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Kommentar

Schwung muss nach Bern gelangen

Redaktionsleiter Florian Arnold zu den Urner Nationalratswahlen
Florian Arnold
Florian Arnold, Redaktionsleiter

Florian Arnold, Redaktionsleiter

Die Urner haben sich für jung statt alt, für Mitte- statt Polpartei, für gesellig statt intellektuell entschieden. Mit einer knappen Mehrheit ist nun die alte «Zauberformel» mit einem FDP-Sitz und zwei CVP-Vertretern für Uri wiederhergestellt. SVP und SP gehen leer aus.

Als jüngster Kandidat legte der 31-jährige Stadler einen auffälligen Wahlkampf hin. Dabei gelang es ihm, den anfänglich geglaubten Nachteil («er ist zu jung dafür») in einen Vorteil umzuwandeln: Stadler scharte ein spritziges Team um sich. Mit «unabhängigen Komitees» wurde nicht gespart, so erhielt Stadler Unterstützung von Bauern sowie Sportlern, Vereinsmitgliedern und Vertretern des Gewerbes. Seinen Werdegang vom Maurer zum Primarschullehrer setzte er geschickt in Szene. Auch die Sanierung des Berufs- und Weiterbildungszentrums Uri, die auf einen Vorstoss von Stadler zurückzuführen ist, blieb in der Flut von Leserbriefen nicht unerwähnt. Stadler bediente sich aber auch der Rezepte, die sonst eher anderen Parteien zugeschrieben werden: Mit seinen «Stubätä» trat er unter Begleitung von Ländlermusik niederschwellig mit der Bevölkerung in Kontakt – und dies auch in kleineren Urner Gemeinden.

Pascal Blöchlinger trennten nur 345 Stimmen vom Einzug in den Nationalrat. Zweimal führte ein Unglück dazu, dass die Wahlchancen des SVP-Vertreters stiegen. Zum einen, als Matthias Steinegger seine Kandidatur aus gesundheitlichen Gründen zurückziehen musste. Vor allem der Wirtschaftsflügel sah sich danach von Blöchlinger am ehesten repräsentiert. Dies unterstrich auch der Verband Wirtschaft Uri, der ihn offiziell unterstützte. Zudem hatte auch die Schliessung der Axenstrasse einen positiven Effekt, denn Blöchlinger setzte sich schon früher für das Projekt Neue Axenstrasse ein.

Chancenlos blieb der linke Kandidat Urs Kälin. Auch wenn er wohl aufgrund seiner klimafreundlichen Politik gerade auch bei einem Teil der jungen Wählerschaft punkten konnte, dürfte sein fortgeschrittenes Alter nicht gerade förderlich gewesen sein. Ausserdem ist auch nicht ausgeschlossen, dass einige Linke aus taktischen Gründen Simon Stadler ihre Stimme gaben, um so die SVP-Wahl zu verhindern.

Simon Stadlers Auftritt kam also am besten an. Dass er sich in diversen Vereinen engagiert hat und auch für politische Anliegen zu mobilisieren weiss, hat er bewiesen. In Bern weht allerdings ein anderer Wind und das Engagement in noch so vielen Vereinen dürfte die Mitparlamentarier weder beeindrucken noch beeinflussen. Für Stadler gilt deshalb: Den jugendlichen Schwung mitnehmen und zwischendurch auch die Hörner zeigen. Denn in Bern kommt nur vorwärts, wer sich auch mal unbeliebt macht.

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