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SCHWINGEN: Besonnener Chef im emsigen Treiben

Der Bürgler Alois Arnold ist zurzeit der gefragteste Mann in Seedorf. Zwei Wochen Freizeit opfert er für seinen Job als Bauchef am «Innerschweizerischen».
Bruno Arnold
Bauchef Alois Arnold strahlt vor Freude: «Meine Helfer haben in den vergangenen Tagen wirklich fantastische Arbeit geleistet.» (Bild: Urs Hanart)

Bauchef Alois Arnold strahlt vor Freude: «Meine Helfer haben in den vergangenen Tagen wirklich fantastische Arbeit geleistet.» (Bild: Urs Hanart)

Bruno Arnold

Auf dem Areal in Seedorf, auf dem am Sonntag das «Innerschweizerische» über die Bühne geht, herrscht am Dienstagmorgen emsiges Treiben. Ein Maschinist erledigt mit einem Bagger kleine Aushubarbeiten. Seine Kollegen transportieren mit Hubstaplern und Traktoren tonnenweise Material auf den Festplatz. Zivilschützer montieren Tribünenelemente. Auf der Wiese südlich des Schlosses A Pro markiert eine Gruppe den Standort des VIP-Zelts. Fachleute installieren elektrische Anschlüsse und sanitäre Anlagen. An der Dorfstrasse steht ein mit Tribünenelementen gefüllter Lastwagen mit Anhänger zum Abladen bereit. Nicht weniger als 35 solche LKW-Transporte werden es bis Ende dieser Woche gewesen sein.

Täglich 30 bis 60 Leute im Einsatz

Seit dem 25. Juni und voraussichtlich bis am 10. Juli stehen in Seedorf täglich zwischen 30 und 60 Leute für das Schwingfest im Einsatz. Ein Mann ist von morgens 7.30 bis abends 20.30 Uhr besonders gefragt: Bauchef Alois Arnold, im Volksmund bekannt als «Staldä Wisi». Der 61-jährige Bürgler steht beim Eingang zum Festplatz und wirkt sehr entspannt, obwohl die Verantwortung, die auf seinen Schultern lastet, so schwer sein dürfte wie ein Teil der benötigten Infrastrukturen. «Ich kann auf die grosse Erfahrung des Chefs Technik, Franz Schuler, zählen, aber auch auf gute Ressortverantwortliche», sagt er. «Ob Stromversorgung, TV- und Wireless-Anschlüsse, Dekoration, Transporte, Beschilderung, Entsorgung oder der Bereich Abwasser: Meine Ressortleiter leisten in diesen Tagen wirklich hervorragende Arbeit», lobt der Bauchef. «Dass wir alle unsere Aufgaben in den vergangenen drei Jahren exakt und detailliert geplant und vorbereitet haben, zahlt sich jetzt aus. Wir konnten genügend Helfer rekrutieren, dürfen auf den Zivilschutz Uri zählen, und auch die Abläufe funktionieren wie geplant und fast reibungslos», freut sich Arnold. «Und wenn sich ein Problem ergibt, dann schiessen wir nicht sofort drein. Wir überlegen ganz ruhig, prüfen mögliche Ideen oder Varianten und setzen dann die passende Lösung um.»

Ein Berner aus dem Schächental ...

«Wisi ist einer, der sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen lässt», charakterisiert ihn sein jahrelanger Kollege Josef Gisler. «Gesunder Menschenverstand, der Blick für das Machbare sowie Flexibilität im Denken und Handeln zeichnen ihn aus.» Arnold handle stets gewissenhaft, besonnen und zuverlässig, und er sei kein Mann der lauten Töne oder der Kurzschlusshandlungen.

Eigentlich könnte der Bürgler Bauernsohn aufgrund seiner Wesensart ein Berner sein, weist er doch genau jene Eigenschaften auf, die man den Bernern am häufigsten attestiert: bedächtig, tolerant und gutherzig. Doch nicht nur aufgrund des Dialekts erkennt man schnell, dass «dr Staldä Wisi» kein Berner, sondern ein Schächentaler ist. Er weist viele jener Eigenschaften auf, mit denen man die Bevölkerung im Einzugsgebiet des Klausenpasses gerne in Verbindung bringt: eher wortkarg und zurückhaltend, mit beiden Beinen auf dem Boden stehend sowie mit einer das Gegenüber sehr oft entwaffnenden Ironie und Bauernschläue ausgestattet. Arnold ist zudem auch mit der Scholle verbunden – und in der Tradition verwurzelt.

«Das Schwingen hat mich schon immer fasziniert», sagt der ehemalige Präsident der Korporation Uri. Und: «Ohne Freiwillige wären solche Anlässe wie das ‹Innerschweizerische› ja gar nicht möglich.» Diese zwei Hauptgründe führt er auch für sein Engagement im OK an. Unzählige Stunden hat er seit 2012 für Sitzungen und Besprechungen oder für Planungsarbeiten im stillen Kämmerlein eingesetzt. Gut vierzehn Tage seiner sonst schon knapp bemessenen Freizeit investiert der Bürgler Kleinunternehmer vor und nach dem «Innerschweizerischen» in seinen Job als Bauchef für den Grossanlass in Seedorf. Sein eigener Tiefbaubetrieb muss während dieser Zeit grösstenteils ohne ihn laufen. «Wäre ich krank oder hätte ich Unfall, müsste es ja auch gehen, oder? Zudem war meine Absenz planbar», betont Arnold. Als wäre sein Einsatz in Seedorf eine Selbstverständlichkeit ...

«Hätte wohl kaum Ja gesagt»

Bereits 2005 war Seedorf Austragungsort des «Innerschweizerischen». «Ich konnte viele Pläne, Daten und Zahlen von damals übernehmen», hält der Bauchef fest. «Hätte ich selber alles aufgleisen müssen, hätte ich wohl kaum Ja gesagt.» Trotz der vorhandenen Unterlagen vom Fest 2005 sei er aber überrascht worden, und zwar vor allem von gewissen neuen Grössenverhältnissen. Arnold nennt prioritär den Bereich der Stromversorgung. 2015 wird doppelt so viel Strom benötigt wie noch vor zehn Jahren. «Direktübertragungen von Tele 1, die Aufzeichnungen für Fernsehen SRF, das Public Viewing in der Rollhockeyhalle, die grössere Zahl von Medienleuten, die Wireless benötigen, zusätzliche Aussenstände mit Fritteusen et cetera sind für diese Erweiterung verantwortlich», erklärt der Bauchef.

Schlaflose Nächte habe er keine gehabt, sagt Arnold. «Dann und wann habe ich vor dem Einschlafen aber doch noch ein paar Überlegungen angestellt», meint er mit einem Schmunzeln. Auch den Worst Case – den Abbruch des Schwingfests, zum Beispiel wegen drohender sintflutartiger Regengüsse oder wegen eines Sturms – habe man besprochen. «Es gibt ein fixfertiges Notfallkonzept», betont Arnold – in der Hoffnung, dass es nicht umgesetzt werden muss. «Wenn dann am Sonntagabend alles geklappt hat und bis dahin alles unfallfrei verlaufen ist, dann werde ich mir sicher ein ganz grosses Bier genehmigen – oder zwei», meint er und lacht. Bevor es am Montag wieder an den Rückbau geht.

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