SCHATTDORF/BASEL: Seine Kunst setzt sich mit dem Glauben auseinander

Reto Scheiber wird mit einem nationalen Preis als Ausstellungsinitiator geehrt.

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Der Urner Künstler Reto Scheiber. (Bild: Foto: PD)

Der Urner Künstler Reto Scheiber. (Bild: Foto: PD)

Zuerst war ein leerer Raum mit hohen weissen Wänden. Reto Scheiber brachte das auf die Idee, eine Kunstausstellung ins Leben zu rufen. Der 45-jährige Schattdorfer stiess auf offene Ohren und konnte den freien Raum in Altdorf zu einem günstigen Preis von einer Freikirche mieten.

Die Ausstellung 2010 wurde vom Kanton Uri, von der Otto-Gamma-Stiftung sowie von der Dätwyler-Stiftung unterstützt und war ein Erfolg. Inzwischen fanden mit unterschiedlichen Künstlern Ausstellungen in Altdorf, Basel, Winterthur und Luzern statt. Der Einsatz hat sich gelohnt. Am Freitag wurde Reto Scheiber als Initiator der Ausstellungsreihe mit dem Förderpreis Prix Plus 2017 geehrt. Die Verleihung fand im Rahmen der Nacht des Glaubens auf dem Münsterplatz in Basel statt. «Der Preis ist eine wichtige Anerkennung für mich», sagt Scheiber. «Er motiviert mich, weiterzumachen.»

Gnade wird zum Thema in der Kunst

Die im Sommer 2016 in der Matthäuskirche in Luzern gezeigten Arbeiten des Künstlerprojekts «Contact 4th» stellten die Gnade ins Zentrum. Scheiber beschäftigt sich intensiv mit dem Glauben. Er macht dies jedoch auf zeitgemässe Art und ohne jegliche Scheuklappen.

Die Künstler brachten das Thema Gnade auf unterschiedliche Art zum Ausdruck. Um den direkten Draht nach oben ging es beispielsweise Anita Sieber. Im Zentrum des Kirchenraums baumelte an einer langen Schnur ein roter Telefonhörer von der Kirchendecke. Bei Micha Areggers Arbeit bot eine Säule einer grünen Ranke Halt und ermöglichte ihr, nach oben über sich hinauszuwachsen. Constantin und Valentin Beck schufen einen Taubenschlag, der ins Kircheninnere führte. Die Tiere sind ein Symbol für den Frieden, in der Stadt aber ein Störfaktor. Reto Scheiber hat für seine Arbeit «Omega» zwei Sitzbänke auseinandergenommen. Mit den Holzstücken hat er Worte wie «Victim» (Opfer) oder «Faith» (Glaube) geschrieben.

Reto Scheiber will zum Nachdenken anregen, aber nicht missionieren. Einen Master-­Titel in Kunst hat er bereits. In zwei Wochen kommt der Abschluss seiner Ausbildung als ­Innenarchitekt hinzu. (MZ)