Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Urner Schüler bauen digitale Zeitmaschinen

Die dritte Sekundarstufe in Silenen sorgt dafür, dass alte Geschichten von Zeitzeugen nicht verloren gehen. Dahinter steckt ein Projekt namens «Zeitmaschine.TV», bei dem die Jugendlichen mit Hilfe einer Smartphone-App eigene Kurzfilme auf die Beine stellen.
Remo Infanger
Von links: Flavia Epp, Lea Jauch, Livio Zgraggen und Remo Zgraggen kreieren mit Hilfe einer App, Zeitzeugen und alten Gegenständen kurze Videos. (Bild: Remo Infanger, Silenen, 12. September 2018)

Von links: Flavia Epp, Lea Jauch, Livio Zgraggen und Remo Zgraggen kreieren mit Hilfe einer App, Zeitzeugen und alten Gegenständen kurze Videos. (Bild: Remo Infanger, Silenen, 12. September 2018)

Ein etwas ungewöhnlicher Anblick bietet sich im Klassenzimmer der dritten Sekundarstufe in Silenen. Statt sich in die Schullektüren zu vertiefen, tippen die jungen Frauen und Männer während des Deutschunterrichts mit Kopfhörern in den Ohren auf ihren Smartphones herum. Auf den Pulten liegen CD-Player, Handys oder Fotokameras. Was zunächst aussehen mag wie ein Kaffeekränzchen ungehorsamer Schüler, ist in Wirklichkeit konzentriertes Arbeiten an historischem Material für die Nachwelt.

«Zeitmaschine bauen!» – so heisst das Schulprojekt, mit dem sich die 14 bis 15-Jährigen während einer längeren Phase im Deutschunterricht beschäftigen. «Wir wollen Geschichte erlebbar machen und Begegnungen zwischen Generationen fördern», sagt Christian Lüthi. Er ist der Initiant des Projekts «Zeitmaschine.TV» und begleitet die Klasse in den einzelnen Projekttagen.

«Es geht nicht nur darum, Geschichten festzuhalten»

Der Berner Historiker und Medienwissenschaftler erklärt, worum es dabei geht. «Mit der Hilfe einer selber entwickelten Smartphone-App kreieren die Schüler kurze Videos aus Erinnerungen von Zeitzeugen und weiteren Quellen», sagt Lüthi. Jeweils zu zweit begeben sich die Schüler auf die Suche nach Zeitgenossen, die über historische Geschehnisse erzählen, führen bei einem Besuch ein Gespräch mit der Person und zeichnen dieses auf. «Die Tonspuren werden in kurze Stücke geschnitten und bei einem zweiten Schritt mit Bildmaterial, etwa mit alten Fotoalben des Zeitzeugen, ‹live verfilmt›.» Gestern konnte jede Gruppe ihr dokumentarisches Video auf die Datenbank von «Zeitmaschine.TV» hochladen. Somit entsteht ein immer grösser werdendes Archiv an Erinnerungsfilmen.

Die Idee des Projekts sei aber nicht bloss, Geschichten, die vielleicht verloren gehen würden, festzuhalten. «Genau so wichtig ist der Entstehungsprozess der Videos», ergänzt Lüthi. «Es werden Fähigkeiten geschult, die auch im späteren Berufsleben bedeutend sind.» So lernen die Schüler Techniken bei der Gesprächsführung kennen oder erfahren, wie Interviews korrekt geführt werden. «Und nicht zuletzt soll das Zeitmaschinen-Projekt den Dialog zwischen Alt und Jung fördern», so Lüthi.

Vorbereitung für Abschlussarbeit

Flavia Epp und Lea Jauch haben sich für das Thema Landwirtschaft entschieden. «Meine Grossmutter hat Langezeit in Bristen und Golzern einen Stufenbetrieb mitgeführt», erklärt Epp. «Sie ist deshalb eine gute Interviewpartnerin, weil sie viel über die Techniken und den bäuerlichen Alltag von damals zu erzählen weiss.» Besonders interessant sei zum Beispiel gewesen, wie sie in Bristen mit der ständigen Lawinengefahr im Winter umgegangen sind. Neben spannenden Dialogen hat das Projekt für Lea Jauch auch einen weiteren Nutzen: «Es dient uns als gute Vorbereitung für unsere anstehende Abschlussarbeit.»

Livio Zgraggen und Remo Zgraggen kennen den Seilwart der Luftseilbahn Chilcherbergen persönlich. «Diese Gelegenheit nutzen wir, um mehr über die Vergangenheit der ‹Open-Air-Seilbahn› zu erfahren», erzählt Livio Zgraggen. «Er hat uns alte Bilder gezeigt – von der Maschinenentwicklung bis zum Bau der offenen Kabine aus Holz.»

Datenschutz wird grossgeschrieben

Ein wichtiger Aspekt des Zeitmaschinen-Projekts ist das Stichwort Datenschutz. «Die Schüler hantieren mit privaten Fotoalben der Zeitzeugen, filmen diese persönlichen Erinnerungen und stellen sie ins Internet», holt Lüthi aus. «Darüber müssen sowohl die Jugendlichen als auch die Zeitzeugen sensibilisiert werden.» Die dritte Sekundarstufe in Silenen ist die erste Urner Schule, die beim Projekt mitmacht. Rund 50 Umsetzungen gab es seit 2008 in der Schweiz und in Deutschland. Entstanden sind bisher knapp 700 Kurzvideos. «Das Zusammenarbeiten mit den Silener Schülern macht grossen Spass», so Lüthi. «Sie sind sehr selbstständig in der Bewältigung ihrer Aufgaben.» Ihren Anteil am Erfolg hätten aber auch die Lehrer Hannes Jodar und Philipp Huber. «Sie haben das Projekt perfekt in den Schulalltag eingebaut», betont Christian Lüthi.

Die Kurzfilme der Silener Sekundarstufe finden Sie unter www.zeitmaschine.tv/silenen-ur

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.