, Denkaufgaben zu lösen und Werkzeuge einzusetzen. «Ihre Intelligenz konzentriert sich aber auf das Befriedigen ihrer Bedürfnisse wie etwa den Futtererwerb», erklärt Kestenholz.

Wegen ihrer Anpassungsfähigkeit breiten sich Krähen rasch aus. Sie können so für die Landwirtschaft zum Problem werden. Deshalb zählen Krähen auch zu den jagdbaren Vögeln. In Uri dürfen sie während der Niederjagd geschossen werden. Jäger erhalten bei der Jagdverwaltung sogar fünf Franken für jeden geschossenen Vogel.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.