Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Schattdorfer Hausarzt setzt sich ein für Gemeinschaftspraxis

Die Schattdorfer entscheiden über ein fremdfinanziertes Darlehen für eine neue Gemeinschaftspraxis. Hausarzt Urs Britschgi sagt, was geplant ist und welche Vorteile das fürs Dorf bringt.
Markus Zwyssig
Zurzeit befindet sich die Praxis von Urs Britschgi noch an der Adlergartenstrasse in Schattdorf. (Bild: Markus Zwyssig, 9. Mai 2019)

Zurzeit befindet sich die Praxis von Urs Britschgi noch an der Adlergartenstrasse in Schattdorf. (Bild: Markus Zwyssig, 9. Mai 2019)

Urs Britschgi findet es wichtig, dass in Schattdorf auch in Zukunft Hausärzte tätig sind und die medizinische Grundversorgung vor Ort sicherstellen. «Wenn wir nichts unternehmen, könnte die Zentralisierung auch im medizinischen Bereich immer weiter gehen, sodass plötzlich alles nur noch in Altdorf angeboten wird», befürchtet der Hausarzt. «Insbesondere für ältere Menschen ist eine ärztliche Versorgung an ihrem Wohnort wichtig, aber auch aus ökologischen Gründen macht das Sinn.»

Daher will der 61-Jährige im untersten Stock des geplanten neuen Mehrfamilienhauses an der Dorfstrasse 6 in Schattdorf eine Gemeinschaftspraxis realisieren. Britschgi rechnet damit, dass sich vier Ärzte gesamthaft rund 300 Stellenprozente teilen. Die Praxis soll alle Belange der Hausarztmedizin wie Notfallbehandlungen, Hausbesuche oder Heimbetreuung abdecken. Noch aber braucht es die Zustimmung der Stimmbürger: Am 19. Mai entscheiden die Schattdorfer über ein fremdfinanziertes Darlehen von 1,4 Millionen Franken zu jährlichen Zinskosten von zirka 6000 Franken.

Hausarzt muss Bevölkerung den Puls fühlen

Britschgi findet es gut, dass der Kanton Medizinstudenten und Assistenzärzte ermuntert, im Kanton Uri zu praktizieren. So sollen im Rahmen des Projekts «Gesundheitsnetzwerk Uri» Massnahmen zur Förderung und Erhaltung der medizinischen Grundversorgung durch Hausärzte entwickelt und umgesetzt werden. Für die Arbeit als Hausarzt kämen in unserem Kanton in erster Linie Urner oder Menschen, die sich hier niederlassen wollen, in Frage, ist Britschgi überzeugt. «Es ist ein riesengrosser Vorteil, wenn der Hausarzt die Dorfbewohner und ihre Anliegen kennt.» Ein Hausarzt könne dadurch besser erkennen, was die Leute beschäftigt und allenfalls stresst, erklärt er. In Schattdorf beispielsweise sei zurzeit die neue West-Ost-Verbindung mit den geplanten flankierenden Massnahmen ein grosses Thema (siehe Bericht über die Gemeindeversammlung vom Mittwoch). Als Hausarzt sei es wichtig, auch einmal an einem Sommernachtsfest oder an der Fasnacht dabei zu sein. «So lernt man die Mentalität der Bevölkerung am besten kennen.» Aus eigener Erfahrung weiss er, dass die Urner erst zum Arzt gehen, wenn es nötig ist. «Wenn jemand in der Nacht um 2 Uhr anruft, ist es wirklich dringend.» Ein Hausarzt habe eine Schlüsselposition und geniesse das Vertrauen der Patienten. «Die Menschen lügen einen nicht an, aber sie erzählen auch nicht immer alles», weiss Britschgi. Daher sei es Aufgabe des Hausarzts, gezielt nachzufragen.

Hilfreich sei es zudem, wenn der Hausarzt das Umfeld eines Patienten kennt. Bei einer jungen Mutter, die zwei lebhafte Teenager habe, könne die herausfordernde Situation in der Familie möglicherweise der Grund für das Entstehen einer Migräne sein, sagt er. Britschgi hilft am Kantonsspital Uri in Altdorf mit, Assistenzärzte auszubilden. Die jungen Mediziner arbeiten dabei ein halbes Jahr in einer Hausarztpraxis, so auch bei Britschgi. Daher weiss er, dass junge Ärzte lieber im Team arbeiten. Die Frauen stellen sich zudem auf Teilzeitarbeit ein. «Für junge Ärzte ist es einfacher, in einer Gemeinschaftspraxis einzusteigen, als alleine etwas aufzubauen.»

Eine Gemeinschaftspraxis käme aber auch Britschgi entgegen. So wäre es ihm möglich, sich in den kommenden Jahren schrittweise pensionieren zu lassen. «Ich könnte mir aber auch vorstellen, nach dem Erreichen der Pensionsalters mit einem kleinen Pensum weiter zu arbeiten, immer vorausgesetzt, dass dies meine Gesundheit zulässt.»

Nicht nur eine Praxis, ein Gesundheitszentrum

Neben der Gemeinschaftspraxis sollen auf dem gesamten untersten Stockwerk des neuen Gebäudes zudem Physiotherapie, Fusspflege und Ernährungsberatung angeboten werden. Dadurch würde ein eigentliches Gesundheitszentrum entstehen. «Die verschiedenen Anbieter könnten dabei auch von der Gemeinschaftspraxis profitieren», gibt sich Britschgi überzeugt. «Die Terminplanung oder administrative Aufgaben könnten wir zentral übernehmen.» Das Grossprojekt an der Dorfstrasse 6 stösst auf Interesse. So hat ein Artikel in der Zeitung (siehe Ausgabe vom 27. April) bereits Reaktionen ausgelöst. «Es haben sich bei mir Interessenten gemeldet, die gerne beim Projekt mitmachen möchten», verrät Britschgi.

Stimmen die Schattdorfer an der Urne dem Vorhaben zu, soll im Herbst die Baueingabe erfolgen. Anfang 2020 könnte mit dem Bau begonnen werden. 2021 würde dann der Zügeltermin anstehen. Die Praxis von Hausarzt Urs Britschgi an der Adlergartenstrasse würde dann geschlossen.

Die Schattdorfer befinden am 19. Mai über ein fremdfinanziertes Darlehen von 1,4 Millionen Franken zu jährlichen Zinskosten von rund 6000 Franken. Dies soll es Hausarzt Urs Britschgi ermöglichen, im neuen Mehrfamilienhaus an der Dorfstrasse 6 eine Gemeinschaftspraxis zu realisieren.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.