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SCHIFFFAHRT: Der Tourismus auf dem Urnersee wird angekurbelt

Bis 2015 sorgte der Flüeler Ferdi Kaufmann für äusserst gefragte touristische Attraktionen auf dem Urnersee. Jetzt sollen die Rundfahrten mit Kaufmanns alten Schiffen neu aufleben.
Ferdi Kaufmann hat seine beiden Schiffe verkauft. Sie sollen bald wieder mit Gästen an Bord auslaufen. (Bild: Urs Hanhart (Flüelen, 7. Februar 2018))

Ferdi Kaufmann hat seine beiden Schiffe verkauft. Sie sollen bald wieder mit Gästen an Bord auslaufen. (Bild: Urs Hanhart (Flüelen, 7. Februar 2018))

Ferdi Kaufmann (79) kennt den Urnersee wie seine eigene Hosentasche. Jahrzehntelang hat er mit seinen Motorschiffen Wilhelm Tell (Baujahr 1953) und Flüelen (1959) Abertausende von Touristen auf dem Urnersee herumgeführt. Dabei hat er Fragen zum See, zu den schroffen Felsen am Axen und zu Wind und Wetter beantwortet. Er hat vor Ort Details zu geschichtsträchtigen Stätten wie Tellsplatte, Rütli oder Schillerstein erläutert – sauber herausgeputzt, mit der unverwechselbaren Kapitänsmütze auf dem Kopf. Ferdi Kaufmann machte jede Schifffahrt zu einem unvergesslichen touristischen Erlebnis für auswärtige Gäste, wohl auch weil er bei seinen Schilderungen schon mal die Grenzen zwischen Geschichtsschreibung und eigenem Erfindergeist fantasievoll ineinanderfliessen liess.

Die einheimischen Fahrgäste erinnern sich wohl weniger an Kaufmanns Geografie- oder Geschichtsunterricht, sondern viel mehr an wortgewaltige Tiraden über die «Nichtsnutze und Lausbuben in der Verwaltung oder über die Bürokratie in den vom Amtsschimmel beherrschten Büros». Wenn Kaufmann nicht gerade mit Gästen unterwegs war, dann hat der gelernte Möbelschreiner Pfähle in den Vierwaldstättersee gerammt, Motoren repariert, Pontons geschweisst oder in seiner Werkstätte gebohrt, gesägt, geleimt und gehämmert.

«Wilhelm Tell» soll schon im Juni fahren

Seit 2015 gehören Seerundfahrten mit Ferdi Kaufmann der Vergangenheit an. Wegen gesundheitlicher Probleme musste er den Betrieb schweren Herzens aufgeben. «Wilhelm Tell» und «Flüelen» lagen bis vor wenigen Tagen auf dem See vor Kaufmanns Haus an der Seestrasse 1 in Flüelen vor Anker und rosteten dort vor sich hin. Nun wird ihnen neues Leben eingehaucht – von der Ende Januar gegründeten Schifffahrt Urnersee AG. Sie hat die beiden Schiffe erworben, zum Heimathafen der Arnold & Co. AG («Kompanyy») gezogen und dort mit einem 250-Tonnen-Spezialkran aus dem See auf das Areal des Flüeler Unternehmens gehievt. Rund 250000 Franken will die AG in die Sanierung der Schiffe investieren. Die Arbeiten werden einerseits von «Kompanyy»-Mitarbeitern ausgeführt. Andererseits können aber auch diverse Urner KMU und Spezialfirmen – beispielsweise für den Innenausbau oder für Nautikelemente – auf Aufträge hoffen. Bereits im Juni 2018 soll der rund 38 Tonnen schwere «Wilhelm Tell», der rund 60 Personen Platz bieten wird, zu seiner zweiten Jungfernfahrt starten. Die Wiederinbetriebnahme der «Flüelen» (20 Tonnen, 50 Plätze) ist im Frühjahr 2019 geplant.

Ferdi Kaufmann hatte mehrere Kaufinteressenten. Für ihn war aber stets klar: «Die Schiffe müssen in Flüelen bleiben und sollen an Leute gehen, die eine Beziehung zum Kanton Uri und zum See haben. Und das ist jetzt der Fall.» Kaufmann verschweigt nicht, dass ihm der Verkauf trotzdem schwergefallen ist. «Schiffe haben mein Leben über 70 Jahre lang geprägt. Ich habe zusammen mit meiner Familie viel Liebe und Herzblut in die Schifffahrt investiert. Ja, die Trennung schmerzt.»

Keine Konkurrenz zu Kursen der SGV

Als Verwaltungsratspräsident der Schifffahrt Urnersee AG amtiert Matthias Steinegger aus Flüelen. «Unser neues Unternehmen sieht sich nicht als Konkurrenz zu den fahrplanmässig verkehrenden Kursschiffen der SGV», betont er. «Wir möchten ganz einfach den Tourismus auf dem Urnersee ankurbeln respektive unseren Lebensraum besser nutzen und vermarkten.» Die Wiederbelebung des Rundfahrten­angebots sei so etwas wie die Initialzündung, um dieses Ziel zu erreichen. «Vom See aus sieht man die an malerische Fjorde erinnernde Landschaft am besten.» Bezüglich Angebot denkt Steinegger vor allem an Rundfahrten für Touristen, Hochzeitsgesellschaften, Jahrgängertreffen, Firmen usw. «Wir wären schlechte Unternehmer, wenn wir nichts verdienen möchten», betont er. «Aber es stecken vor allem viel Freude an der Schifffahrt und eine grosse Portion Idealismus hinter unserem Engagement.» Möglich geworden sei das alles nur dank der unkomplizierten Zusammenarbeit mit Ferdi Kaufmann und des gegenseitigen Einhaltens der getroffenen Absichtserklärungen.

Kaufmanns Geist wird weiterleben

Kaufmann trennt sich nicht ganz von seinem Lebenswerk. Er ist einer der 16 Teilhaber, die hauptsächlich aus Uri und Schwyz stammen. Die Schiffe werden weiterhin vor seinem Haus anlegen. Zum Aus- und Zusteigen darf die Schifffahrt Urnersee AG auch einen Schiffsteg in Brunnen benützen, den schon Kaufmann ansteuerte. Und nicht zuletzt wird im «Wilhelm Tell» und in der «Flüelen» der unverwechselbare Geist weiterleben, den Kaufmann seinen Schiffen eingehaucht hat.

Bruno Arnold

redaktion@urnerzeitung.ch

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