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Bussen wegen Schiri-Mangel: Urner Vereine gehen neue Wege

Schiedsrichter haben einen schweren Stand, die Rekrutierung verläuft zäh – auch in Uri. In der Folge werden die Vereine zur Kasse gebeten werden. Dem wollen die Klubs nun mit einem neuen Konzept entgegenwirken.
Philipp Zurfluh
Dringend gesucht: Schiedsrichter. (Bild: Symbolbild: Christian Pfander/freshfocus)

Dringend gesucht: Schiedsrichter. (Bild: Symbolbild: Christian Pfander/freshfocus)

Sie stehen häufig in der Kritik und müssen Unverständnis oder Häme einstecken. Als Fussball-Schiedsrichter wird man nicht immer freundlich oder sportlich behandelt. Manche beenden schon nach kurzer Zeit ihr Engagement. Doch gäbe es sie nicht, rollt kein Ball über das Grün. Damit der Spielbetrieb auf allen Ebenen von den Frauen über die Aktiven bis hin zu den Veteranen reibungslos abläuft, müssen alle Klubs über ein gewisses Kontingent an Unparteiischen verfügen.

Die Urner Fussballvereine FC Altdorf, FC Schattdorf, ESC Erstfeld und FC Flüelen haben zunehmend Probleme, dem Innerschweizer Fussballverband (IFV) genügend Schiedsrichter zu melden – derzeit stellen die vier Klubs insgesamt 15 Schiedsrichter. Die Konsequenz: Die Klubs werden vom IFV finanziell abgestraft und müssen eine Busse bezahlen, weil bei der Anzahl Schiedsrichter Unterbestand herrscht. «Eine Verbesserung der Situation ist nicht absehbar», erklärt Roger Stöckli, Schiedsrichterverantwortlicher des FC Altdorf, der zusammen mit Godi Herger, der beim FC Flüelen dieselbe Funktion ausübt, das Projekt «SchirUri» erarbeitet. Pro Jahr und fehlendem Schiedsrichter müssen die Klubs 500 Franken hinblättern. Andererseits erhalten sie vom IFV 1000 Franken, wenn die Vereine einen Überbestand aufweisen.

Bussen werden fair aufgeteilt

Gebildet wird ein Schiedsrichterpool. Alle gemeldeten Urner Schiedsrichter sollen in einem gemeinsamen Team vereint werden. «In Zukunft sollen alle Klubs genügend Schiedsrichter stellen können, damit die Strafzahlungen minimiert werden können», sagt Stöckli. Falls zwei Jahre nach Projektstart immer noch Unterbestände herrschen, wird die Busse unter den vier Vereinen solidarischen nach Schiedsrichter-Anteilen aufgeteilt.

Auf die Saison 2019/20 hin soll das Projekt umgesetzt werden. Noch stehen die Einverständniserklärungen der Klubpräsidenten aus, diese seien aber nur noch Formsache.

Wertschätzung gegenüber Schiedsrichtern stärken

Aus dem Projekt soll neben dem Kostenaspekt auch ein anderer positiver Nebeneffekt resultieren. «Die Schiedsrichter in Uri sollen untereinander ein ‹Wir-Gefühl» entwickeln, die Kollegialität gefördert werden›, so Stöckli, der selber seit über zehn Jahren als Schiedsrichter im Einsatz steht. Im Weitern soll durch «SchirUri» die Wertschätzung gegenüber den Schiedsrichtern gestärkt werden. Für junge Schiedsrichter, die noch über wenig Erfahrung verfügen, soll der neue Verein zudem eine Anlaufstelle bieten. «Die Älteren und Routinierten sollen eine Vorbildfunktion einnehmen und mit Rat und Tat den Jüngeren zur Seite stehen», sagt Stöckli.

Mit dem neuen Konzept soll auch die finanzielle Entschädigung der Schiedsrichter verbessert werden. Jeder Verein zahlt pro Schiedsrichter, den der Verein stellt, 600 Franken auf ein gemeinsames Konto ein. 400 Franken gehen direkt an den Schiedsrichter, 200 Franken bleiben als Reserve auf dem Konto. Diese Reserve dient als finanzieller Beitrag an allfälligen Ausgaben wie ein gemeinsames Essen oder eine Beteiligung an neuer Ausrüstung, die der Unparteiische während der Saison braucht.

Notfalls werden Spiele abgesagt

Die Rekrutierung von Neu-Schiedsrichtern, ist nicht nur im Kanton Uri ein Problem, das weiss Beat Dittli bestens. Er ist Präsident der Schiedsrichterkommission des Innerschweizer Fussballverbandes und somit «höchster» Schiedsrichter der Zentralschweiz. «Die Schiedsrichter-Knappheit ist ein schweizweites Phänomen», sagt Dittli. «Leider machen sich Vereine in dieser Hinsicht kaum Gedanken und werden erst dann aktiv, wenn sich die Bussen auf mehrere Tausend Franken belaufen.» Er nimmt deshalb die Fussballklubs in die Pflicht. «Es werden immer mehr Mannschaften zum Spielbetrieb angemeldet, die Rekrutierung der Schiedsrichter wird aber aussen vor gelassen.»

Die Zentralschweiz verfügt zur Zeit über 480 Schiedsrichter. «Was auf dem Papier nach sehr viel aussieht, ist in der Wahrheit ein Gradmesser, dass wir Wochenende für Wochenende alle Spiele besetzen können.» Falls einmal zu wenige Unparteiische zu Verfügung stehen würden, müssten Spiele abgesagt werden, so Dittli. Schlaflose Nächte würde er deswegen keine haben: «Vielleicht würde dadurch sogar ein Umdenken bei den Vereinen wie auch bei allen Fussballfans stattfinden, welche das Gefühl haben, mehr vom Regelwerk zu verstehen als die ausgebildeten Schiedsrichter», kritisiert er. Die Frage, wie man das Schiedsrichteramt schmackhafter machen könnte, ist laut Dittli schwer zu beantworten. Ein Ansatz sei, den Schiedsrichtern eine höhere Pauschale pro Spielleitung auszubezahlen. «Dies führt jedoch nicht dazu, dass wir die richtigen Schiedsrichter erhalten, sondern wohl nur diejenigen, welche es des Geldes wegen machen.» Als letzte Massnahme sei sogar eine Streichung von Mannschaften aus dem Spielbetrieb möglich, wenn ein Verein über mehrere Jahre zu wenig Schiedsrichter meldet. Dies tun bereits andere Schweizer Verbände. (pz)

Doch warum fällt es den Fussballklubs so schwer, genügend Schiedsrichter zu finden? «Auf und neben dem Spielfeld ist man Einzelkämpfer. Man fährt alleine zu den Spielen und alleine wieder nach Hause», sagt Stöckli. Bei jungen Schiedsrichtern stelle auch die Mobilität ein Hindernis dar. «Manche haben weder ein Auto noch einen Fahrausweis.» Und die Anreise zu den Spielorten sei teilweise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln sehr umständlich. Ein weiteres Killerargument: Immer wieder gibt es Negativschlagzeilen im Zusammenhang mit Schiedsrichtern. Für Roger Stöckli ist klar: «Solche Meldungen schrecken ab.» Als Schiedsrichter frage man sich dann:

«Wieso soll ich einen Tag am Wochenende opfern, wenn ich ohnehin nur beschimpft werde?»

Des Weiteren würden viele Junge selber Fussball spielen oder seien als Trainer einer Mannschaft beschäftigt.

In der Schweiz gibt es Vereine, die mit verlockenden finanziellen Angeboten versuchen, den Schiedsrichter-Job attraktiver zu gestalten. So etwa der FC Bütschwil aus St. Gallen. Der Klub ist nächste Saison dringend auf neue Schiedsrichter angewiesen. Wie kürzlich dem «St. Galler Tagblatt» zu entnehmen war, bietet er Schiedsrichtern eine jährliche Entschädigung von 3000 Franken, sofern diese die Anzahl Pflichtspiele pro Saison erreichen. Ein gangbarer Weg auch für Urner Vereine? Stöckli sieht bei einem zu grossen finanziellen Anreiz die Gefahr, dass die Schiedsrichter ihr Hobby nur noch des Geldes wegen ausüben. «Das Geld darf nicht die einzige Motivation sein. Aber wenn ein Junger beispielsweise vier Spiele pro Monat arbitriert, hat er immerhin einige Hundert Franken Taschengeld. Es ist ein kleiner aber schöner finanzieller Zustupf.»

Frauen haben gute Aufstiegsmöglichkeiten

Für Ende März haben Roger Stöckli und Godi Herger einen Infoabend geplant, um die Neugier am Hobby Schiedsrichter zu wecken. «Wir werden unser Konzept vorstellen und versuchen, Interessierte von der Schiedsrichterei zu überzeugen.» Auch Frauen sind herzlich willkommen. Momentan ist im Kanton Uri keine Schiedsrichterin aktiv. Auch ihnen soll das Hobby schmackhaft gemacht werden. «Schiedsrichterinnen haben grössere Aufstiegschancen als ihr männliches Pendant.»

Hinweis: Interessierte Personen können sich bis am 24. Februar bei Roger Stöckli (roetsch24@hotmail.com) oder Godi Herger (godi.herger@bluewin.ch) melden.

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