SCHULBEGINN: In Bauen kommt etwas Wehmut auf

Der erste Schultag ist für Schüler und Lehrpersonen etwas ganz Spezielles. Bauen hat gestern sogar einen geschichtsträchtigen Schulbeginn erlebt.

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Nicht nur für Lehrerin Silvia Tresch und Erstklässlerin Rahel Bissig (Zweite von links), sondern für die ganze Gemeinde Bauen begann am 18. August das letzte Schuljahr im eigenen Dorf. (Bild Bruno Arnold/Neue UZ)

Nicht nur für Lehrerin Silvia Tresch und Erstklässlerin Rahel Bissig (Zweite von links), sondern für die ganze Gemeinde Bauen begann am 18. August das letzte Schuljahr im eigenen Dorf. (Bild Bruno Arnold/Neue UZ)

Die siebenjährige Rahel Bissig geht wohl in die Dorfgeschichte ein als letztes Kind, das in Bauen eingeschult wurde. Das «historische Ereignis» fand gestern um 10.15 Uhr statt. «Auf den ersten Schultag habe ich mich riesig gefreut», sagt die Erstklässlerin. Und fügt dann ganz scheu hinzu: «Ich bin froh, dass ich jetzt zu Fuss gehen kann.» Den Kindergarten hat Rahel nämlich in Seedorf besucht. Ab Herbst 2009 wird sie aber, wie alle übrigen Bauer Kinder, den Unterricht wieder in der Nachbargemeinde besuchen. Denn die Schule Bauen wird im Sommer 2009 definitiv geschlossen.

Schülerpauschalen decken nur einen Drittel der Kosten
«Natürlich tut der Gedanke weh, dass in einem Jahr Schluss ist», sagt Schulratspräsident Markus Sigrist. Die NFA-Umsetzung in Uri lasse Gemeinden mit kleinen Schülerzahlen gar nichts anderes übrig als einen Zusammenschluss. «Wir müssen realistisch sein. Die Schülerpauschalen decken kaum noch einen Drittel unserer Kosten ab. Für Bauen ist dies untragbar», betont Sigrist.

Sigrist möchte die einschneidenden Änderungen für alle Betroffenen möglichst verträglich gestalten: für Schüler, Lehrpersonen, Eltern und Behörden. «Wir versuchen, auch im letzten Schuljahr konstruktiv zu kooperieren und mit vollem Einsatz das Optimum herauszuholen.»

Zwei Lehrerinnen mit einem etwas mulmigen Gefühl
«Etwas Wehmut ist schon aufgekommen, als ich am Morgen dem See entlang Richtung Bauen gefahren bin», sagt Primarlehrerin Silvia Tresch. Seit bald 20 Jahren unterrichtet die 47-jährige Luzernerin in der kleinsten Urner Gemeinde. «Es ist mir bewusst geworden, dass ich jetzt alles zum letzten Mal erleben werde: den ersten Schultag, die Herbstwanderung, die Weihnachtsfeier, die Schulfasnacht und so weiter.»

Doris Lischer, die das dritte Jahr in Bauen unterrichtet, überfällt beim Gedanken an das Ende der Schule Bauen ebenfalls ein mulmiges Gefühl: «Unvorstellbar. Ein wichtiger Teil des Dorfes stirbt», sagt sie nachdenklich. «Auf dem Schulhausplatz sieht man schon bald keine Kinder mehr herumtoben. Man hört definitiv kein ansteckendes Kinderlachen mehr.»

Doch von «üssplämpälä» wollen die beiden Lehrerinnen rein gar nichts wissen. Im Gegenteil: «Vielleicht tue ich ja alles noch viel bewusster», meint Silvia Tresch. «Und vielleicht geniesse ich dadurch jeden Augenblick in Bauen noch viel mehr», freut sie sich auf ihr letztes Jahr an der Dorfschule. Auch um ihre persönliche berufliche Zukunft ist es Silvia Tresch nicht bange. «Die aktuelle Situation ist auch eine Chance, denn ich habe freie Hand und bin offen für Neues», meint sie. «Ich bin selber bereits neugierig, wo ich in einem Jahr stehen werde.»

Bruno Arnold

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Dienstag in der Neuen Urner Zeitung.