Auf dem Haldi gibt es eine schattige Idylle und besonderes Wasser

Für die Reihe «Mein Lieblingsplatz» hat UZ-Redaktor Markus Zwyssig einen Ausflugsort seiner Kindheit neu entdeckt.

Markus Zwyssig
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Das lauschige Plätzchen bei den Süessbergen lädt dazu ein, den Alltag zu vergessen. Bild: Florian Arnold (Haldi, 16. Juli 2019)

Das lauschige Plätzchen bei den Süessbergen lädt dazu ein, den Alltag zu vergessen. Bild: Florian Arnold (Haldi, 16. Juli 2019)

Der Ausflug aufs Haldi und in die Süessberge drängte sich damals im Kindesalter für mich fast auf. Weil ich unmittelbar neben der Talstation der Luftseilbahn von Schattdorf aufs Haldi aufgewachsen bin, war die Fahrt auf die Sonnenterrasse für unsere Familie eigentlich ein Muss. Warum denn in die Ferne schweifen, wenn das Gute sprichwörtlich vor der Haustüre liegt?

Mit der Seilbahn auf dem Haldi angekommen, schnallten wir uns den Rucksack um und zogen die Schnürsenkel an den Wanderschuhen nochmals fest an. Dann ging es auf einen rund dreiviertelstündigen Fussmarsch, vorbei an der Haldikapelle und dann weiter bis zu den Süessbergen. Dort am Wasser und bei den vielen Bäumen und grossen Steinen konnten wir stundenlang verweilen und als Kinder die tollsten Abenteuer erleben. Der Fantasie waren fast keine Grenzen gesetzt und mit bescheidenen Mitteln tauchten wir in andere Welten ein, fühlten uns als Entdecker oder Indianer.

Bei der Kneippanlage in den Süessbergen sind die verschiedenen Möglichkeiten wie das Wassertreten detailliert beschrieben. (Bild: Florian Arnold, 16. Juli 2019)

Bei der Kneippanlage in den Süessbergen sind die verschiedenen Möglichkeiten wie das Wassertreten detailliert beschrieben. (Bild: Florian Arnold, 16. Juli 2019)

Heute sieht vieles anders aus. Träumereien haben im Berufsalltag keinen Platz. Die Zeit ist knapp bemessen. So sind wir denn für diese Reportage auch mit dem Auto aufs Haldi gefahren, selbstverständlich mit einer Bewilligung, die auch für Journalisten, die Werbung für den Ausflugsort machen, 40 Franken beträgt. Schliesslich verfolgt die Gemeinde eine restriktive Politik: Die Seilbahn von Schattdorf aufs Haldi soll die Hauptverbindung bleiben. Die Wald- und Güterstrasse über Platti und Lusserstein ist nur Bewohnern, Ferienhausbesitzern, Arbeitern oder den Blaulichtorganisationen gedacht.

Haldi-Freunde setzen sich 
für den Platz ein

Über all die Jahre haben die Süessberge bei Jung und Alt nichts an Beliebtheit eingebüsst. Bei unserem Besuch treffen wir zuerst auf eine Gruppe Senioren. Wenig später kommen Familien mit ihren Kindern. Hans Müller, Präsident der Haldi-Freunde, sagt erfreut:

«Die Süessberge sind ein ganz schöner Fleck und ziehen viele Leute an.»

Auch viele Schulreisen vor allem der unteren Primarklassen und der Kindergarten-Stufe führen aufs Haldi und haben zum Picknicken und Spielen die Süessberge als Ziel. In den vergangenen Jahren wurde Einiges investiert und kräftig Hand angelegt. So hat die FDP Schattdorf in Zusammenarbeit mit dem Verein Haldi-Freunde einen Spiel- und Picknickplatz erstellt und 2006 der Bevölkerung übergeben. «Daher geben wir uns auch Mühe, den Platz gut zu unterhalten», so Müller. Das Land gehört Wisi und Gabi Arnold, welche dafür besorgt sind, dass die öffentlich zugänglichen Anlagen stets sauber sind.

Die Lage am Bach ist idyllisch und dank den vielen Bäumen auch an Sommertagen nicht all zu heiss. Die Besucher können an Bänken und Tischen verweilen. Für die Kinder stehen verschiedene Spielgeräte zur Verfügung. Fürs Grillieren gibt es genügend Möglichkeiten und es steht ausreichend Holz bereit.

Die aus Baumstämmen gefertigten Liegestühle laden zum Verweilen ein. (Bild: Florian Arnold, 16. Juli 2019)

Die aus Baumstämmen gefertigten Liegestühle laden zum Verweilen ein. (Bild: Florian Arnold, 16. Juli 2019)

Unmittelbar beim Spiel- und Picknickplatz gibt es eine Kneipp-Anlage. Das klare und kühle Wasser des Süessbergbachs eignet sich ideal fürs Wassertreten oder für ein Armbad. Die Anlagen inklusive ausführlicher Beschreibung, wie man diese benützt, sind dank einer Maturarbeit von Petra von Rotz und Sandra Studhalter vor 12 Jahren entstanden. Um sich anschliessend zu erholen, gibt es aus Baumstämmen gefertigte Liegestühle. Diese bilden zwar auf den ersten Blick eine etwas harte Unterlage. Bei einem Selbsttest zeigt sich aber, dass man auf ihnen weit angenehmer als erwartet ausruhen kann.

Ein Armbad in der Kneippanlage in den Süessbergen ist erfrischend. (Bild: Florian Arnold, 16. Juli 2019)

Ein Armbad in der Kneippanlage in den Süessbergen ist erfrischend. (Bild: Florian Arnold, 16. Juli 2019)

Das Elektro-Festival macht 
diesen Sommer Pause

Auch die Liebhaber elektronischer Musik haben die Süessberge für sich entdeckt. «Auf 1250 Metern über Meer in einem kleinen Tal umgeben von Wald, Bergen und Wiesen, in dieser Idylle fast wie aus einem Heimatfilm, findet das Sweet Mountain Festival statt», heisst es auf der Homepage des Zentralschweizer Labels 12 o’clock, das die Veranstaltung zweimal organisiert hat. Rund 40 Acts aus dem Kanton Uri und der gesamten Schweiz waren zu hören. «Bereits beim ersten Mal war das Festival ausverkauft», sagt Mitorganisator Sandro Zgraggen. «Rund 500 Personen kamen trotz Regen an unser Festival.» Im vergangenen Jahr dauerte das Festival einen Tag länger und es kamen insgesamt zirka 600 Personen. Dieses Jahr jedoch macht das Sweet Mountain Festival vorerst einmal eine Pause.

Keine Musik, nur das Rauschen des Wassers ist beim Billentrog zu hören. Diesen habe ich allerdings noch nicht im Kindesalter, sondern erst später für mich entdeckt. Von den Süessbergen führt der gut ausgeschilderte Weg rund 20 Minuten über Stock und Stein. Wanderschuhe sind dabei empfehlenswert. Vor allem an regnerischen Tagen kann der Weg über Wurzeln und Steine tückisch sein und zur Rutschpartie werden.

Quellfrisches Wasser aus dem Billentrog auf dem Haldi ist eine Wohltat. (Bild: Florian Arnold, 16. Juli 2019)

Quellfrisches Wasser aus dem Billentrog auf dem Haldi ist eine Wohltat. (Bild: Florian Arnold, 16. Juli 2019)

Entschädigt wird man dann beim Billentrog mit erfrischendem Quellwasser. Diesem wird sogar eine heilende Kraft zugeschrieben, und auch den Ort selber hat die verstorbene Schweizer Geobiologin Blanche Merz als «Ort der Kraft» bezeichnet. Vor 15 Jahren erhielten mit den beiden Büchern «Orte der Kraft in der Schweiz» und «Die Seele des Ortes» viele Landschaftsteile, Orte und Einrichtungen in der Schweiz eine messbare Berühmtheit. Darunter befand sich auch das bis dahin nur wenigen einheimischen Haldi-Bewohnern bekannte Gebiet Billen mit dem Billentrog. Das Quellwasser, das eine ehemalige Viehtränke speist, ist ein besonderes – wegen der sehr hohen Bovis-Werte des Orts. Bovis ist eine Messgrösse für die Ausstrahlung von Menschen und Plätzen, die jedoch nur von erfahrenen Radiästheten, Rutengängern oder Pendlern festgestellt werden kann.

Die heilende Kraft des Wassers aus dem Billentrog mag letztlich eine Glaubensfrage sein. Eines aber ist gewiss, das Rauschen des Bachs beruhigt und das glasklare und kühle Wasser verleiht dem müden Wanderer neue Energie.