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SCHWINGEN: Herger nutzt Gunst der Stunde

Josef Herger sorgte 1995 in Schattdorf für einen Exploit. Selten gesehene Schnelligkeit, eine brillante Technik und Ausdauer waren dabei sein Erfolgsrezept.
Stefan Gisler*
1995 gewann Josef Herger das Innerschweizerische Schwing- und Älplerfest in Schattdorf. (Bild: PD)

1995 gewann Josef Herger das Innerschweizerische Schwing- und Älplerfest in Schattdorf. (Bild: PD)

In den 1990er-Jahren wurde das Geschehen in den Sägemehlringen der Innerschweiz hauptsächlich von Eugen Hasler bestimmt. Wo der Märchler Ausnahmekönner antrat, dominierte er beinahe nach Belieben. Auch am Inner-schweizerischen Schwing- und Älplerfest von 1995 in Schattdorf wurde Hasler, zusammen mit dem Berner Gast und amtierenden Schwingerkönig Silvio Rüfenacht, die grössten Siegeschancen eingeräumt. Als stärkste Herausforderer handelte man Werner Vitali, Daniel von Euw oder Alex Auf der Maur. Aussenseiterchancen gab man aber auch dem Spirgner Josef Herger («Bänziger Sepp»). Nach einer sehr guten Saison mit dem 2. Rang am Urner Kantonalen, dem Kranzgewinn als Gast am Waadtländer Kantonalen sowie der Schlussgangteilnahme am Ob- und Nidwaldner Kantonalen und am Bergfest auf dem Stoos hatte sich Herger im Schatten der Favoriten still und leise ins Rampenlicht gekämpft. Auf eindrückliche Art und Weise bewies der Bergbauernsohn, dass im Schwingsport auch als Leichtgewicht Spitzenleistungen möglich sind. Mit brillanter Technik und selten gesehener Schnelligkeit machte er die körperlichen Defizite mehr als wett und begeisterte viele Schwingerfreunde weit über die Kantonsgrenzen hinaus.

Gunst der Stunde genutzt

Seine grosse Stunde schlug dann am Innerschweizerischen 1995 in Schattdorf. Nachdem sich die Favoriten im Verlaufe des Tages mit gestellten Gängen gegenseitig aus der Entscheidung geworfen hatten, war der Weg frei für andere. Herger nutzte die Gunst der Stunde. Der Punkteteilung mit Thomas Stöckli zu Beginn folgten zwei Pflichtsiege (gegen Martin Wicki und Werner Bachmann). Mit den beiden Erfolgen über die zähen Kurt Marty und Rainer Betschart sicherte er sich in der Folge die Schlussgangteilnahme. Dort wartete mit Othmar Hodel ein unbequemer und starker Gegner. Doch «Bänziger Sepps» Ermüdungstaktik ging auf. Er konnte den körperlich überlegenen Kontrahenten nach längerer Gangdauer mit Armzug besiegen und sich so vor heimischem Publikum als Sieger feiern lassen.

Zum Schwingen kam der aufgeweckte Jüngling mit vierzehn Jahren. Der Mutter war die Rauferei unter den Bänziger-Brüdern irgendwann zu viel geworden ... Der ehemalige Unterschächner Kranzschwinger Alois Arnold («Davä-Wisi») nahm jeweils einige junge Schächentaler mit ins Klubtraining. Als grosses Vorbild nennt Sepp Herger den unverwüstlichen Josef Arnold, eidgenössischer Kranzgewinner 1964, dessen Körperspannung und blitzschnelle Wechsel ihn tief beeindruckt hatten. Gefördert wurde der talentierte Sennenschwinger auch von Walter Wyrsch, seines Zeichens ebenfalls Eidgenosse und mehrfacher Kranzfestsieger.

Bereits 1986 hatte der junge Sepp Herger aufgrund seiner guten Saisonleistungen auf die Teilnahme am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Sion gehofft. Durch den überraschenden Kranzgewinn eines Urner Verbands­kameraden am Innerschweizerischen rutschte aber dieser ins Aufgebot. Auch drei Jahre später hatte Herger Pech: ­Obwohl sich der Schächentaler Schönschwinger souverän für das Eidgenössische in Stans qualifiziert hatte, musste er passen. Ein am Brünig-Schwinget zugezogener Sprunggelenkbruch mit Bänderriss verhinderte die Teilnahme. Die Enttäuschung in Urner Schwingerkreisen war gross. Aufgrund der sehr guten Leistungen im Vorfeld, unter anderem mit dem ersten Kranzfestsieg am Ehrentag der Ob- und Nidwaldner Schwinger, hatten nicht wenige mit dem Gewinn des eidgenössischen Kranzes durch «Bänziger Sepp» geliebäugelt.

Kampfrichter sehen es anders ...

Auch am Eidgenössischen 1992 in Olten klebte dem mittlerweile zur festen Grösse im Innerschweizer Verband gereiften Athleten das Pech an den Fersen. Nach einem optimalen Start mit Siegen über den Aargauer Marcel Villiger und den Appenzeller Eidgenossen Walter Schiess wurde dem Urner Aushängeschild der routinierte und mehrfache Eidgenosse Hans Hämmerli zugeteilt. Warum das korrekte Resultat in der Platzmitte bei den Kampfrichtern keinen Anklang fand, bleibt vermutlich deren Geheimnis. Es folgten zwei weitere Gestellte gegen Christian Oesch und Res Blatter, die beide kranzgeschmückt den Heimweg antreten konnten. Im sechsten Durchgang traf Sepp auf den Freiburger Kurzzüger Emanuel Crausaz. Auch dieser schien nach mehrmaligem Gut des Platzkampfrichters besiegt zu sein. Der Unparteiische änderte aber nach lautstarken Protesten der welschen Anhänger seine Meinung und liess weiter schwingen, worauf sich Sepp der Spezialwaffe des baumlangen Kontrahenten beugen musste. Mit dem Sieg über Oswald Haltiner brachte sich Herger wieder auf Kurs. Im alles entscheidenden Duell gegen den Zürcher Eidgenossen Daniel Bachmann sahen nochmals viele den Urner als Sieger, erneut ­wurde das Resultat aber nicht gegeben.

Mit seiner positiven Einstellung ­steckte der blendende Techniker diesen Rückschlag weg und nahm 1995 in Chur einen weiteren Anlauf auf Eichenlaub mit eidgenössischer Prägung. Mit dem Sieg am ISV-Fest in Schattdorf hatten sich allerdings die Vorzeichen geändert, und der Druck war ungleich höher, zumal dies seine voraussichtlich letzte Teilnahme an einem Eidgenössischen sein würde. Mit drei Gestellten und einem Sieg gelang der erste Tag auch überhaupt nicht nach Wunsch. Mit zwei Siegen am nächsten Morgen kämpfte sich Sepp aber hartnäckig zurück. Nach einem turbulenten Gang und der Niederlage gegen den Ostschweizer Spitzenmann Urs Bürgler konnte er im Kampf um den Kranz den St. Galler Andi Riget sicher bezwingen. Endlich konnte er sich den ersehnten eidgenössischen Kranz aufsetzen lassen, und wohl jeder ­gönnte dem stets fairen Sportsmann diesen Erfolg. Als Aktiver konnte Sepp Herger auch am Bundesfeierschwinget 1991 in Flüelen, am Unspunnenfest 1993 und – allerdings grippegeschwächt – auch am Kilchberg-Schwinget 1996 teilnehmen.

Rücktritt mit 32 Jahren

Im Anschluss an die mit sechs Kränzen nochmals sehr erfolgreiche Saison 1996 trat Sepp im Alter von 32 Jahren vom Spitzensport zurück. Da seine Frau Margrit und er mittlerweile Eltern der drei Mädchen Nadja (1991), Manuela (1992) und Tamara (1995) geworden waren, fehlte ihm schlicht die Zeit, sich nochmals mit der nötigen und ihm eigenen seriösen Art auf eine neue Wettkampfsaison vorzubereiten. Insgesamt hatte der mit «Übersprung», «Wyberhaken», «Brienzer»und ganz allgemein mit Hakenschwüngen agierende Techniker 43 Kränze erkämpft. Zum ISV-Sieg gesellten sich auch je ein Erfolg am Urner- und am Ob- und Nidwaldner Kantonalen. Fünfmal schwang er zudem am Urner Rangschwinget obenaus. Acht Kränze am ISV-Verbandsfest sowie vier Bergkränze zieren seinen Kranzkasten. Bei den damals eher spärlich möglichen Einsätzen als Gästeschwinger realisierte Herger eine makellose Bilanz: 1985 gewann er sein erstes Eichenlaub überhaupt am Luzerner Kantonalen. Auch am Zuger Kantonalen 1992, auf dem Schwarzsee 1992, am Schwyzer Kantonalen 1994, Berner Kantonalen 1994, Waadtländer Kantonalen 1995 und am Südwestschweizerischen Teilverbandsfest 1996 gewann er das begehrte Eichenlaub.

Nach seiner erfolgreichen Aktivlaufbahn stellte er sich auch als Funktionär in den Dienst der Schwingersache. So konnte er sein Wissen über längere Zeit als technischer Leiter und später während zehn Jahren als Bubenleiter im Schwingklub Bürglen weitergeben. Zudem stand er dem Verein vier Jahre als umsichtiger Präsident vor. Besonders angetan war und ist Sepp aber vom Urnerboden-Schwinget. So hatte er über viele Jahre stets eine führende Position im jeweiligen OK inne. Seine Tätigkeit führte vom Bauchef über den Gabenchef bis hin zum OK-Präsidenten. Sehr ­gerne nahm er auch die zahlreichen Einladungen als Kursleiter an. Für sein unermüdliches Schaffen erhielt er die verdiente Ehrenmitgliedschaft auf Vereins- und Kantonalverbandsebene.

Auch als Klubpräsident tätig

Der gelernte Maurer ist seit 1990 als Angestellter des Bauamts Uri und Leiter eines vierköpfigen Teams für den Strassenunterhalt von Bürglen bis auf den Urnerboden zuständig. Schwingfeste besucht er heute nicht mehr allzu viele, er verfolgt das Geschehen aber in den Medien. Der grossen Medienpräsenz und den steigenden finanziellen Anreizen steht er skeptisch gegenüber, da «dadurch die Grundwerte des geliebten Nationalspiels gefährdet werden».

Seine Freizeit verbringt der leidenschaftliche Jasser und Skifahrer gerne mit seinen Grosskindern Julian, Lina und Leonie. Schöne Freundschaften verbinden ihn bis heute mit den ehemaligen Schwyzer Schwingern Geni Hasler, Vinzenz Küttel und Franz Schuler. In bester Erinnerung ist ihm auch die sechswöchige Hochzeitsreise in die USA geblieben. Zu Gunsten eines Klubkameraden verzichtete er trotz Qualifikation auf die Teilnahme am Kilchberg-Schwinget 1990 und bereiste während dieser Zeit Kalifornien. Auch für den Besuch dreier Schwingfeste blieb Zeit. Wer weiss, vielleicht hätte er auch das geplante vierte Kräftemessen für sich entscheiden können, wenn er die Wettkampfstätte rechtzeitig gefunden hätte ...

Stefan Gisler*

*Der 2014 vom aktiven Schwingsport zurück­getretene Stefan Gisler amtiert als Pressechef am Innerschweizerischen vom Sonntag in Seedorf. Der 37-jährige Altdorfer ist Mitglied des organisierenden Schwingklubs Bürglen und hat in seiner Karriere 31 Kränze gewonnen, unter anderem deren vier an Innerschweizerischen Schwing- und Älplerfesten.

1995 gewann Josef Herger das Innerschweizerische Schwing- und Älplerfest in Schattdorf. (Bilder PD)

1995 gewann Josef Herger das Innerschweizerische Schwing- und Älplerfest in Schattdorf. (Bilder PD)

Der heute 51-jährige «Bänziger Sepp» mit seiner Frau und den drei Töchtern. (Bild: PD)

Der heute 51-jährige «Bänziger Sepp» mit seiner Frau und den drei Töchtern. (Bild: PD)

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