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SCHIESSEN: Regionale Anlage ist vom Tisch

Die Gegner einer regionalen Schiessanlage in Erstfeld atmen auf: Das Projekt wird nicht weiterverfolgt. Schuld daran sind in erster Linie die Schützen selber.
Bruno Arnold
Eine Pistolenschützin drückt ab. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ (Archiv))

Eine Pistolenschützin drückt ab. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ (Archiv))

Mehrere Urner Schützengesellschaften sind bereits von der Bildfläche verschwunden, andere kämpfen seit Jahren ums Überleben. Einerseits fehlt der Nachwuchs, anderseits stehen in diversen Gemeinden hohe Investitionen an. Wollen die Vereine Förderbeiträge von Bund und Kanton auslösen, müssen sie ihre Anlagen bis Ende 2020 den neusten umweltrechtlichen Vorgaben anpassen. Aber nicht überall ist man bereit, die notwendigen Investitionen im zum Teil fünfstelligen Frankenbereich zu tätigen. Handlungsbedarf besteht vor allem im Bereich der Kugelfänge und der elektronischen Trefferanzeigen.

Erstfeld als idealer Standort

«Aus Sicht des Verbands macht es nicht Sinn, dass eine Sektion eine halbe Million oder mehr investiert und in zwei Jahren den Stand wegen fehlender Mitglieder trotzdem schliessen muss», sagte der Präsident des Kantonalschützenverbands Uri (KSVU), Christian Simmen, Schattdorf, im April 2014 in einem Interview mit unserer Zeitung. «Wir wollen die Investitionen bündeln und eine Anlage bauen, die sämtlichen Anforderungen entspricht.» Eine Arbeitsgruppe war deshalb beauftragt worden, die Realisierung einer regionalen Schiessanlage mit rund 16 Scheiben sowie eventuell einer 50-Meter-Kleinkaliberanlage und eines 25-Meter-Stands für Pistolenschützen zu prüfen. Mit diesem Projekt wollte der KSVU-Vorstand in erster Linie die Zukunft des 300-m-Schiesssports in Uri sichern. Aufgrund erster Abklärungen erachtete die Arbeitsgruppe das Gebiet nördlich des Portals des Neat-Basistunnels in Erstfeld als besten Standort.

In Erstfeld regte sich aber von Anfang an Widerstand, angeführt vom «Komitee gegen verordneten Schiesslärm in Erstfeld». Dieses sammelte über 1000 Unterschriften, «um den Gemeinderat in seiner ablehnenden Haltung zu bestärken». «Die Gemeinde hat in den vergangenen Jahren bereits genug Immissionen ertragen», argumentierten die Gegner. Erwähnt wurden insbesondere die Neat-Baustelle, das Schwerverkehrszen­trum, zwei Helibasen, die Autobahn, aber auch die Staub- und Lärmbelastungen während der Sanierung des A-2-Abschnitts Erstfeld–Amsteg.

Durchmischte Meinungen

Fast ein Jahr lang blieb es danach rund um das KSVU-Projekt ruhig. Jetzt ist das Vorhaben definitiv ad acta gelegt: «Der Vorstand und die eingesetzte Arbeitsgruppe haben beschlossen, die Idee nicht weiterzuverfolgen», sagt Christian Simmen. Hauptgrund für das Aus sei nicht der Widerstand in Erstfeld, sondern viel mehr das geringe Interesse der Urner Sektionen. «Es gab von Anfang an durchmischte Meinungen», so Simmen. ­«Einen echten mentalen Rückhalt aus Schützenkreisen habe ich eigentlich nie richtig gespürt.» An der Präsidentenkonferenz im Herbst 2015 sei das Thema regionale Schiessanlage absichtlich nicht traktandiert worden. «Hätte Interesse an unserem Projekt bestanden, wäre dies spätestens an dieser Zusammenkunft thematisiert worden», erklärt Simmen. «Aber das war nicht der Fall. Und auch nach der DV vom 12. März bin ich nur ein einziges Mal auf das weitere Vorgehen angesprochen worden. Das sind Indizien, die ganz klar für einen Abbruch des Projekts sprechen.»

Simmen betont jedoch: «Auch wenn der Kantonalverband das Projekt nun abbricht, können einzelne Vereine die Idee weiterverfolgen und die Initiative ergreifen.» Der KSVU habe den Sektionen für diesen Fall seine Unterstützung zugesichert. Simmen mahnt jedoch zu Realismus: «Auch eine regionale Schiessanlage dürfte am Mitgliederschwund in den Urner Sektionen nichts ändern. Das 300-m-Schiessen im Urnerland ist und bleibt vom ‹Aussterben› bedroht.»

Genugtuung beim Komitee

«Wir haben den Entscheid des Schützenverbands mit Freude und Genugtuung zur Kenntnis genommen», hält Andreas Siegenthaler, der Sprecher des «Komitees gegen verordneten Schiesslärm in Erstfeld», auf Anfrage fest. «Unser Dorf muss damit keine neuen Immissionen in Kauf nehmen. Somit haben wir unser Ziel erreicht.» Auch Gemeindepräsident Werner Zgraggen ist zufrieden: «Von unserer Seite wurde immer betont, dass der Standort beim Neat-Portal nicht ideal ist», sagt er. «Und auch die gut 1000 Unterschriften des Erstfelder Komitees waren für uns eine Verpflichtung. Ich bin deshalb froh, dass sich das Problem aufgrund des Entscheids des KSVU-Vorstands von selber gelöst hat.» Zgraggen wartet jetzt nur noch auf die offizielle schriftliche Bestätigung des KSVU-Vorstands, dass das Projekt definitiv ad acta gelegt wurde.

Und wie geht es mit dem Schiesssport weiter? «In den Randregionen, beispielsweise in Spiringen, Unterschächen oder Isenthal, boomt das 300-m-Schiesswesen», betont Simmen. «Die meisten andern Sektionen registrieren sinkende Mitgliederzahlen. Im Talboden wird sich das 300-m-Schiessen deshalb wohl auf einige wenige bestehende Anlagen konzentrieren», ist der KSVU-Präsident überzeugt. «Die vorhandenen Kapazitäten – etwa in Flüelen oder auch in Amsteg – reichen aus, um die Nachfrage der interessierten Urner Hobbyschützen abzudecken.»

Vom «Aussterben» bedroht

Trotz allem schätzt Simmen die Zukunft des Schiesssports in Uri aber «generell durchaus positiv» ein. «Die Jugendförderung des KSVU und der Vereine trägt erste Früchte», glaubt er. «Jugendliche lassen sich wieder vermehrt für den Schiesssport begeistern. Allerdings interessieren sie sich weniger für das 300-m-Schiessen, sondern mehr für das Kleinkaliberschiessen über Kurzdistanzen respektive für Disziplinen, die zum Teil sogar olympisch sind», sagt Simmen. «Dort könnten sie früher Kurse belegen als beim 300-Meter-Schiessen. Und sehr oft bleiben die Jugendlichen dann diesen Disziplinen treu – vor allem wenn sie sportlichen Erfolg haben. Nur wenige wechseln später auf die 300-m-Disziplinen.»

Bruno Arnold

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