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SEEDORF: Fusion schürt Ängste und Hoffnungen

Welche Vorteile und Chancen bringt eine Fusion der Gemeinden Seedorf und Bauen – oder überwiegen die Risiken? Diese und weitere Fragen wurden an einem Bevölkerungsforum in Seedorf erörtert.
Urs Hanhart
Projektleiter Patrick Deicher (rechts) und Moderator Stefan Käppeli nehmen die auf farbigen Karten notierten Inputs zur Gemeindefusion Bauen-Seedorf auf. (Bild: Urs Hanhart (Seedorf, 16. März 2018))

Projektleiter Patrick Deicher (rechts) und Moderator Stefan Käppeli nehmen die auf farbigen Karten notierten Inputs zur Gemeindefusion Bauen-Seedorf auf. (Bild: Urs Hanhart (Seedorf, 16. März 2018))

Urs Hanhart

urs.hanhart@urnerzeitung.ch

Die Gemeinden Seedorf und Bauen prüfen einen möglichen Zusammenschluss. Ende Januar 2018 haben die Fusionsabklärungen dazu gestartet. Die beiden Gemeinden werden bei diesem Projekt von der BDO AG und der Hochschule Luzern begleitet.

Am Donnerstagabend wurde in der Aula Seedorf erstmals ein so genanntes Bevölkerungsforum durchgeführt. Rund 60 Einwohner nutzten die Gelegenheit, ihre Meinungen und Anliegen einzubringen. Eine analoge Veranstaltung wird es in zwei Wochen auch in Bauen geben.

Vor- und Nachteile in Arbeitsgruppen erörtert

«Unser heutiges Ziel ist es, positive und kritische Stimmen, aber auch Ängste und Hoffnungen einzufangen», sagte Gemeindepräsident Max Aschwanden in seiner Begrüssung. Als Moderator zeichnete Stefan Käppeli von der Hochschule Luzern verantwortlich. «Wir möchten heute die Meinungen in Ihrer Gemeinde abholen», sagte er einleitend. «Insbesondere wollen wir wissen, was die beiden Gemeinden im Falle einer Fusion unbedingt erhalten möchten.»

Nach einem Überblick durch Gesamtprojektleiter Patrick Deicher, der in der Schweiz bereits sieben Fusionsprozesse begleitet hat, wurden die Versammelten in drei Arbeitsgruppen eingeteilt. Es ging darum, drei konkrete Fragen zur Fusion zu beantworten.

Welche Vorteile, Chancen und Hoffnungen verbinden Sie mit einer Fusion im Vergleich zum Alleingang? So lautete die erste Frage. Die Antworten fielen bei allen drei Gruppen ähnlich aus. Man erhofft sich eine bessere Nutzung von Synergien, eine Effizienzsteigerung, eine Optimierung der Finanzen, eine schlankere Verwaltung sowie generell einen frischen Wind und eine bessere Chance, Behördenmitglieder zu finden.

Auf die Frage nach den Nachteilen, Risiken und Befürchtungen, wurden Bedenken bezüglich einer Verschlechterung der Finanzlage, das Auftauchen von versteckten Mängeln bei Infrastrukturen, Identitätsverlust und die Angst geäussert, keinen gemeinsamen Nenner zu finden. Als Problem sehen einige auch die grosse Distanz zwischen den Gemeinden.

Schliesslich konnten die Arbeitsgruppen festhalten, was ihnen besonders wichtig ist bei einer Fusion. Hier gab es insbesondere Antworten finanzieller Natur wie: keine finanziellen Nachteile, keine Erhöhung des Steuerfusses und keine Kostenausweitung. Aber auch gegenseitiges Verständnis, am selben Strick ziehen und gute Zusammenarbeit sind zentrale Anliegen. Zudem sind vielen der Erhalt des Gemeindenamens und des Gemeindewappens sowie des Bürgerorts wichtig.

Verschiedene Dimensionen müssen betrachtet werden

Die BDO AG und die Hochschule Luzern haben gemeinsam bereits rund 70 Gemeindefusionen betreut. «Diese Erfahrungen fliessen beim Fusionsprojekt Seedorf-Bauen natürlich ein», sagte Projektleiter Dähler. «Die Frage, für wen es sich wirklich gelohnt hat, sei jeweils der heikle Punkt. Es gebe verschiedene Dimensionen, die betrachtet werden müssen, so Dähler. Ein zentrales Thema seien stets die Finanzen. «Eine Fusion sollte eigentlich noch viel mehr mit sich bringen, als dass es unter dem Strich finanziell funktioniert», gab Dähler zu bedenken, «Man bringt Menschen zueinander, profitiert von Synergieeffekten und kann bessere Dienstleistungen anbieten. Diese Aspekte gilt es immer auch miteinzubeziehen.»

Die Ergebnisse würden nun ausgewertet und festgelegt, was in die Aufträge der Arbeitsgruppen einfliessen wird. Ende Juni oder anfangs Juli soll dann ein zweites Bevölkerungsforum abgehalten werden. «Dort werden wir darüber diskutieren, wie man sich eine fusionierte Gemeinde vorstellt. Sowohl die positiven als auch die negativen Seiten sollen aufgezeigt werden. Zudem möchten wir zu den Zwischenergebnissen der Arbeitsgruppen eine Meinung abholen», so Moderator Käppeli.

Ein Entscheid über eine Fusion sei immer ein Gesamtpaket, gab Projektleiter Deicher in seinem Schlusswort zu bedenken. «Es wird ziemlich sicher passieren, dass einem eine Lösung in einem Teilbereich nicht so behagt.» Er rief deshalb dazu auf, immer das grosse Ganze im Auge zu behalten und zu beurteilen, ob das Gesamtpaket stimmt. «Man kann eine kleine Kröte schlucken, wenn man dafür im Grossen einen Vorteil erhält.»

Der Fusionsprozess zweier Gemeinden ist ein Pilotprojekt im Kanton Uri. «Die Gesetzgebung ist nicht gleich wie in anderen Kantonen. Deshalb brauchen wir für dieses Projekt auch entsprechend Zeit», so Deicher. Vollzogen werden soll die Fusion am 1. Januar 2021, sofern die Gemeinden Seedorf und Bauen sowie der Regierungsrat und der Landrat zustimmen.

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