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Er bringt afrikanisches Flair nach Uri

Vikar Hermann Ngoma Mbuinga verstärkt das Schattdorfer Seelsorgeteam. Er blickt auf eine bewegte Jugendzeit zurück.
Markus Zwyssig
Vikar Hermann Ngoma Mbuinga vor der Schattdorfer Pfarrkirche, seinem neuen Wirkungsort. (Bild: Markus Zwyssig, Schattdorf, 4. November 2019)

Vikar Hermann Ngoma Mbuinga vor der Schattdorfer Pfarrkirche, seinem neuen Wirkungsort. (Bild: Markus Zwyssig, Schattdorf, 4. November 2019)

Mit einem herzhaften «Grüss Gott» heisst er die Leute willkommen. Hermann Ngoma Mbuinga hat sich in der kurzen Zeit, die er in Schattdorf arbeitet, schon gut in der Pfarrei eingelebt. «Meine dunkle Hautfarbe ist hier kein Problem», sagt der 27-jährige Vikar aus Afrika. Seit Anfang September wirkt er im Kanton Uri. «Die Menschen sind sehr nett und grüssen mich freundlich auf der Strasse», freut er sich. Das hängt wohl auch mit seiner offenen und zuvorkommenden Art zusammen, die der junge Priester an den Tag legt.

Aufgewachsen ist Ngoma Mbuinga in einer christlichen Familie in der Demokratischen Republik Kongo. Er ist der älteste Sohn in der Familie. Die Schwester hat ein Jura-Studium erfolgreich absolviert, der jüngere Bruder schliesst nächstes Jahr sein Wirtschaftsstudium ab. Der Vater ist Wirtschaftsexperte und die Mutter Juristin. «Meine Mutter hat mir den Weg zur Kirche gezeigt», sagt er. Jeden Tag habe er gemeinsam mit ihr das Gotteshaus besucht. Irgendwann sagte er zur Mutter: «Ich will auch so werden wie der Mann da vorne.»

Während die Mutter den Wunsch des jungen Hermann hörte, wäre es dem Vater lieber gewesen, wenn sein Sohn Karriere gemacht hätte. Doch schliesslich willigte auch er ein. Denn das kleine Priesterseminar hat einen sehr guten Ruf als Ausbildungsstätte. Nach den sechs Jahren würden ihm immer noch viele berufliche Möglichkeiten offen stehen, gab sich der Vater überzeugt.

Er war schon früh auf sich selbst gestellt

Im Alter von erst 11 Jahren ist Ngoma Buinga ins Internat eingetreten. Das war gar nicht so einfach – vor allem zu Beginn. Das Priesterseminar liegt weit weg und abgelegen in einem Wald. Die Zeiten, in denen er zur Familie nach Hause durfte, waren klar geregelt: Nach Weihnachten und nach Ostern waren es je zwei Wochen, zudem war von Anfang Juli bis Mitte September schulfrei. Auch die Möglichkeiten für Besuche in der Schule waren sehr eingeschränkt. Zudem durften die Eltern ihren Sohn am ersten Sonntag im Monat besuchen.

Entstanden ist das kleine Priesterseminar zur Zeit der Evangelisation um 1920 in Kongo. Die Ausbildungsstätte ist alt und sanierungsbedürftig. Das Leben im Internat war sehr einfach und bescheiden. Gekocht wurde auf dem Feuer. Die Jugendlichen mussten das dazu benötigte Holz im Wald selber sammeln.

Priester kann in Kongo mehr bewegen als ein Politiker

Als er das Priesterseminar abgeschlossen hatte, überlegte sich Ngoma Mbuinga, in die Politik einzusteigen. Er wollte ankämpfen gegen die Ungerechtigkeiten in Kongo. «Ich wollte etwas tun gegen das Elend im Land.» Das war aber alles andere als einfach und auch sehr gefährlich. «Wer bei uns gegen die Regierung ist, hat es sehr schwer. Viele Menschen kommen ums Leben.» Da flammte in ihm die Überzeugung auf, dass er als Priester mehr bewegen könne als in der Politik. «In der Seelsorge kann ich für die Menschen da sein», so Ngoma Mbuinga.

Es zog ihn nach Deutschland. In Frankfurt am Main wollte er in den Jesuiten-Orden eintreten. Die erste Zeit in Europa war schwierig. «Die neue Sprache, das Essen und die Kultur – all das war neu und es fiel mir zuerst nicht so einfach, mich daran zu gewöhnen», blickt Ngoma Mbuinga zurück. Er lernte Deutsch und mit der Zeit gelang es ihm immer besser, sich zu integrieren. Da vernahm er den Ruf zum Priester. Er fragte seinen Onkel um Rat, der schon lange in Zürich lebt. So fand er den Weg ans Priesterseminar nach Chur. Dort absolvierte er den Master-Studiengang. Nach seinem Abschluss war er ein Jahr lang in Wien als Diakon tätig. Am 6. April dieses Jahres wurde er in der Kirche St.Martin in Schwyz zum Priester geweiht. Anschliessend war er in Heiligenkreuz, Österreich, tätig.

Inzwischen arbeitet er nun seit zwei Monaten in Schattdorf. Zu den seelsorgerischen Tätigkeiten von Vikar Ngoma Mbuinga in der Gemeinde gehört auch der Religionsunterricht. Die Arbeit mit den Schülern der 4. Primarklasse gefällt ihm sehr gut. «Die Kinder machen gut mit und sind sehr herzlich. Der Unterricht erfüllt mich sehr».

Und wie steht es mit der Verständigung? «Wenn die Menschen Hochdeutsch sprechen, dann habe ich keine Probleme», sagt er. «Rund 60 Prozent verstehe ich sicher.» Er ist froh um die Rücksichtnahme der Menschen. Denn das urchige «Ürnertyytsch» ist für ihn doch nach wie vor schwer zu verstehen.

Volle Kirchen in Afrika, leere Gotteshäuser in Europa

Das Leben in der Schweiz ist ganz anders als in Afrika. In seiner Heimat in Kongo sind die Kirchen voll. «Die Leute singen und tanzen», sagt Ngoma Mbuinga. Oft sind die Menschen für ihren Kirchenbesuch zwei bis drei Stunden zu Fuss unterwegs. Zur Zeit der Messe bleibt kaum jemand zu Hause. Und es ist bei weitem nicht so hektisch wie in der Schweiz, in Afrika hat man noch Zeit. Bei einem Besuch im August habe er 8 Minuten gepredigt und dabei ein paar Mal auf die Uhr geschaut. Da musste er schnell erfahren: «Die Menschen bei mir zu Hause waren nicht glücklich über die kurze Predigt.» Anders sieht es in der Schweiz aus. Hier heisse der Grundsatz:

«Du darfst über alles predigen nur nicht über 10 Minuten.»

In Kongo gehe es politisch chaotisch zu und her, so Hermann. Korruption gehöre zur Tagesordnung. «Eine volle Kirche bedeutet nicht, dass die Menschen Gottes Wort auch tatsächlich in ihren Alltag umsetzen», gibt Ngoma Mbuinga zu bedenken.

In der Schweiz und in den Nachbarländern seien die Kirchen meist leer. Ngoma Mbuinga sagt aber:

«Trotzdem spüre ich hier aber wahre Nächstenliebe, Würde und Respekt.»

Die Menschen in Europa würden die christlichen Werte besser verstehen und umsetzen als in Afrika, gibt er sich überzeugt.

Hilfe aus der Schweiz für neue Krankenstation

Nogma Mbuinga ist dabei, beim Aufbau einer Krankenstation in Kongo mitzuhelfen. Für sein Projekt kann er auf finanzielle Hilfe aus der Schweiz zählen. In seinem Heimatland stösst er hingegen auf wenig Gegenliebe. «Viele Menschen in Kongo, die das Projekt eigentlich finanziell unterstützen könnten, stecken das Geld lieber in ihre eigene Tasche.»

In der Pfarrei Schattdorf ist man froh, dass die seelsorgerische Tätigkeit durch Vikar Ngoma Mbuinga verstärkt wird. Seelsorger zu finden ist auch in Uri immer schwieriger geworden.



Personalsuche wird künftig zur
«ganz grossen Herausforderung»

Der Beruf des Pfarrers erfreut sich heute nicht mehr derselben Beliebtheit wie einst. Nicht nur in Schattdorf setzt man daher auf die Unterstützung eines Priesters aus dem Ausland. In der römisch-katholischen Kirchgemeinde in Spiringen besteht derzeit eine Übergangslösung, die durch den aus Indien stammenden Father Sijoy Mathew sichergestellt wird. Seit vergangenem Monat nimmt er die priesterlichen Aufgaben in der Schächentaler Gemeinde wahr. Dies tut er befristet auf neun Monate, bis im Juni des kommenden Jahres.
Father Sijoy Mathew zu finden hat letztlich über ein Jahr gedauert, sagt Mirjam Regli, Präsidentin des Spirgner Kirchenrats. «Eine solche Suche gestaltet sich schwierig. Geeignete Kandidaten sind heute sehr dünn gesät.»

Beim Finden eines neuen Pfarrers konnte die Kirchgemeinde Spiringen auf die Unterstützung des Generalvikariats Urschweiz setzen. Pfarrer Mathew erfuhr über dieses von der freien Stelle im Schächental. Wer seine Position im kommenden Juni übernehmen wird, sei derzeit noch offen. «Die Fühler sind aber auf alle Fälle auf Empfang gestellt.»

Gesamthaft betrachtet herrsche im Kanton Uri derzeit aber noch keine dramatische Situation. «Im Moment finden wir noch einigermassen genug Personal», sagt der Urner Dekan Daniel Krieg. Jedoch sei es schon so, dass die Theologiestudenten weniger würden und die Zahl der Priesterratskandidaten rückläufig sei. «Es ist heute sicher schwieriger geworden, Lücken mit geeigneten Personen zu füllen.» Verglichen mit der Zeit vor rund 50 Jahren seien die Weihenzahlen «massiv zurückgegangen».

Auch wenn die Situation in Uri im Moment noch weniger problematisch sei als beispielsweise in anderen Bistümern oder dem Ausland, werde das Finden von Nachwuchs künftig eine «ganz grosse Herausforderung» sein, so Krieg. (lur)

Der Priester aus Afrika freut sich über die gute Zusammenarbeit in der Pfarrei Schattdorf – und das zeigt Hermann Ngoma Mbuinga auch. Den Besuchern drückt er beim Abschied nicht nur die Hände, sondern wünscht ihnen «Gottes Segen».

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