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Die Schiffstation Tellsplatte bleibt bis 2021 gesperrt

Die Kursschiffe der SGV können die Schiffstation Tellsplatte nicht mehr anfahren. Wer die Kosten für die Sanierung übernimmt, steht noch nicht fest. Volkswirtschaftsdirektor Urban Camenzind spricht von einer «bösen Überraschung». Der Sisiger Gemeindepräsident ist empört und nennt das Ganze «ein Trauerspiel».
Markus Zwyssig
Kursschiffe der SGV können den Schiffssteg an der Tellsplatte nicht mehr anfahren. Bild (Keystone/Urs Flüeler, Sisikon, 17. Juli 2018.)

Kursschiffe der SGV können den Schiffssteg an der Tellsplatte nicht mehr anfahren. Bild (Keystone/Urs Flüeler, Sisikon, 17. Juli 2018.)

Die Station Tellsplatte wird ab Freitag, 25. Januar, von Kursschiffen nicht mehr angefahren. Dazu hat sich die Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV) entschieden, wie sie in einer Mitteilung schreibt. Bereits in den Jahren 2016 und 2017 musste die SGV für 170'000 Franken Notsanierungen durchführen.

Vor kurzem hat die SGV den Zustand der Schiffstation Tells­platte erneut prüfen lassen. Dabei stellten die Fachpersonen fest, dass sich der bauliche Zustand derart verschlechtert hat, dass die Betriebssicherheit nicht mehr sichergestellt ist.

SGV will die Kosten nicht mehr alleine tragen

Eine nachhaltige Sanierung der Schiffstation kostet zirka 600'000 Franken. Das will die SGV nicht mehr alleine tragen, wie Geschäftsführer Stefan Schulthess auf Anfrage ausführt. «Nur rund 6000 Passagiere steigen im Jahr bei der Tells­platte ein und aus», erklärt er.

Für die gesamte Flotte und die Infrastrukturen stünden jährlich rund 10 Millionen Franken zur Verfügung. «Daher müssen wir Prioritäten setzen und da investieren, wo wir beziehungsweise unsere Kunden den grössten Nutzen haben», so Schulthess. «Aus wirtschaftlichen Überlegungen ist eine Investition in dieser Grössenordnung nicht gerechtfertigt.»

Seit Frühling 2017 ist die SGV zusammen mit der Gemeinde Sisikon, dem Kanton Uri und weiteren interessierten Parteien im Gespräch und auf der Suche nach einer Lösung. Diese konnte bisher noch nicht gefunden werden. Grundsätzlich ist die SGV bereit, die Schiffstation zusammen mit weiterer finanzieller Unterstützung zu sanieren und wieder in Betrieb zu nehmen. Dies wäre frühestens auf die Saison 2021 möglich.

Volkswirtschaftsdirektor verspricht, nach Geldquellen zu suchen

Was muss gemacht werden? «Witterung und Wellengang haben dem zirka 100-jährigen Unterbau des Schiffsstegs arg zugesetzt, darum muss er aus Sicherheitsgründen saniert werden, wenn er weiterhin genutzt werden soll», erklärt Schulthess.

Volkswirtschaftsdirektor Urban Camenzind sprach von einer «bösen Überraschung». Angesichts des schlechten Zustands bleibe wohl nichts anders übrig, als die Schiffsanlegestation vorderhand zu schliessen. Er versprach, mit den Partnern zusammen nach Geldquellen zu suchen.

Der Sisiger Gemeindepräsident Timotheus Abegg spricht von einem Trauerspiel. «Es kann doch nicht sein, dass die Tells­platte nicht mehr angefahren wird», sagt er empört. «Angesichts der tiefroten Zahlen ist es unserer Gemeinde gar nicht möglich, sich finanziell an einer Sanierung zu beteiligen.» Abeggs Fazit: «Es ist unser Auftrag gegenüber der Schweizer Geschichte, dass die Tellsplatte mit dem Schiff erreichbar bleibt.»

Touristikfachmann bedauert die Schliessung ebenfalls

Maurus Stöckli, Geschäftsführer der Uri Tourismus AG, ist von der Kurzfristigkeit des Entscheids zur Schliessung der Schiffstation überrascht. «Die Tellsplatte gehört zusammen mit dem Bundesbriefmuseum in Schwyz und dem Rütli zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Ursprungsgeschichte der Schweiz.» Die Tells­platte sei mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur mit dem Schiff oder zu Fuss erreichbar.

Drei Stationen der Schnitzeljagd Tatort Tell befinden sich bei der Tellsplatte. «Weil es sich dabei um ein Sommerprodukt handelt, haben wir noch ein bisschen Zeit», sagt Stöckli. «Wir versuchen eine Lösung zu finden.»

Auch wenn viele Wanderer auf dem Weg der Schweiz bei der Tellsplatte einkehren würden, profitierten die dortigen Gastrobetriebe auch vom Schiffsverkehr. Daher meint Stöckli: «Erst wenn keine Schiffe mehr halten, merkt man, was fehlt.» Der Geschäftsführer der Uri Tourismus AG würde es sehr schade finden, wenn die Tellsplatte mit dem Schiff nicht mehr angefahren würde.


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