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SCHATTDORF: Urnerin mit Hang zu Fantasy-Literatur

Als Carmen Capiti schreibt Nina Egli (28) über mystische Gestalten. Sie hat sich dabei von der Urner Sagenwelt inspirieren lassen.
Florian Arnold
Nina Egli alias Carmen Capiti: «Es wird immer Leute geben, die Fantasy lesen.» (Bild Florian Arnold)

Nina Egli alias Carmen Capiti: «Es wird immer Leute geben, die Fantasy lesen.» (Bild Florian Arnold)

Florian Arnold

Eigentlich gehört die Weide Hohenmarch gar nicht den Einwohnern von Spirosgrund im Schachtal. Und weil sich auch ein Nachbardorf für den Flecken Land interessiert, soll ein Wettlauf die Situation klären. So macht sich denn der junge Oldarn auf den Weg, den schnellsten Läufer zu finden. Dabei begegnet er Geistern und gruseligen Gestalten.

Das Handlungsgerüst des mystischen Fantasy-Romans «Die Geister von Ure» erinnert stark an die Urner Sagenwelt. Und genau dort hat sich die Autorin Carmen Capiti inspirieren lassen. «Ds Greis vo Suränä», «Ds Toggäli», «Dr Hunt vo Üri», «D Tyyfelsbrigg» und natürlich «Dr Gränzläüf» sind alle in irgendeiner Form in die Romangeschichte verwoben und teilweise bis zur Unkenntlichkeit verändert worden. «Ich habe mir dabei viele Freiheiten genommen», sagt die Autorin. «Oft sind es nur kleine Details, die ich übernommen habe.»

Von Attohausen bis ins Schachtal

«Die Geister von Ure» spielt im 13. oder 14. Jahrhundert. Auf historische Richtigkeit erhebt Capiti aber keinen Anspruch. Genauso wenig müssen für sie die geografischen Gegebenheiten perfekt mit dem Kanton Uri übereinstimmen. So lassen die Ortschaften Attoshausen, Altenmatt oder Spirosgrund zwar erahnen, was damit gemeint sein könnte. «Doch ‹Ure› ist eben nicht gleich ‹Uri›», so die Autorin. Selbst der Name der Autorin ist nur eine Anlehnung an die Wirklichkeit: Carmen Capiti heisst im bürgerlichen Leben Nina Egli. Die 28-Jährige arbeitet in einem 80-Prozent Pensum als Informatikerin bei einer Informatik-Security-Firma. Das Pseudonym helfe ihr, Beruf und Hobby zu trennen. Doch es gibt auch einen technischen Grund: «Wenn man nach ‹Nina Egli› googelt, findet man nur sehr versteckt etwas über mich. Bei ‹Carmen Capiti› komme ich zuoberst.» Völlig frei erfunden ist der Name im Übrigen nicht: Bei Carmen handelt es sich um Nina Eglis zweiten Vornamen, und Capiti hiess ihre Mutter als ledige Frau. «Der Name Capiti ist vom Aussterben bedroht», weiss Egli. «Vielleicht kann ich ihn auf diese Weise noch etwas am Leben erhalten.»

Sie kämpft für den Status

Nina Egli ist in Schattdorf aufgewachsen. Ihren Hang zur Fantasy-Literatur hat sie schon im Kindesalter entwickelt. «Ich habe die Bibliothek leergelesen», erinnert sich die 28-Jährige. «Jede fiktive Geschichte hat etwas Unrealistisches an sich», so Egli. «Denn mit jedem Buch kann man vom Alltag abschalten.» Die Fantasy-Literatur aber lasse noch viel mehr Überraschungen zu als gewöhnliche Geschichten. Allerdings wird Fantasy oft als «Trivialliteratur» abgetan und in Autorenkreisen belächelt. «Das Genre ist aber nicht totzukriegen», glaubt Egli. «Es wird immer Leute geben, die Fantasy lesen.» Und so setzt sie sich denn auch ein für einen besseren Status ihrer Gilde. Vor einem Jahr hat sie den Verein Schweizer Phantastikautoren gegründet, den sie auch präsidiert.

Zu schreiben begann die Urnerin ebenfalls schon in jungen Jahren. Ideen für ihren ersten Roman entwickelte sie bereits im Alter von 12 Jahren. Es sollte aber weitere rund 12 Jahre gehen, ehe sie ihn fertig schrieb. Anschub gab dann die Ausschreibung eines deutschen Verlags. Eglis Manuskript schaffte es unter die besten zehn. Zum Sieg reichte es zwar nicht ganz, doch der Verlag entschied sich, ihre Geschichte «Das letzte Artefakt» als E-Book herauszugeben. Vom Schreiben kann die Urnerin aber nicht leben. Um genügend Zeit für ihr ambitiöses Hobby zu haben, arbeitet sie im erwähnten 80-Prozent-Pensum.

1600 Wörter pro Tag

Für die Grundfassung ihres nun zweiten Werks schlug sie aber ein wesentlich schnelleres Tempo an. Wieder war es eine Ausschreibung, die als Motor wirkte: 2013 nahm Egli teil am «National Novel Writing Month», einem weltweiten Aufruf für Autoren, während des Monats November eine Novelle zu schreiben, die 50 000 Wörter umfasst. Nina Egli packte das Fieber. «Ich bin jeden Tag eineinhalb Stunden früher aufgestanden, um vor der Arbeit zu schreiben», erinnert sie sich. Konsequent wuchs ihre Geschichte Tag für Tag um 1600 Wörter. Allerdings: Bis Ende Monat hatte sie auf diese Weise zwar keine abgeschlossene Geschichte beisammen, aber einen wesentlichen Teil ihres Romans. Eine erste Gesamtversion legte sie ihren Testlesern dann im Februar 2014 vor. Dann liess sie das Projekt für eine Weile ruhen, ehe sie es im vergangenen Frühling wieder aufnahm.

Nun liegt das Buch, das sie auf eigene Kosten produziert hat, gedruckt und auch als E-Book vor. «Es ist ein sehr grosses Gefühl, ein eigenes Buch in den Händen halten zu dürfen», beschreibt die junge Autorin. Und dieses Gefühl könnte sich in Zukunft noch verstärken: Bereits im Juni soll ein weiteres E-Book erscheinen. Darin geht es um die Welt im Jahr 2060 – fernab des Kantons Uri.

HINWEIS

Das Buch «Die Geister von Ure» ist erhältlich bei Bido, Altdorf. Weitere Infos zur Urner Autorin und zu deren Werken unter www.carmencapiti.ch und www.phantastikautoren.ch

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