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SCHATTDORF: Trendsportart erhält eigenes Lehrmittel

Lehrpersonen haben seit kurzem die Möglichkeit, im Sportunterricht mit den Schülern zu bouldern. Das Lehrmittel wurde in der «Granit Indoor»-Halle vorgestellt.
Paul Gwerder
Elena Walker und Gianin Regli demonstrieren unter Aufsicht von Samuel Walker, wie das Bouldern funktioniert. (Bild Paul Gwerder)

Elena Walker und Gianin Regli demonstrieren unter Aufsicht von Samuel Walker, wie das Bouldern funktioniert. (Bild Paul Gwerder)

Paul Gwerder

Stolz hielt Samuel Walker am Mittwochabend die neue Broschüre in der Hand. «School goes vertical» steht auf dem Lehrmittel. Und dieser Name ist Programm: Dank der neuen Anleitung, mit der Schülern das Klettern ohne Seil nähergebracht werden soll, kann künftig senkrecht statt waagrecht unterrichtet werden.

Entwickelt wurde das neue Lehrmittel von den beiden jungen Urner Lehrpersonen Benjamin Furrer und Samuel Walker. Die beiden waren schon sehr früh als Kletterer in den Bergen unterwegs und entdeckten dabei auch das Bouldern. Entstanden ist das lehrreiche Buch im Zusammenhang mit der Bachelorarbeit ihres Studiums an der Pädagogischen Hochschule in Goldau. Gestaltet hat das Werk der Bruder von Samuel, Patrik Walker.

«Wir sind mehr die Praktiker»

«Wir wollten nicht, dass jetzt unsere Arbeit irgendwo in einem Keller verstaubt, sondern dieses Produkt für den Sportunterricht in der Schule zugänglich machen», betonte Benjamin Furrer. Man habe schliesslich die Arbeit in Angriff genommen, was nicht immer leichtgefallen sei, so Furrer. «Denn beim Schreiben waren wir weniger motiviert, da wir eher die Praktiker sind.» Speziell herausfordernd sei gewesen, alles, was man sich vorgestellt hatte, unter einen Hut zu bringen.

«Eine grosse Stütze für uns war Stefan Gisler vom Didaktischen Zentrum Uri, aber auch unser ehemaliger Sportdozent, Michel Steffan, half mit, unsere theoretische Arbeit in die Praxis umzusetzen», so die beiden Lehrer. Gleichzeitig bedankten sie sich auch bei zahlreichen Helfern sowie bei Eveline Lüond, pädagogische Mitarbeiterin der Bildungs- und Kulturdirektion. Das Didaktische Zentrum Uri hat das «Boulderlehrmittel» der beiden gebürtigen Erstfelder in den Lehrmittelkatalog integriert und den Urner Schulen zur Verfügung gestellt. «Es ist inhaltlich eine tolle Sache geworden, ist Lehrplan-21-tauglich, und ich freue mich, dass das Buch, das sehr schön gestaltet ist, jetzt da ist», sagte Stefan Gisler.

Eveline Lüond von der Bildungsdirektion doppelte nach: «Hier sieht man, dass aus Leidenschaft etwas Fantastisches herausgekommen ist.» Dank des Hilfsmittels würden die Lehrpersonen den Zugang zum Bouldern finden. «Ein lässiger und gut lernbarer Sport für Kinder», so Lüönd. «Nun liegt es an den Lehrpersonen, dass sie mit ihren Kindern in einer Turnstunde in die ‹Boulderhalle›» gehen und diesen Sport an Kletterwänden aktiv in ihren Sportunterricht miteinbeziehen.»

Vielfältig, ohne Grenzen

Das neu geschaffene Lehrmittel ist für alle Schulstufen, vom Kindergarten bis zur 3. Oberstufe, geeignet. Bouldern ist dabei nicht eine Vorstufe des Kletterns, sondern Klettern selber. Diese Sportart vermag durch ihre Leichtigkeit zu faszinieren. Das Bouldern besitzt keine Grenzen in Bewegungsvielfalt und Herausforderung. Es kann zu Recht als Königsdisziplin des Kletterns bezeichnet werden.

Mit dem vorliegenden Dokument soll ein stufenspezifischer Zugang für Schulen in diesen Sport geschaffen werden. Die Übungen, alle reichlich illustriert, sind in drei Schwierigkeitsgrade unterteilt: Anfänger, Fortgeschrittene und Experten. «Mit der Integration des Bouldersports in den Unterricht wird die Möglichkeit geschaffen, das Selbstwertgefühl und die Eigenverantwortung der Schüler zu festigen», heisst es im neuen Lehrmittel.

Eltern fürchten sich mehr als Kinder

Nach dem theoretischen Teil waren die Zuschauer gespannt darauf, wie das Lehrmittel in der Praxis aussieht. Dies wurde mit den beiden Schülern Elena Walker und Gianin Regli demonstriert. «Wahrscheinlich hätten einige Eltern Angst, dass ihren Kindern hier etwas passiert», sagte Samuel Walker. Doch er beschwichtigte: «Grundsätzlich kann da nichts schiefgehen, und ich stelle immer wieder fest, dass die Mütter und Väter mehr Angst haben als die Kinder.»

Beim Bouldern wird nur in Absprunghöhe geklettert. Am Boden fangen dicke Matten Stürze sanft auf. Jeder Route besitzt ihre Eigenheiten und verlangt von den Kletterern ein Höchstmass an Konzentration sowie Kreativität. «Nicht zuletzt ist die Suche nach Lösungen ein weiterer Aspekt der Faszination dieses Sports. Der Weg an die Spitze bildet das eigentliche Ziel», wie es im Lehrmittel heisst. Auch unerfahrene Lehrpersonen können hier fast nichts falsch machen. Die beiden Herausgeber bieten aber auch gerne ihre Hilfe an.

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