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SCHATTDORF: «Mühle-Prozess»: Verteidiger plädiert auf 5 Jahre

Vor dem Landgericht Uri ist am Donnerstag die Verhandlung um die Tötung eines Wirts in Schattdorf zu Ende gegangen. Der Angeklagte ist geständig. Der Staatsanwalt geht von einem vorsätzlichen Raubmord aus, der Verteidiger plädiert auf Totschlag.
Im Restaurant Mühle in Schattdorf ist im März 2013, ein 51-jähriger Urner erstochen worden. (Bild: Sven Aregger / Neue UZ)

Im Restaurant Mühle in Schattdorf ist im März 2013, ein 51-jähriger Urner erstochen worden. (Bild: Sven Aregger / Neue UZ)

Zum Abschluss des zweitägigen Prozesses bat der Angeklagte mit tränenerstickter Stimme die Familie des Opfers um Entschuldigung. Es sei ihm bewusst, dass er etwas Schreckliches und Schlimmes getan und Leid über die Familie gebracht habe. Er wünschte, er könnte alles rückgängig machen. Er hoffe, dass man ihm eines Tages vergeben könne.

Beim Täter handelt es sich um einen 55-jährigen gelernten Koch, der das Opfer kannte und gelegentlich bei ihm gearbeitet hatte. Am 24. März 2013, kurz vor 2 Uhr, tötete er im Restaurant Mühle in Schattdorf den Wirt mit 14 Messerstichen. Dabei nahm er eine Tasche mit mehreren tausend Franken und weiteren Gegenständen mit. Ihm wird ferner häusliche Gewalt gegen die inzwischen von ihm geschiedene Ehefrau vorgeworfen.

Bei der Befragung am Mittwoch bestätigte der Angeklagte sein im April 2013 abgelegtes Geständnis. An die Tat könne er sich dagegen nicht mehr erinnern: «Ich habe keine Ahnung, was abgelaufen ist. Es ist mir nach wie vor ein Rätsel.» Er habe viel darüber nachgedacht, doch er habe ein «totales Blackout». Auf die Frage, warum er an jenem Tag ein grosses Küchenmesser bei sich gehabt habe, sagte er, er habe sich verfolgt gefühlt und Angst gehabt.

Staatsanwalt: «Klassischer Raubmord»

Für den Oberstaatsanwalt sind das Schutzbehauptungen. Es gehe um einen vorsätzlichen, «klassischen Raubmord». Der Täter habe skrupellos gehandelt, sein Beweggrund und die brutale Tat seien besonders verwerflich. Bereits zwei Tage vorher habe er die Absicht gehabt, den Mühle-Wirt umzubringen und auszurauben. Doch habe der Bruder des Angeklagten die Polizei verständigt. Dadurch sei er von seinem Plan abgekommen.

Das Motiv für das «Blutbad» sieht der Ankläger in den massiven finanziellen Problemen des Angeklagten. So habe er in einem Nachtlokal in Erstfeld in den drei ersten Monaten 2013 total 13'000 Franken ausgegeben, bei einem monatlichen Einkommen von rund 2700 Franken. Er beantragte, den Mann des Mordes und des Raubes sowie der einfachen Körperverletzung, der Drohung und der Tätlichkeiten gegenüber seiner Frau schuldig zu sprechen und ihn zu 17 Jahren Freiheitsstrafe zu verurteilen.

Verteidiger: Raubmord-Anklage ist konstruiert

In seinem Plädoyer kritisierte der Verteidiger die von der Anklage vorgetragenen Hypothesen und teilweise «absurden Spekulationen». Obwohl nicht genau geklärt sei, was am 24. März geschehen sei, konstruiere die Anklage einen Tathergang, der ihren Antrag auf vorsätzlichen Raubmord stütze.

Tatsächlich aber liessen die vorliegenden Fakten nicht auf eine vorsätzliche Tat schliessen. Wer eine solche plane, würde kaum mit einem grossen Küchenmesser am Tatort erscheinen, wo er von den Gästen des Restaurants, auch zusammen mit dem Opfer, gesehen würde.

Auch hätte er die mitgenommene Beute kaum so nachlässig in seiner Garage liegen lassen. Der Verteidiger wies auch auf die angeschlagene Gesundheit durch Alkohol und Medikamente sowie auf die seelische Belastung durch Arbeitslosigkeit und Scheitern der Ehe hin.

Der Verteidiger plädierte auf Totschlag im Affekt. Zur Beute meinte er, man müsse von einem Diebstahl ausgehen. In Sachen häuslicher Gewalt verlangte er einen Freispruch. Die Ex-Frau sei nicht das «Unschuldslamm», als das sie hingestellt werde. Die Provokationen in der Ehe seien von beiden Seiten ausgegangen.

Für den Fall der Verurteilung wegen Totschlag sprach sich der Verteidiger für eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren aus. Sollte das Gericht zum Schluss kommen, dass es um eine vorsätzliche Tötung gehe, sei sein Mandant zu acht Jahren zu verurteilen.

Replik der Anwältin der Ex-Frau

Die Anwältin der Ex-Frau des Täters wehrte sich in ihrer Replik gegen die Darstellung der häuslichen Gewalt durch den Verteidiger. Der Mann - er hatte die Frau unter anderem mit dem Tod bedroht - habe nur schon die Anwesenheit der Frau als Provokation aufgefasst. Und es könne ja wohl nicht sein, dass sich eine Frau nicht gegen die Tätlichkeiten ihres Mannes zur Wehr setzen dürfe.

Das Landgericht Uri wird das Urteil am 11. September bekannt geben. Beim jetzigen Prozess handelt es sich um den zweiten in diesem Fall. Der erste fand Ende September 2014 statt, wurde aber nach einer Stunde sistiert. Das Gericht gab dem Verteidiger Recht, dass ein zweites psychiatrisches Gutachten erstellt werden soll. Das erste attestierte dem Angeklagten Schuldfähigkeit, das zweite erkannte auf eine in leichtem Mass verminderte Schuldfähigkeit.

sda

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