Schneeräumung
Nur dank Muskelkraft fährt die Treib-Seelisberg-Bahn auch im Winter

Schaufeln am frühen Morgen: Noch heute müssen die Rollen der Treib-Seelisberg-Bahn bei Schnee von Hand freigeräumt werden.

Christoph Näpflin
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Die Treib-Seelisberg-Bahn bringt nebst Ausflugsgästen auch Pendler am Morgen zur Arbeit oder in die Schule. Damit die Standseilbahn bei viel Schnee verkehren kann, muss das Trassee von Hand freigeschaufelt werden. Bei grossen Schneemengen kann ein Teil der weissen Pracht mit einem speziell für die Bahn erbauten Schneepflug weggeräumt werden.

Stefan Ferber startet am frühen Morgen mit der Räumung des Trassees.

Stefan Ferber startet am frühen Morgen mit der Räumung des Trassees.

Bild: Christoph Näpflin (Seelisberg, 15. Januar 2021)

Die in den Jahren 1914 bis 1916 erbaute Bergbahn war eigentlich nur für den Sommerbetrieb geplant. So wurde beim Bau der Strecke nicht auf die Schneeräumung geachtet. Der Schiffsbetrieb funktionierte auch im Winter, sodass die Reisenden, um im Winterhalbjahr über den See nach Brunnen zu kommen, zu Fuss durch hohe Schneemauern nach Treib und wieder hoch waten mussten.

Freischaufeln ist zum Teil mehrmals pro Tag nötig

Da im Winter aber auch die Landverbindung von Seelisberg nach Emmetten und Beckenried oft unterbrochen war, ersuchte die Gemeinde Seelisberg vor 90 Jahren die Treib-Seelisberg-Bahn, einen ganzjährigen Betrieb zu gewährleisten. Dafür musste das Trassee von Hand freigeschaufelt werden, bei starken winterlichen Bedingungen sogar zum Teil mehrmals pro Tag. Diese Arbeit ist nötig, damit die Rollen sich drehen können und das Zugseil der Bahn so keinen Schaden nimmt, wenn es über die Rollen schleift.

Bis heute ist die Schneeräumung Handarbeit.

Bis heute ist die Schneeräumung Handarbeit.

Archivbild: Christoph Näpflin

Diese Arbeit muss bis heute gemacht werden, wenn auch ein spezieller Schneepflug den Schnee bis auf die Höhe vom Zugseil wegschieben kann. «Die Einsätze sind von Jahr zu Jahr sehr unterschiedlich. Im letzten Jahr mussten wir kein einziges Mal die Strecke vom Schnee räumen. Vor 20 Jahren war das Schneeräumungsteam im Monat Februar an 25 Tagen im Einsatz», erinnert sich Richi Waser, stellvertretender Technischer Leiter der Bergbahn.

Bei Bedarf räumt heute eine Equipe von sechs Personen am frühen Morgen das Bahntrassee. Verschiedene Ideen vom Heizen der Geleise über eine Höherlegung vom Trassee bis zum Einsatz eines Gebläses, mussten verworfen werden, da dies in der Praxis nicht umgesetzt werden konnte. So ist auch nach 90 Jahren die wirkungsvollste und einfachste Art der Schneeräumung diejenige von Hand.