Die Zeit für die Sanierung von Urner Schiessanlagen drängt

Zwei Drittel der Schiessanlagen im Kanton Uri müssen saniert werden, weil deren Bleibelastung im Bereich der Kugelfänge umweltschädlich ist. Geschieht dies bis Ende 2020, beteiligt sich der Bund an den Kosten.

Carmen Epp
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Bei vier Schiessanlagen wie jener in Flüelen ist ein Sanierungsprojekt in Bearbeitung. (Bild: Florian Arnold, 21. Mai 2019)

Bei vier Schiessanlagen wie jener in Flüelen ist ein Sanierungsprojekt in Bearbeitung. (Bild: Florian Arnold, 21. Mai 2019)

Schiessanlagen können die Umwelt belasten. Deren Kugelfänge gelten nämlich als belastete Standorte im Sinne der Altlastenverordnung. Alexander Imhof, Vorsteher des Amts für Umweltschutz (AfU), das für den Vollzug der Altlastenverordnung zuständig ist, erklärt dies wie folgt: Die meisten auf Schiessplätzen eingesetzten Munitionssorten enthalten pro Geschoss mehrere Gramm Blei – ein giftiges und umweltschädliches Schwermetall. Im Kugelfangbereich von Schiessanlagen bestehen daher hohe Belastungen mit Blei und anderen Schwermetallen.

«Diese Schadstoffe können durch Beweidung oder Graswirtschaft in den Nahrungskreislauf gelangen», führt Imhof aus. Vom Regen würden die Schadstoffe ausgewaschen und könnten so in das Grundwasser oder in Oberflächengewässer gelangen und diese gefährden, führt Imhof weiter aus.

27 von 39 Schiessanlagen müssen untersucht werden

Diese Probleme können durch eine Sanierung der Kugelfänge behoben werden, wobei das belastete Material ausgehoben und entsorgt wird. Damit es bei einem Weiterbetrieb der Schiessanlage nicht zu erneuten Belastungen kommt, muss ein künstliches Kugelfangsystem installiert werden, bei dem praktisch 100 Prozent der Geschosse aufgefangen werden.

Müssen nun also sämtliche Schiessplätze im Kanton Uri saniert werden? Imhof verneint. Im Kataster der belasteten Standorte des Kantons Uri sind aktuell insgesamt 39 Schiessanlagen erfasst. Davon müssen 12 nicht untersucht werden, da deren Kugelfangbereich gemäss Nutzungsplanung vollumfänglich im Wald liegt und weder Grundwasser noch Oberflächengewässer gefährden, wie Imhof erklärt. «Untersuchungsbedürftig sind jene Anlagen, deren Kugelfänge im Landwirtschaftsgebiet, im Bereich des Grundwassers oder von Oberflächengewässern liegen.» Das treffe auf 27 Schiessanlagen zu, unabhängig davon, ob diese in Betrieb oder stillgelegt sind. Dabei führe eine Untersuchung bei Schiessanlagen in den allermeisten Fällen zu einem Sanierungsbedarf.

Bereits saniert wurden die 50-m-Pistolenanlage auf der Rütliwiese, grosse Bereiche des Waffenplatzes Andermatt und zwei Anlagen auf dem Ruag-Areal. Bei den Schiessanlagen in Altdorf, Flüelen, Isenthal und Seedorf ist das Sanierungsprojekt in Bearbeitung, bei 19 steht dies noch aus.

Bis Ende 2020 müssen Bundesvorgaben erfüllt sein

Das AfU hat 2016 Fristen für die Durchführung der Untersuchungen und die Ausarbeitung des Sanierungsprojekts für die einzelnen Anlagen in Uri festgelegt. Je nach Dringlichkeit liegen diese zwischen Ende 2019 und Ende 2025. Dennoch empfiehlt das AfU den Betreibern eine Sanierung bis Ende 2020. Dies aus finanziellen Überlegungen.

Die Kosten für die Sanierung einer Schiessanlage belaufen sich gemäss Imhof im Normalfall zwischen 20'000 und 25'000 Franken pro Scheibe. Falls künstliche Kugelfänge eingebaut werden, kommen noch mal 5000 bis 6000 Franken pro Scheibe hinzu. Diese Kosten muss der Betreiber unter Umständen nicht ganz alleine tragen, wie Imhof erklärt. So unterstützt der Bund die Untersuchung und Sanierung von Schiessanlagen mit Mitteln aus dem Fonds der Verordnung über die Abgabe zur Sanierung von Altlasten (Vasa). Bei 300-m-Schiessanlagen entrichtet der Bund pro Scheibe pauschal 8000 Franken, bei den übrigen Schiessanlagen 40 Prozent der abgeltungsberechtigten Kosten.

Voraussetzung für die Auszahlung von Vasa-Geldern ist, dass der Sanierungsbedarf verbindlich festgestellt worden ist und der Eintrag von Schadstoffen in den Untergrund bis Ende 2020 eingestellt wird. «Das heisst, alle weiter betriebenen Schiessanlagen mit Sanierungsbedarf müssen bis Ende 2020 mit künstlichen Kugelfängen ausgerüstet oder der Schiessbetrieb bis zu diesem Zeitpunkt definitiv eingestellt sein.»

Beim Einbau von künstlichen Kugelfängen falle in der Regel hoch belastetes Aushubmaterial an, dessen Entsorgung nur dann vom Bund abgegolten wird, wenn die Schiessanlage gleichzeitig saniert wird. Deshalb empfiehlt das AfU, gleichzeitig mit dem Einbau von künstlichen Kugelfängen die Schiessanlage bis Ende 2020 altlastenrechtlich zu sanieren, um Synergien zu nutzen und Vasa-Gelder beanspruchen zu können.

Künstliche Kugelfänge für alle Anlagen empfohlen

Das AfU empfiehlt ausserdem, auch jene Schiessanlagen bis Ende 2020 auf künstliche Kugelfänge umzurüsten, die keinen Sanierungsbedarf haben. Als Grund nennt Imhof das Umweltschutzgesetz, das festlegt, dass im Sinne der Vorsorge schädliche Belastungen der Umwelt zu vermeiden respektive frühzeitig zu begrenzen sind. Der Vorsteher des Amts für Umweltschutz betont: 

«Weiteres Schiessen direkt in den Boden verletzt das Vorsorgeprinzip des Umweltschutzes und entspricht nicht mehr dem heutigen Stand der Technik.»

Ausserdem wäre mit dem Einbau von künstlichen Kugelfängen bis Ende 2020 die Grundvoraussetzung für Bundesab­geltungen aus dem Vasa-Fonds auch im Falle von künftig notwendigen Untersuchungen und Massnahmen erfüllt. Bei Nichteinbau hingegen entfallen jegliche künftigen Ansprüche auf eine Kostenbeteiligung seitens Bund und Kanton. Die fehlenden Beiträge wären dann nach dem Verursacherprinzip in erster Linie und vor allem durch die Schützenvereine und die Gemeinden zu tragen. Falls ein Schützenverein nicht zahlungsfähig ist, werden gemäss kantonalem Umweltgesetz die Ausfallkosten je zur Hälfte durch die Gemeinde und den Kanton getragen.