«SCHATTIG-CHATZÄMÜÜSIG»: Erstfelder hämmern auf Fässer

Ohne Gehörpfropfen ist es fast nicht zum Aushalten: Die «Schattig-Chatzämüüsig» macht einen Höllenkrach. Doch die Pausen scheinen genauso wichtig zu sein.

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Mit Holzhämmern werden an der «Schattig-Chatzämüüsig» die grossen Fässer traktiert. (Bild Urs Hanhart/Neue UZ)

Mit Holzhämmern werden an der «Schattig-Chatzämüüsig» die grossen Fässer traktiert. (Bild Urs Hanhart/Neue UZ)

Mittwochabend kurz nach 8 Uhr: Von der westlichen Talseite – vom Schattig – ist ein höllischer Krach zu hören. Auf der Flüe am Eingang zum Erstfeldertal haben sich rund zwanzig Personen mitten auf der Strasse besammelt. Mit Holzhämmern trommeln sie auf alten Ölfässern den «Chatzämüüsig»-Marsch. Der Dirigent gibt mit Schlägen auf einen alten Eisenbahnpuffer den Takt an. Ein Eisentank mimt die einzige Pauke. Bläser gibt es keine. Ohne Gehörpfropfen ist es unmittelbar neben den Musikanten kaum auszuhalten.

Nach rund einer Viertelstunde ist bereits wieder Schluss – zumindest fürs Erste. «Die Musikanten müssen sich stärken», sagt Organisator Joe Zgraggen. In einer privaten Werkstatt verköstigt er mit seiner Frau Anneliese und Mitorganisator Pius Estermann die Fasnächtler mit Getränken und Kuchen.

Zwei Gruppen pflegen Brauch
Die so genannte «Schattig-Chatzämüüsig» gibt es seit den Dreissigerjahren. Entstanden ist sie aus Not. Einige Jugendliche von der linken Talseite hatten kein Geld für Instrumente, wollten aber trotzdem eine «Chatzämüüsig» organisieren. Dieser Anlass ist eine Tradition geworden. Seit den Achtzigerjahren gibt es sogar zwei lose Gruppierungen, welche diesen Brauch aufrecht erhalten. Bei der Älteren, die unweit der Flüe im Bruchen spielen, sind nur Männer zugelassen. Auf der Flüe hingegen sind auch Frauen willkommen.

Früher war die «Schattig-Chatzämüüsig» jenen vorenthalten, die westlich der Reuss wohnen. «Viele glauben, dass dies immer noch so ist», sagt Luzia Zgraggen. «Bevor mich nicht aktive «Schattig-Chatzämüüsiger» angefragt haben, habe ich mich nie hierher gewagt.»

Terminkonflikten weicht man aus
Die lose Gruppierung auf der Flüe trifft sich dreimal vor der offiziellen Fasnacht zum «Petschgä». «Wir wollen keine Terminkonflikte mit der Katzenmusikgesellschaft», sagt Joe Zgraggen. Denn viele «Schattig-Chatzämüüsiger» nehmen auch an der Dorffasnacht teil.

Mit Verlusten ist zu rechnen
Nach rund 20 Minuten Stärkungspause besammeln sich die Musikanten wieder draussen zum Weiterspielen. Während die älteren Fasnächtler die Sache gemächlich angehen, schlagen einige Jugendliche mit voller Wucht auf das Blech ein, so dass bereits nach kurzer Zeit, das erste Fass ein grosses Loch aufweist. «Mit Verlusten muss man rechnen», kommentieren sie den verursachten Schaden. Das defekte Fass wird nicht das einzige bleiben: «Ende Fasnacht können wir viele Fässer wegwerfen», so Joe Zgraggen. «Im kommenden Herbst beginnen wir wieder, neue zu sammeln. Leider sind sie in den vergangenen Jahren rar geworden.» 

Elias Bricker