Schwieriger Start in eine ungewisse Zukunft

Nach dem jähen Tod des Vaters muss sich eine Urner Bergbauernfamilie völlig neu orientieren. Sie und viele weitere Menschen in der Zentralschweiz hoffen auf die LZ-Weihnachtsaktion – und die Solidarität unserer Leser.

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Lisbeth I. mit ihren Töchtern Claudia (links) und Sandra; im Hintergrund das Heimetli, in dem die Familie wohnt. (Bild: Manuela Jans /Neue LZ)

Lisbeth I. mit ihren Töchtern Claudia (links) und Sandra; im Hintergrund das Heimetli, in dem die Familie wohnt. (Bild: Manuela Jans /Neue LZ)

K laus fehlt uns sehr, mir und meinen Töchtern»: Lisbeth I*. sagt das mit leiser Stimme. Die 15-jährige Sandra und die 13-jährige Claudia wischen Tränen aus den Augen und blicken mit ihrer Mutter schweigend auf das Foto ihres Dädi, wie sie ihren Vater nannten.

Das Foto steht auf der Sitzbank-Lehne an seinem ehemaligen Platz am Esstisch in der Küche. Klaus I., ein stattlicher bärtiger Mann, Bergbauer mit Leib und Seele in einer Urner Berggemeinde, ist am 3. Oktober unverhofft gestorben. Der jähe Tod des 48-jährigen Ehemanns, Vaters und Betriebsleiters bedeutet für seine Familie einen grossen Verlust. «Wir müssen uns auf ein völlig neues Leben einstellen», sagt die 44-jährige Lisbeth I. Zur Trauer kommen Finanzprobleme.

Weitab vom Dorf

Lisbeth und Klaus I. haben das kleine, alte und ihnen dennoch sehr liebe Heimet von den Eltern von Klaus übernommen. Es liegt weitab vom Dorf, in steilem Gelände. Weil das dazugepachtete Land des Milchwirtschaftsbetriebs an mehreren Orten weit verstreut liegt, musste Familie I. ihre volle Arbeitskraft für die Berglandwirtschaft einsetzen.

Der Bau eines neuen Laufstalls für die Kühe – erst vor einem Jahr eingeweiht – war auch ein Zeichen, dass sie an die Zukunft glaubten. Sie hofften, in einigen Jahren, wenn die Schulden für den Laufstall allmählich kleiner würden, vielleicht auch das Wohnhaus etwas modernisieren zu können. Lisbeth I. zeigt Fotos von der Einweihung des Stalls im Herbst 2011.

Freudestrahlend und stolz blickt Bauer I. in die Kamera, seine Arme um Frau und Töchter gelegt. «Er war ein Familienmensch, die beiden Meitli bedeuteten ihm alles», sagt Lisbeth I. wehmütig. Zwar sei Klaus ein geselliger Mann gewesen, aber eben doch am liebsten zu Hause bei seinen Lieben.

Plötzlicher Tod

Am Sonntag, 30. September, klagte Klaus I. über Übelkeit und Magenschmerzen. Am Montag sah es nach einer Darmgrippe aus, am Dienstag musste Lisbeth I. ihren Mann beim Gang in die Arztpraxis stützen. Er erlitt in der Praxis einen Kreislaufkollaps, wurde ins Spital gebracht und fiel am Nachmittag ins Koma.

In der Nacht auf Mittwoch, 3. Oktober, ruft das Spital an, es sei eine Verschlechterung eingetreten. Lisbeth I. fuhr früh morgens mit ihren Töchtern ins Spital. «Wir konnten von ihm Abschied nehmen, aber er war leider nicht mehr bei Bewusstsein. Gerade als unser Pfarrer ihm die Krankensalbung geben wollte, ist Klaus kurz vor zehn Uhr gestorben.»

Zusatzverdienst mit Putzen

Lisbeth I. hat aus dem Dorf, der Familie und aus dem näheren Umfeld viel Anteilnahme und Mitgefühl erfahren und Hilfsangebote erhalten. Dennoch gibt es durch den Todesfall unerwartete und ungedeckte Kosten, finanzielle Engpässe und eine völlig neue Situation. Der kleine Betrieb ernährte die Familie, aber grosse Sprünge konnte sie nie machen.

Seit einiger Zeit ging Lisbeth I. noch putzen, um etwas hinzu zu verdienen. «Wir kamen immer grad so über die Runden. Wir sind es gewohnt, einfach und bescheiden zu leben», sagt sie. Der Holzofen in der Küche heizt auch die Stube, die darübergelegenen Schlafzimmer hingegen haben keine Heizung. Die Räume sind klein, haben eine tiefe Decke.

Den Betrieb verlassen

So bescheiden und nicht sehr komfortabel das Haus ist – für Lisbeth und ihre Töchter ist es das geliebte Zuhause, an dem sie hängen. Dennoch zeichnet sich ab, dass sie es in absehbarer Zeit werden verlassen müssen. «Allein kann ich den Betrieb nicht weiterführen», erklärt Lisbeth I. Einen Angestellten zu finanzieren, liege aus dem kleinen Ertrag nicht drin.

Darum ist sie mit Unterstützung der landwirtschaftlichen Beratung Uri bereits daran, eine neue Lösung für den Betrieb zu suchen. Lisbeth wird mit ihren Töchtern in eine Wohnung im Dorf zügeln. «Und wenn es mir dann wieder besser geht, werde ich wieder putzen gehen, damit das Geld reicht.» Auch die neue Wohnsituation macht Sorgen: Einige Anschaffungen werden unumgänglich sein. «Es wird ein komplett neues Leben sein», sagt Lisbeth I., «und es wird nicht einfach sein für uns. Es ist schwer, dieses Zuhause hier aufzugeben.»

Ein Pult und Werkzeuge

Was gibt ihr Kraft in dieser schwierigen Zeit? «Der Herrgott. Er gibt mir immer wieder so viel Kraft, wie ich gerade brauche. Ich nehme einen Tag nach dem anderen», antwortet Lisbeth I. Und wenn sie nun einen Wunsch frei hätte? Sie schweigt eine Weile, sagt dann zögernd: «Vielleicht einmal ein Ausflug mit meinen Töchtern, das wäre schön.

Und dann sollte ich bereits seit einiger Zeit meine Zähne flicken lassen. Das habe ich wegen den Kosten immer hinausgeschoben.» Claudia und Sandra schweigen. Ihre Mutter sagt, dass Claudia ein Pult nötig hat. Sandra, die im kommenden August ihre Lehre als Coiffeuse beginnen wird, muss das nötige Werkzeug anschaffen.

Starthilfe für Neuanfang

Kein Zweifel: Familie I. benötigt Hilfe, braucht einen Überbrückungsbeitrag auf ihrem schwierigen Weg des Abschieds von ihrem Heimet und des Starts in eine neue, noch ungewisse Zukunft. Darum hat die Gemeindekanzlei ein Gesuch an die LZ-Weihnachtsaktion eingereicht. Mit einer Spende an die LZ-Weihnachtsaktion können unsere Leserinnen und Leser helfen – der Familie I. und vielen anderen Familien und Einzelpersonen, die finanzielle und oft auch soziale Probleme haben.

Lisbeth I. und ihre Kinder haben gezögert, «in die Zeitung zu kommen». Sie haben schliesslich zugestimmt, «weil wir diese Spendenaktion sehr gut finden und weil wir wissen, dass bereits viele Menschen im Kanton Uri und in der ganzen Zentralschweiz Hilfe erhalten haben und viele dieses Jahr auf Hilfe hoffen».

Grossherzig helfen

Das ist so: Bei der LZ-Weihnachtsaktion sind seit Anfang Oktober bereits über 700 Gesuche eingetroffen. Kinder, junge, alte, allein lebende Menschen und Familien verdienen unsere Solidarität, unsere Hilfe. Dazu kommt: Wer Geld für die LZ-Weihnachtsaktion spendet, schenkt damit auch Zuversicht und neue Hoffnung, wie immer wieder in Dankesbriefen zu lesen ist.

Am Samstag liegt unserer Zeitung ein Einzahlungsschein bei; und auch online kann man spenden. Wir danken allen, die ihr Herz und ihr Portemonnaie grosszügig öffnen für Menschen in unserer Region, die Hilfe nötig haben.

Ruth Schneider

HINWEIS
*) Den Familiennamen und die Gemeinde nennen wir auf Wunsch der betroffenen Familie nicht.

Am Samstag liegt in unserer Zeitung der Spenden-Einzahlungsschein bei

Am Samstag liegt unserer Zeitung der Flyer mit vielen Infos und dem Einzahlungsschein der LZ- Weihnachtsaktion bei. Unser Spendenkonto: 60-33377-5. Online spenden können Sie auf .

Sammelaktionen: Bitte informieren Sie uns, wenn Sie für die LZ-Weihnachtsaktion einen Bazar, ein Konzert oder einen Suppentag planen oder Bastelartikel herstellen. Telefon 041 429 54 04. Mail: lzweihnachtsaktion@lzmedien.ch.

Keine Sachspenden: Aus logistischen Gründen können wir keine Gegenstände entgegennehmen.

Gesuche: Direkte Gesuche Privater an die LZ Weihnachtsaktion sind nicht möglich. Gesuche werden von Sozialämtern und Institutionen eingereicht.

Sorgfältige Prüfung: Alle Gesuche – ausschliesslich aus unserer Region – werden vom Beirat der LZ Weihnachtsaktion sorgfältig geprüft. Das 13-köpfige, ehrenamtlich tätige Fachgremium aus allen Zentralschweizer Kantonen garantiert für den sorgfältigen und wirkungsvollen Einsatz der Spenden. Präsidiert wird der Beirat von Urs W. Studer, alt Stadtpräsident von Luzern.